Schulen bleiben geöffnet. Ybbstal: 10 bis 30 Prozent der Schüler werden in den kommenden drei Wochen die Schulbank drücken. Der Rest lernt online.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 18. November 2020 (03:41)
Seit Dienstag dreht sich der Globus im MINTMedienraum der Mittelschule Ybbsitz unbeobachtet. Die meisten Klassen der Schulen im Ybbstal sind leer. Nur zehn Prozent der Mittelschüler und 20 Prozent der Volksschüler drücken jetzt die Schulbank.
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Seit Dienstag herrscht an den Volks- und Mittelschulen sowie an den AHS-Unterstufen und den Polytechnischen Schulen für drei Wochen eingeschränkter Präsenzunterricht. Nur jene Kinder und Jugendlichen, die im Heimlernen unzureichende Bedingungen vorfinden, was Computer oder Internetverbindung angeht, kommen weiterhin in die Schule, zusätzlich jene, die zuhause nicht betreut werden können oder die Gefahr laufen, im Distance Learning zurückzufallen.

„Der Lockdown der Schulen ist relativ reibungslos über die Bühne gegangen“, sagt Bildungsmanager Josef Hörndler, der für mehr als 200 Schulen und 3.500 Lehrer im Mostviertel zuständig ist. Laut Hörndler ist der Umstieg viel besser verlaufen als bei der ersten Coronawelle. „Die Schulen waren gut vorbereitet, sind inzwischen digital viel besser aufgestellt und verfügen viel einheitlicher über Lernplattformen“, sagt er. Dass es am Wochenende technische Probleme mit Schul-Messenger-Diensten gegeben hat, lag, so der Bildungsmanager, außerhalb des Einflussbereichs der Schulen bei den Anbieterfirmen der Plattformen, die den geballten Andrang nicht geschafft haben.

„Das Bemühen, Kinder in der Schule zu fördern, die zuhause nicht nötige Lernstruktur haben, ist groß“ Bildungsmanager Josef Hörndler

Im Homelearning setzen Schulen auf Eigeninitiative. An den Polytechnischen Schulen (PTS) Waidhofen und St. Peter/Au werden Schul-Laptops an Jugendliche verborgt, die zuhause nicht über die nötige Infrastruktur verfügen. „Das ist auch in Fällen notwendig, wo unsere Schüler zuhause Geschwister haben, die den Computer auch benötigen oder deren Eltern im Homeoffice arbeiten“, sagt Erwin Reichenvater, der beide Schulen leitet. An der PTS Waidhofen war man gut auf das Heimlernen vorbereitet. Reichenvater: „Mit der Plattform LMS (Lernen mit System) des Unterrichtsministeriums haben wir seit Schulbeginn auf einer echten Lernplattform für diesen Fall trainiert.“

Große Ausfälle bei Schülern und Lehrern gab es bisher nicht. „Bislang hat Corona weder Lehrer noch Schüler erreicht“, sagt Direktor Peter Holzfeind von der Mittelschule Sonntagberg. Auch an den Waidhofner Schulen sind noch keine Cluster aufgetreten. Dass das Einhalten der Hygienevorschriften offenbar auch andere Krankheiten hintangehalten hat, vermutet die Direktorin der Zeller und der St. Leonharder Volksschule in Waidhofen Ulrike Bauer: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir im Verkühlungsmonat November jemals so wenige kranke Kinder hatten wie heuer“, sagt sie. „Von 150 Schülern in Zell waren zuletzt 148 gesund, in St. Leonhard war kein einziges Kind krank.“

„Der Lockdown ist relativ reibungslos gelungen“, sagt Bildungsmanager Josef Hörndler
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An der Polytechnischen Schule (PTS) Waidhofen gab es indes bereits positiv getestete Schüler und Schüler, die von der Gesundheitsbehörde in Quarantäne geschickt wurden. Der Andrang auf Betreuungsplätze ist jetzt deutlich größer als im Frühjahr. „20 bis 30 Schüler von 150 wurden für den Präsenzunterricht in der Schule angemeldet, sieben davon ganztägig“, sagt Bauer. Auch an der MS Sonntagberg stieg die Nachfrage. „Hatten wir im April keinen einzigen Schüler in der Schule, so sind derzeit durchgehend drei bis vier angemeldet“, teilt Holzfeind mit. Diesen Trend bestätigt auch Hörndler: „In den Volksschulen haben sich im Durchschnitt ca. 20 Prozent der Schüler zur Betreuung angemeldet, in den Mittelschulen und AHS-Unterstufen zehn Prozent.“

Inhaltlich wird man in der Lage sein, im Modus Distance Learning im Lehrstoff weiterzugehen. Hörndler: „Wir gehen davon aus, dass der Unterricht nahtlos fortgesetzt werden kann, Schularbeiten werden verschoben und das Bemühen, Kinder in dieser Zeit in der Schule zu fördern, die zuhause nicht die nötige Lernstruktur haben, ist groß“, sagt Hörndler.

Durch Lernbegleitung in Kleingruppen wird dafür gesorgt, dass niemand zurückbleibt. In schwierigen Situationen hilft die Bildungsdirektion mit digitalen Endgeräten aus, die man vom Frühjahr noch auf Lager hat. „Damit niemand zurückbleibt“, sagt Hörndler.