„Impfen, impfen, impfen!“. Ärzte und Land NÖ setzen bei Impfungen auf Aufklärung. Regelmäßige Auffrischungen auch für Erwachsene nötig.

Von Julia Zacher. Erstellt am 12. Februar 2020 (04:45)
Shutterstock/Syda Productions

Spricht man mit Ärzten und Apothekern über das Thema Impfungen, so herrscht derzeit ein Thema vor: Grippe. Die Grippewelle rollt gerade durch Österreich, Zehntausende sind bereits erkrankt. Eine Impfung gibt es zwar, doch sie wird zunehmend schlechter angenommen, wie Adelheid Tazreiter von der Waidhofner Ybbstal-Apotheke berichtet.

„Es ist immer weniger Menschen bewusst, dass es sich bei der echten Grippe um eine schwere Erkrankung handelt, infolge derer es auch in Österreich jedes Jahr zu Todesfällen kommt“, sagt sie. In den letzten Jahren würden selbst Risikogruppen wie ältere Menschen über 60 seltener Impfstoffe kaufen. „Momentan ist die Vorsicht vor Coronavirus größer, obwohl Grippe die weitaus größere Gefahr darstellt.“ Gutes und steigendes Bewusstsein sei aber für gerade in Grippezeiten notwendige Hygienemaßnahmen wie z. B. regelmäßiges Händewaschen vorhanden.

Doch nicht nur gegen Influenzaviren ist ein Kraut gewachsen, auch die Ansteckung mit vielen anderen Krankheiten kann in Form von Impfungen verhindert werden. „Impfungen sorgen dafür, dass Krankheiten fern bleiben“, formuliert es Tazreiter klar. „Je höher die Durchimpfungsrate ist, desto eher können Krankheiten ausgerottet werden, wie man an den Pocken gesehen hat. Das ist statistisch eindeutig. Auch die Masern könnten wir schon längst los sein.“

Mit der Kampagne „Darum Impfen“ will das Land NÖ nun mehr Bewusstsein schaffen, was auch Reinhard Bauer, praktischer Arzt in Böhlerwerk, begrüßt. Er ist ein „großer Befürworter des Impfens“ und empfiehlt für Erwachsene alle Impfungen. Auch für Reisen notwendige Impfungen sollten dabei nicht vergessen werden. Eine Grippeimpfung sei für Kinder schon ab dem 6. Lebensmonat möglich. Manche Impfungen, z. B. gegen Masern, sollten unbedingt vor dem Einschulen erfolgen. „Die in Österreich verfügbaren Impfstoffe sind lange am Markt und gut getestet“, so Bauer. Impfschäden habe er noch nie gesehen, nur Impfreaktionen wie kleine Rötungen. Impfgegner zu überzeugen, sei dennoch meist unmöglich. Dem erneuten Voranschreiten von Krankheiten wie den Masern mit Impfpflichten zu begegnen hält er aber für schwierig – besser sei Aufklärung.

Auffrischungen werden oft vergessen

Je früher man mit dem Impfen beginne, desto bessere Immunitäten könnten erreicht werden, erklärt Gerhard Gattringer, praktischer Arzt in Waidhofen. Auch er empfiehlt Impfungen, besonders für Risikogruppen. Pneumokokkeninfektionen, gegen die es eine Impfung gibt, würden beispielsweise gerade bei älteren Menschen zu schweren Erkrankungen führen.

Im Erwachsenenalter nötige Auffrischungen wie die Kombi-Impfung Diphtherie/Tetanus/Keuchhusten/Polio würden oft vergessen werden, so Gattringer, und erst anlassbezogen nachgeholt, etwa die Tetanusimpfung nach einer Verletzung.

„Absolute Befürworterin“ von Impfungen ist auch Doris Hofbauer-Freudenthaler, praktische Ärztin in Opponitz. „Man sollte keine Impfung weglassen. Impfen ist sinnvoll, tut nicht weh und ist nur ein kleiner Stich.“ Sie selbst versucht, mit gutem Beispiel voranzugehen, indem sie bei sich und ihrer Familie auf vollständigen Impfschutz achtet. „Ich habe Kontakt zu vielen Menschen, in meiner Ordination sitzen täglich Grippeerkrankte. Ich bin geimpft, ich werde nicht krank – ich hoffe, dass ich dadurch einige Leute überzeugen kann, dass eine Impfung wirkt.“

Von einer Grippe betroffen sei nicht nur die erkrankte Person, Krankenstände würden auch in Betrieben für Ausfälle sorgen, Schulen müssten während Krankheitswellen bisweilen sogar geschlossen bleiben.

So nutzt also nicht nur dem Einzelnen der ärztliche Rat, den Reinhard Bauer so formuliert: „Impfen, impfen, impfen! Damit sollte man die ganze Seite vollschreiben.“

Umfrage beendet

  • Was haltet ihr von einer Grippe-Impfpflicht?