Erstellt am 07. Januar 2017, 05:00

von Lisa Hofbauer

SOS Medizin: Ärztevolksbegehren gegen Gesundheitsreform. Am 14. Dezember startete die Ärztekammer ein Volksbegehren gegen die vom Nationalrat beschlossene Gesundheitsreform. Die NÖN sprach dazu mit Ärzten aus dem Ybbstal.

„Die Gesundheitsreform provoziert ein Sterben der Landärzte“, befürchtet die Opponitzer Gemeindeärztin Doris Hofbauer-Freudenthaler.  |  Lisa Hofbauer

„Die Hausapotheke ist ein zentrales Standbein meiner Ordination“, so die Opponitzer Gemeindeärztin Doris Hofbauer-Freudenthaler. „Ohne sie wäre es praktisch unmöglich, einen Nachfolger als Gemeindearzt zu finden.“

Doch auch mit Hausapotheke sei es fraglich, ob die Gemeindearztstelle in der Gemeinde Opponitz noch nachbesetzt werden kann. „Durch die neue Gesundheitsreform, die vorsieht, die medizinische Versorgung mehr und mehr in Gemeinschaftspraxen und Spitalsambulanzen zu verlagern, wird meiner Meinung nach das Sterben von Landärzten provoziert“, so Hofbauer-Freudenthaler.

Aus diesem Grund unterstütze auch sie das Ärztevolksbegehren „SOS Medizin“, das die Ärztevertreter im Dezember des vergangenen Jahres gestartet haben, um so ihren Protest gegenüber der von der Regierung beschlossenen Gesundheitsreform auszudrücken. Diese Reform passierte Ende November den Gesundheitsausschuss des Nationalrats und wurde am 15. Dezember offiziell beschlossen. Seither läuft die Ärztekammer Sturm gegen dieses neue Reformpaket. Sie sieht darin ein „Kaputtsparen des Gesundheitssystems“ und kritisiert vor allem die Begrenzung der Gesundheitsausgaben, da die moderne Medizin sich laufend weiter entwickle und daher mit einer Kostensteigerung verbunden sei. Die NÖN berichtete.

„Sinnvoller, bestehende Praxen zu verbessern“

Auch die geplante Zusammenlegung von Arztpraxen in sogenannte „Primary Care Center“ sehen die Ärztevertreter kritisch. Man befürchte, dass damit das persönliche Verhältnis zum Patienten verloren gehe und die Qualität der Betreuung eingeschränkt werde.

Der Waidhofner Allgemeinmediziner Gerhard Gattringer befürchtet ebenfalls, dass durch diese „Primary Care Center“ die Qualität der Versorgung nicht besser und das Gesundheitssystem dadurch auch nicht billiger werde. „Die Politik will eigentlich nur die Grundversorgung sicherstellen. Es wäre meiner Meinung nach jedoch besser, bestehende Praxen und Rahmenbedingungen zu verbessern, als ein Parallelkonstrukt wie die ‚Primary Care Center‘ zu schaffen“, so Gattringer.

Die Idee des Hausarztes sei, dass dieser seine Patienten ein Leben lang, über mehrere Generationen hinweg, individuell betreue. Gesundheitszentren wären hier natürlich unpersönlicher. „Es stellt sich halt die Frage, welches Modell zeitgemäßer und in der heutigen Gesellschaft mehr gefragt ist“, so Gattringer.