Lehre gewinnt an neuer Attraktivität. Die Herausforderungen in der Arbeitswelt steigen stetig. Ybbstaler Betriebe setzen auf betriebsinterne Lehrlingsausbildung.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 23. August 2017 (05:00)
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Duomet-Geschäftsführer und ARGE-Lehrbetriebe-Ybbstal-Obmann Willibald Hilbinger setzt auf Zusammenarbeit mit den Schulen aber auch auf Information für und Kommunikation mit Familien.

Die Betriebe im Ybbstal verbindet die Sorge um den Nachwuchs. Die Unternehmen betreiben immer höheren Aufwand, um Lehrlinge zu werben.

„karriere clubbing“ im Rothschildschloss

Doch nun ist Licht am Ende des Tunnels in Sicht. Mit Initiativen wie dem „karriere clubbing“, das von 27. bis 29. September bereits zum dritten Mal im Waidhofner Rothschildschloss von der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Lehrbetriebe Ybbstal veranstaltet wird, suchen Unternehmen den direkten Kontakt zu Schulen und Familien.

„Insbesondere die Kommunikation mit den Familien, in denen ja oft der Berufswunsch der Jugendlichen geprägt wird, ist uns wichtig“, sagt Willibald Hilbinger, Geschäftsführer von duomet und Initiator des „karriere clubbings“.

Botschafter rühren Werbetrommeln

Gemeinsam mit der Zukunftsakademie Mostviertel hat man nun ein Konzept ausgearbeitet, das unter anderem Schulbotschafter vorsieht. Erster Botschafter ist Markus Lueger, Produktionschef des Waidhofner Metallbetriebs Seisen bacher.

Der Ybbsitzer IT-Unternehmer Thomas Knapp soll künftig als Roadshow-Botschafter bei öffentlichen Veranstaltungen die Werbetrommel für die Lehre rühren.

Dass es noch immer nicht leicht ist, Lehrlinge zu finden, bestätigt auch Andreas Riegler, Leiter der Lehrwerkstätte bei Bene in Waidhofen.

Lehrlingsweltmeisterschaft in Abu Dhabi

„Wir nehmen nächste Woche vier neue Lehrlinge auf“, so Riegler, der mit Lehrling Mathias Maderthaner der Lehrlingsweltmeisterschaft Mitte Oktober in Abu Dhabi entgegenfiebert. Der junge Tischler hat sich als amtierender Staatsmeister für die „WorldSkills 2017“ qualifiziert.

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WK-Präsidentin Sonja Zwazl sieht in der Lehre nach der Matura Chancen, Fachkräfte zu finden.

Johanna Baumgartner vom Sonntagberger Unternehmen voestalpine Precision Strip GmbH berichtet: „Wir nehmen heuer 27 Lehrlinge auf, mehr als in den vergangenen Jahren. Darunter sind viele Mädchen, vor allem im kaufmännischen und gewerblichen Bereich.“

In neun Lehrberufen bildet man in Böhlerwerk Jugendliche aus und sucht noch Bewerber für eine Lehre in den Bereichen Elektro- und Prozesstechnik. Genauso wie bei duomet fördert man die Weiterbildung und den Erwerb von Zusatzqualifikationen während der Lehre. „Wir bilden für unseren Bedarf selber aus. 15 Lehrlinge sind im Vorjahr bereits während der Lehre in das Projekt ‚Lehre mit Matura‘ eingestiegen“, so Baumgartner.

Bei Welser Profile in Ybbsitz konnte man für September bereits 23 der geplanten 24 Lehrlinge, die in der eigenen Lehrwerkstatt ausgebildet werden, einstellen. „Das ist wieder der Stand, den wir vor einigen Jahren hatten“, sagt Welser-Personalmanager Reinhard Kos. Bei Welser möchte man weiter stark auf die Lehre setzen.

Mehr Lehre mit Matura

Einen Weg, den Trend zur Lehre hin zu verstärken, zeigt die Präsidentin der Wirtschaftskammer (WK) Sonja Zwazl auf. Derzeit durchlaufen 216 junge Menschen in NÖ eine Ausbildungsschiene, die noch wenig bekannt ist, aber an Zulauf gewinnt: die Lehre nach der Matura.

Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Jugendlichen, die sich für diese Form der Berufsausbildung entschieden haben, um zehn Prozent gestiegen. „Eine Lehre nach der Matura eröffnet besonders gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt und sichert ein direktes Hineinwachsen in den Job“, so Zwazl.

Das Interesse der Betriebe, Lehrlinge zu finden, ist jedenfalls groß. „Zum ‚karriere clubbing‘ erwarten wir einen ähnlich großen Andrang von Betrieben wie im Vorjahr“, sagt Hilbinger. Im Vorjahr waren 35 Aussteller vor Ort.

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