Seit 1959 mit Puch und schwarzem "Taferl" unterwegs. Der Waidhofner Stefan Üblackner fährt seinen Puch 500 mit Freude seit 1959 und das über 400.000 Kilometer.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 07. August 2019 (04:45)
Leo Lugmayr
Stefan Üblackner ist 87 Jahre alt und fährt noch immer sein erstes Auto. Den Puch 500, Baujahr 1958, hat er nagelneu gekauft und am 7. Februar 1959 angemeldet. Seit über 60 Jahren ist er mit ihm zufrieden.

Häufig sieht man sie nicht mehr und wenn doch, dann ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich: Die Rede ist von den schwarzen Kennzeichentaferln. Als Vorgänger der aktuellen Kennzeichen wurden sie vor 30 Jahren, 1989, von den bis heute gebräuchlichen weißen Taferln ersetzt.

Fahrzeuge, die vor 1990 angemeldet wurden und noch immer zugelassen sind, dürfen damit weiterhin auf den Straßen unterwegs sein. So etwa jenes des Waidhofners Stefan Üblackner. Wenn er sein Auto startet, ist nicht nur das Baujahr 1958 das Besondere an seinem Fahrzeug. An der Stoßstange des Steyr Puch 500 prangt noch Weiß auf Schwarz das alte Nummernschild N 31.218. Dass es sich dabei um eine Amstettner Nummer handelt – Waidhofen hatte 26.000er-Nummern –, hängt damit zusammen, dass sein Wohnsitz erst mit der Gemeindezusammenlegung 1971 zu Waidhofen kam.

„Ich hätte mir jederzeit ein neues Auto leisten können, aber wozu, wenn mein Puch tadellos gelaufen ist?“Stefan Üblackner

„Ich hätte mir jederzeit ein neues Auto leisten können, aber wozu, wenn mein Puch tadellos gelaufen ist?“, meint der sympathische 87-Jährige. Gemeinsam mit seiner Gattin hat sich der Landwirt stets dazu entschieden, das Geld in den Betrieb zu investieren statt darum ein neues Auto anzuschaffen.

Kleinere Reparaturen hat der begabte Handwerker in den vergangenen sechs Jahrzehnten stets selbst vorgenommen, Schrammen hat sein Automobil kaum abbekommen. Ersatzteile, Reifen, Scheibenwischerblätter und ähnliches, regelmäßig verschleißendes Zubehör nachzukaufen, sei auch nicht wirklich ein Problem, erzählt er. „Obwohl ich manchmal auch Lasten zu transportieren habe, hat der Puch gut durchgehalten“, sagt Üblackner.

Mit der jährlichen Überprüfungsplakette, dem sogenannten Umweltpickerl, hatte er bislang keine Probleme. „Das Auto ist recht einfach gebaut und der Motor läuft sauber“, sagt Üb-
lackner. In den 60 Jahren Betriebszeit sind immerhin mehr als 400.000 Kilometer zusammengekommen. „Ich bin immer gerne gefahren und war auch auf der Autobahn bis ins Industrieviertel unterwegs“, erzählt er. Es sei freilich schon ein seltsames Gefühl, wenn man auf der A1 von den riesigen Lastwägen überholt wird, gesteht er zu. „Aber ich bin auch auf der Autobahn immer mit einer Geschwindigkeit von höchstens 90 Stundenkilometern unterwegs gewesen, obwohl der Puch ohne Probleme mehr als 100 Stundenkilometer läuft“, sagt er. Das ist vielleicht auch das Geheimnis, warum das Fahrzeug bis heute so fit ist.

239 Fahrzeuge mit schwarzen Nummerntafeln unterwegs

Im Bereich der Statutarstadt Waidhofen sind noch 239 Fahrzeuge mit schwarzen Nummerntafeln unterwegs, die meisten davon sind aber Anhänger und Mopeds. Mit ein paar Oldtimern und einem antiken Rolls Royce gehört Üblackners Puch 500 zu den wenigen Pkw mit den noblen Nummern.

Stolz auf das „alte“ Nummerntaferl an seiner knallroten Vespa D 125 X ist auch der Amstettner Josef Eiginger. Die Maschine und das schwarze Kennzeichen besitzt er seit dem Jahr 1988 – erstmals zugelassen wurde die Vespa 1981. „Ich fahre damit immer noch gerne eine Runde, wenn das Wetter schön ist. Da taugt es mir schon, dass ich für den Roller auch noch ein altes Taferl habe“, erzählt der 79-Jährige. Und dieses will er zeit seines Lebens nicht mehr hergeben. „Meine Erben werden dann einmal ein neues Nummernschild brauchen“, sagt er, denn für ihn steht fest: „Die Vespa soll in der Familie bleiben.“

Ältere Leser wissen noch: Für den Bezirk Amstetten waren bis zum Jahr 1989 die Nummernserien 1.000 bis 1.999 zugewiesen. Die Ziffernkombinationen wurden chronologisch zugeteilt. Anfangs waren nur Ziffern erlaubt, später wurden diese durch das Zuzählen von 30.000, 60.000, 90.000 bzw. 100.000 erweitert. Ab dem Jahr 1972 wurden an Stelle der ersten Ziffer des Vormerkzeichens auch Buchstaben, die in der bisherigen Systematik noch nicht vorkamen, vergeben.

In Waidhofen wurden bis 1989 die Nummernserien 26.000 bis 26.999 sowie die 56-, 86-, 126-, 156-, 186- und 226-Tausender-Nummern verwendet. Nummernadel gab es damals wie heute. Fuhr Bürgermeister Erich Vetter einst stolz sein Automobil mit der niedrigsten Waidhofner Nummer N 26.000, so lenkt Werner Krammer sein Dienstfahrzeug mit dem Kennzeichen WY 100 A.