Gastro-Öffnung: Zurück zum Wirt, aber nur mit Test. Mit 19. Mai dürfen Wirte wieder aufsperren. Doch die Skepsis, ob das mit den Maßnahmen rentabel ist, ist groß.

Von Anna Faltner. Erstellt am 12. Mai 2021 (04:32)
Gastronom Christian Kamleitner (rechts im Bild) vom „Café am Platz“ in Ybbsitz hat in den letzten Tagen den Gastgarten in Schuss gebracht und neue Eiskreationen ausprobiert.
privat

Nach einem halben Jahr (!) ohne Gäste zählen Wirte und Hoteliers jetzt nur noch die Tage. Es geht wieder los. Stillgestanden sind die meisten Gas tronomen in der langen Pause zwar meist ohnehin nicht, jetzt stecken sie aber mitten in den Vorbereitungen für die langersehnte Öffnung. Begleitet werden diese aber auch von Skepsis. Lassen sich die Leute tatsächlich für das Schnitzel beim Wirt testen?

Bei Schlosswirt Andreas Plappert gilt: Die vorgeschriebenen Maßnahmen der Verordnung werden natürlich eingehalten. Trotzdem soll der Besuch für den Gast so einfach und normal wie möglich aussehen. „Wir haben den riesengroßen Vorteil, dass wir die Teststraße quasi direkt vor unserer Haustüre haben. Man brauch ja entweder einen negativen Test oder man ist genesen, damit man rein darf“, sagt Plappert.

So richtig losgehen wird es bei ihm erst am Freitag, dem 21. Mai. Denn die zwei Tage zuvor will er das System erst ausprobieren. „Dann wissen wir, wie wir das Ganze wirklich am sinnvollsten umsetzen können.“

„Ich glaube, die Freude aufs Wirtshaus überwiegt, und nicht der Frust auf das Testen. Wir haben einen riesengroßen Vorteil, und zwar die Teststraße vor der Tür.“ Schlosswirt Andreas Plappert

Bis dahin gibt es noch genug zu tun. Die Küche wurde renoviert und neu gestrichen, das erste Stockwerk wurde neu ausgemalt, momentan werden noch die Gastgartenmöbel gestrichen und an kreativen Rezepten für die Speisekarte wird auch täglich gefeilt.

Apropos Speisekarte. Gemeinsam mit Wirtskollegen Stefan Hueber aus St. Georgen an der Leys (Bezirk Scheibbs) fokussiert sich der Schlosswirt von der Eröffnung weg bis Ende Juni auf alte Wirtshausklassiker. Die Speisekarte besteht in dieser Zeit aus zwei Teilen. Die klassische Wirtshausküche mit Schnitzel, Suppe, Forelle und Backhendl darf natürlich nicht fehlen, genauso wie saisonale Spezialitäten wie Spargel oder Bärlauch.

„Auf der anderen Seite geben wir alten Wirtshausklassikern ein neues Kleid. Das sind Uraltgerichte, die man heute kaum mehr auf der Speisekarte findet. Wir haben versucht, Omas Rezepte in ein zeitgemäßes Kleid zu verpacken. So wie bei der Mode. Die Gerichte dürfen zwar so schmecken wie bei Oma. Aber sie sehen moderner aus“, verrät Plappert. Mit auf der Karte ist beispielsweise Reisfleisch, aber in ganz neuem Stil.

Auch Mitarbeiter für Öffnungen

Neben dem Schlosswirt freuen sich auch seine Mitarbeiter wieder aufs Aufsperren. „Wir haben alle wieder mit an Bord, bisher waren alle in Kurzarbeit. Grundsätzlich sind wir gut aufgestellt, aber natürlich freuen wir uns auch über Verstärkung“, antwortet Plappert auf die Frage, ob er durch die Krise einen stärkeren Personalmangel verspürt. Auch über die Motivation seiner Gäste macht er sich keine Sorgen. „Ich glaube, die Freude aufs Wirtshaus überwiegt, und nicht der Frust wegen dem Testen“, ist er zuversichtlich. Plappert steht hinter den Maßnahmen, immerhin möchte er auf keinen Fall zum Spreader-Lokal werden.

Im Ybbsitzer „Café am Platz“ von Familie Kamleitner tut sich auch schon einiges. Gläser durchwaschen, Bestelllisten anfertigen, abgelaufene Getränke zurückbringen und den Gastgarten in Schuss bringen – das steht aktuell an.

Wie viel wird tatsächlich los sein? Diese Frage beschäftigt Natascha und Christian Kamleitner am meisten. „Die Meinungen sind da wirklich ganz unterschiedlich. Wollen sich die Leute testen lassen? Wie oft ist es überhaupt notwendig? Und nehmen sie es überhaupt in Kauf für einen Besuch? Das ist extrem schwer einzuschätzen“, sagt Natascha Kamleitner. Auch die Personalplanung sei schwierig. „Wir sind ein kleiner Betrieb und stehen meistens alleine drin. Wie soll man da Leute kontrollieren, vielleicht noch mit ihnen über die Maßnahmen diskutieren und natürlich servieren?“, fragt sich Kamleitner. Deshalb lassen sie die nächsten Wochen einfach einmal auf sich zukommen und bleiben guter Dinge.

Der Waidhofner Punti Wirt Christian Schwarz fokussiert sich zu hundert Prozent auf das Outdoor-Geschäft. „Indoor brauchen wir gar nicht erst aufsperren. Wir sind ein kleines Wirtshaus. Bei den Maßnahmen würde das gar keinen Sinn machen“, meint er. Welche Maßnahmen dann schlussendlich einzuhalten seien, wisse man ohnehin erst, kurz bevor dann tatsächlich aufgemacht wird. „Es war bis jetzt ja auch noch nie so, dass in der Verordnung das drinstand, was im Vorhinein angekündigt wurde.“

Abholservice hat Kundenstamm gehalten

Fest steht aber: Schwarz will nicht „sudern“. Durch das Abholservice in den vergangenen Monaten haben ihm seine Stammgäste ihre Treue bewiesen. „Das gibt Hoffnung aufs Aufsperren. Beim Abholen ergeben sich schöne Momente, wo man sich kurz sieht und plaudern kann. Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Leuten wieder Normalität zurückzugeben“, betont der Punti Wirt.

Er wünscht sich, dass die Leute im Wirtshaus bald wieder ausgelassen miteinander reden, eins trinken und Spaß zusammen haben können. „Ich glaube, fürs Erste sind die gas tronomischen Leistungen nebensächlich. Das Zwischenmenschliche müssen wir wieder zurück an den Wirtshaustisch holen. Das ist jetzt unser Job und das meine ich aus tiefstem Herzen so. Meine vorrangigste Aufgabe ist es, den Leuten Freude zurückzugeben.“

Das familiäre Team vom Punti Wirt kommt in voller Stärke zurück. Einige Mitarbeiter waren vorübergehend in Kurzarbeit, niemand wurde oder hat gekündigt.

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