Kontrolle hilft gegen die Raser. Schnellfahren wird künftig streng geahndet. Auch Stadtgemeinde Waidhofen/Ybbs setzt Akzente bei gefährlichen Straßenstellen.

Von Hermann Knapp und Anna Faltner. Erstellt am 08. September 2021 (04:26)
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Die B 121 am Haaberg in Amstetten ist eine beliebte Rennstrecke der Roadrunner-Szene. Schon im Vorjahr hat die Polizei eine Schwerpunktaktion gegen illegale Straßenrennen durchgeführt und Chefinspektor Oliver Zechmeister plant in Zusammenarbeit mit der Landesverkehrsabteilung auch für heuer eine „Aktion scharf“.
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„Geschwindigkeit wird als ein entscheidender Faktor für die Anzahl und die Schwere von Verkehrsunfällen gesehen“, sagt Major Andreas Kronsteiner vom Bezirkspolizeikommando in Amstetten.

Eine Analyse der Unfallorte, Unfallzeiten und Unfallursachen ergibt, dass im Bezirk die B 122 (Richtung Steyr) diesbezüglich ein Hotspot ist, aber auch einige Landstraßen zählen dazu und auch Teile der B 121. Im Ersten Halbjahr wurden im Bezirk Amstetten wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen 3.106 Organstrafverfügungen erlassen und 1.736 Anzeigen erstattet. Die Strafen für Raser werden mit 1. September empfindlich höher. Der Rahmen für die Ahndung von Geschwindigkeitsübertretungen wurde von bisher 2.180 Euro auf bis zu 5.000 Euro angehoben. Damit einhergehend wurden auch die Mindestentzugszeiten für den Führerschein verdoppelt. Im Wiederholungsfall wird sowohl der Strafbetrag höher als auch die Dauer des Führerscheinentzuges länger.

Die Polizei im Bezirk führt schon seit 2013 Verkehrsüberwachungsschwerpunkte durch. „Ziel ist es, die Anzahl der Geschwindigkeitsüberschreitungen auf Freilandstraßen und somit auch die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle und der Unfälle mit Personenschaden zu senken“, sagt Kronsteiner. Das ist auch gelungen. Waren 2012 noch jährlich zehn Tote im Straßenverkehr im Bezirk zu beklagen, so waren es 2019 und 2020 „nur“ noch fünf.

Aus Sicht der Feuerwehr kann die Unfallanzahl über Geschwindigkeitsbeschränkungen geregelt werden. Bezirksfeuerwehrkommandant Rudolf Katzengruber hält am Sprichwort „Alles, was nix kostet, ist nichts wert“ fest. „Sobald Tempolimits kontrolliert würden – egal ob durch die Polizei oder mit Radarboxen – gäbe es merklich weniger Probleme“, meint er. Die Straßenbauabteilung 6 des Landes NÖ in Amstetten sieht sich bezüglich Geschwindigkeit im Straßenverkehr im Zwiespalt. „Wir sind für die Sanierung und den Neu-/Zu- oder Umbau von Straßen zuständig. Uns ist bewusst, dass auf neuen Straßen gerne etwas schneller gefahren wird. Deshalb stehen wir auch den neu verhängten gesetzlichen Änderungen positiv gegenüber“, sagt Leiter-Stellvertreter Leopold Röcklinger.

Probleme mit der

Roadrunner-Szene

Das Thema Raser beschäftigt die Feuerwehren im Ybbstal zum Glück nur selten. Michael Höritzauer, Abschnittskommandant von Waidhofen-Stadt, sind keine prägnanten Häufungen an Unfällen, die durch Raserei entstehen, bekannt. „Vor ein paar Jahren hatten wir in Richtung Wieserhöhe schon ein paar Mal etwas. Aber nicht nur wegen der Geschwindigkeit, teilweise, weil die Leute betrunken waren oder wegen Sekundenschlaf“, erzählt er. Ähnlich sieht es sein Kollege Leopold Herzog, Abschnittskommandant von Waidhofen-Land und Kommandant der Feuerwehr Ybbsitz. „In letzter Zeit ist sehr wenig passiert. Auf der B 22 von Ybbsitz nach Gresten gab es früher einige Stellen, wo oft Unfälle passiert sind. Das war eine Häufungsstelle. Aber seitdem der Asphaltbelag erneuert worden ist, ist eigentlich Ruhe eingekehrt“, berichtet Herzog.

Waidhofens Stadtchef Werner Krammer sind im Stadtgebiet keine klassischen Raserstrecken bekannt. „Natürlich gibt es die eine oder andere stark befahrene Straße. Derzeit liegt zum Beispiel ein besonderes Augenmerk auf der Weyrerstraße. Hier weiß man, dass zu schnell gefahren wird“, sagt Krammer. Die Stadt reagiere natürlich, wenn Hinweise oder Anregungen aus der Bevölkerung kommen. Auf Gemeindestraßen kommt dann ein mobiles Messgerät zur Tempomessung zum Einsatz und es werden Geschwindigkeitsanzeigen eingesetzt. Auf Landesstraßen wird die Polizei um Unterstützung gebeten. Durchschnittlich werden 10.000 bis 12.000 Geschwindigkeitsübertretungen pro Jahr gemessen. Oft wird dann seitens der Gemeinde nachgeschärft. Mit der fixen Radarbox in der Pockstei nerstraße wurde etwa ein sensibler Punkt inmitten einer Wohn- und Schulgegend entschärft. Zuletzt wurde auch in der Redtenbachstraße abschnittsweise eine 30-km/h-Begrenzung eingeführt.

Eine beliebte Rennstrecke der Roadrunner im Bezirk ist der Haaberg in Amstetten. Die Raser treffen sich am Parkplatz auf der Oiden und brettern dann mit weit überhöhter Geschwindigkeit die B 121 hinunter.

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