Neuerung bei Hundehaltegesetz spaltet die Meinungen. Während manche Experten die verschärfte Maulkorbpflicht scharf kritisieren, sehen andere kein Problem.

Von Peter Führer und Andreas Kössl. Erstellt am 13. November 2019 (04:34)
Hundespezialistin Sabine Offenberger sieht kein Problem darin, wenn Hunde für kurze Zeit mit Maulkörben ausgestattet werden. Einen Hund zu haben, bedeute Verantwortung, hält die Waidhofnerin fest
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Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Kein Verständnis für die Verschärfungen hat Jürgen Gebetsberger, Obmann des Hundesportvereins ÖRV HSV Amstetten. „Meiner Meinung nach ist das Gesetz nicht akzeptabel. Es fallen alle Bereiche rein, die öffentlich zugänglich und im Ortsbereich sind, also können auch Wiesen, Wald- und Feldwege betroffen sein. Es herrscht also eigentlich überall Leinen- und/oder Maulkorbpflicht. Der Freilauf beschränkt sich damit auf Hundezonen.“

Präventive Maßnahmen anstelle von Verboten

Das Gesetz stehe im Widerspruch zum Tierschutzgesetz, weil der Hund sich nicht frei entfalten könne, meint Gebetsberger und weist darauf hin, dass künftig schon Welpen einen Maulkorb tragen müssten. Das ständige Tragen eines Maulkorbs könne für den Hund auf Dauer belastend sein, meint der Hundetrainer. „Der Hund hat dann fast immer etwas am Kopf, das dann auch zu scheuern beginnen kann, wenn nicht der richtige, passende Maulkorb verwendet wird. Er ist in seinem Leben und Handeln ganz einfach massiv eingeschränkt.“ Gebetsberger spricht sich dafür aus, präventive Maßnahmen zu setzen, anstatt mittels Verboten die Bürger zu entmündigen. „Besser wäre es, die Hundehalter zu schulen, statt wenn es zu spät ist zu strafen. Man hätte das bestehende Gesetz einfach exekutieren müssen.“

Es sei zudem sinnvoll, bereits im Kindergarten Kindern den richtigen Umgang mit Hunden zu vermitteln, ebenso deren Eltern, um präventiv Hundeattacken verhindern zu können. In den Hundesportvereinen gebe es jedenfalls umfangreiche Kritik und viele hätten die Petition gegen das Gesetz (siehe Infobox) bereits unterschrieben.

Die Obfrau des Tierschutzvereins Ybbstal, Sabine Offenberger, sieht die neue Gesetzesregelung hingegen sehr entspannt. Als Hundespezialistin steht die Waidhofnerin mit Rat und Unterstützung im Umgang mit Hunden zur Seite. Sie selbst hat derzeit sieben Hunde bei sich zu Hause, darunter auch Listenhunde und Pflegehunde. „Jeder meiner Hunde ist es gewohnt, einen Beißkorb zu tragen“, sagt Offenberger. „Ich sehe kein Problem darin, wenn Hunde für kurze Zeit damit ausgestattet werden.“

Die meisten Beißunfälle würden sich allerdings in den eigenen vier Wänden ereignen, hält Offenberger fest. Deshalb bezweifelt sie auch, dass die Gesetzesverschärfung sehr viel bewirkt. „Grundsätzlich ist immer der Hundebesitzer verantwortlich, wenn etwas passiert. Er hat dafür zu sorgen, dass sich sein Umfeld wohlfühlt und nicht fürchten muss“, stellt die Hundespezialistin klar. „Einen Hund zu haben, bedeutet Verantwortung. Ein paar schwarze Schafe wird es aber leider immer geben und deshalb wird man Vorfälle mit Hunden nie zu 100 Prozent ausschließen können.“

Dass nur selten der Hund, sondern zumeist der Hundebesitzer „schuld“ ist, wenn es zu Hundeattacken kommt, davon ist auch Tierarzt Konrad Hehenberger aus Zeillern überzeugt. „Es ist so wie beim Autofahren. Der Lenker steigt aufs Gas. In den wenigsten Fällen liegt es am Hund.“

Eine generelle Maulkorbpflicht ist für den Tierarzt aber übertrieben. Wie Hehenberger ausführt, müssen Maulkörbe das normale Verhalten des Hundes weiter ermöglichen und dürfen etwa das „Hecheln“ nicht verhindern. Das Tier müsse lernen, den Maulkorb zu tolerieren.

Zur Debatte, ob „Listenhunde“ per se gefährlicher sind, erklärt Hehenberger: „Listenhunde haben ein höheres Aggressionspotenzial, aber es gibt mehr Probleme mit anderen Hunden. Das so pauschal zu sagen, ist schwierig. Es kommt immer ganz auf das Individuum an.“

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