Steuererhöhung „sehr unfair für unsere Autofahrer“. Pkw-Neuzulassungen gingen 2020 im Bezirk drastisch zurück. Autohäuser aus Waidhofen an der Ybbs und dem Bezirk Amstetten berichten über die Folgen der Pandemie.

Von Anna Faltner. Erstellt am 27. Januar 2021 (05:12)
Symbolbild
Greentellect Studio/Shutterstock.com

Weniger Umsatz, Kurzarbeit und eine Verschärfung der Normverbrauchsabgabe für neue Autos ab 1. Juli 2021 – wirklich einfach hat es die Autobranche momentan nicht. Die NÖN hat sich bei den Autohändlern umgehört, wie sie das Jahr 2020 erlebt haben und mit welchen Erwartungen sie ins neue Jahr starten.

NOEN

Wie Geschäftsleiterin Viktoria Hojas vom Autohaus Hojas (Opel) in Waidhofen berichtet, wurden nicht nur bedeutend weniger Autos verkauft, auch in der Werkstatt und in der Spenglerei war weniger zu tun.

„Das liegt schon daran, dass viele Leute in Kurzarbeit sind oder sogar arbeitslos. Sie müssen ihre finanziellen Ressourcen anders planen. Es wurden viele Autos noch repariert, die sonst vermutlich schon gestorben wären. Da hat man lieber auf den Neukauf verzichtet“, berichtet Hojas.

Die Kunden hätten mehr auf das Börserl geschaut, nur das Nötigste wurde erledigt. „In der Spenglerei haben wir bemerkt, dass die Leute generell weniger Auto gefahren sind. So gab es auch weniger Unfälle.“ Unterm Strich heißt das: Über ein Drittel weniger Umsatz in der Werkstatt als in normalen Jahren.

NoVA: „Leute sollen auf Alternativen umsteigen“

Nach der sechsmonatigen Kurzarbeitsphase vom Frühjahr weg und Normalbetrieb ab dem Spätsommer sind die 20 Mitarbeiter mit Dezember wieder in die Kurzarbeit zurückgekehrt. „Wir arbeiten in zwei Teams, eine Woche Dienst und eine Woche frei. Gearbeitet wird nur zur Hälfte, aber die Betriebskosten tragen wir zu 100 Prozent. Da ist der Umsatzersatz von 20 Prozent eigentlich eine Frechheit“, ärgert sich Hojas.

Trends konnte sie im Corona-Jahr dennoch bemerken: Kleine Autos statt großer Schlachtschiffe, weg vom Diesel, hin zum Benziner, und auch das Interesse an Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen steigt. Da macht sich auch die neue Normverbrauchsabgabe bemerkbar.

Davon betroffen sind Pkw, Klein-Lkw und Motorräder (ab Juli), Elektrofahrzeuge hingegen nicht. „Dadurch will man die Leute in die Richtung führen, auf umweltschonendere Alternativen umzusteigen“, meint die Geschäftsleiterin. Und so haben sich auch schon Firmen gemeldet, die den Fahrzeugkauf aufgrund der NoVA vorziehen.

„Gerade jetzt, wo die Firmen ohnehin schon angeschlagen sind, rechnet man ihnen so eine Steuererhöhung drauf. Das finde ich dem österreichischen Staatsbürger gegenüber sehr unfair“, ärgert sich Peter Lietz, Geschäftsführer vom gleichnamigen Autohaus mit Standorten in Amstetten und Waidhofen (Mazda, Hyundai). Auch er rechnet damit, dass vor allem Unternehmen deswegen früher einkaufen gehen.

Durch die Erhöhung der Abgabe koste ein Motorrad, etwa der Marke Ducati, dann schon um 30 Prozent mehr als in Deutschland. „Das ist krank. Bei uns zahlt man 30 Prozent NoVA und 20 Prozent Mehrwertsteuer, also in Summe 50 Prozent Steuern. Der österreichische Auto- und Motorradfahrer zahlt schon echt viel“, meint Lietz. Und daher sei klar, dass sich der Trend unter anderem in Richtung Elektroauto entwickelt. „Weil das Ganze staatlich massiv subventioniert wird. Sonst würde es vermutlich anders aussehen.“

Für 2020 rechnet Lietz beim Neuwagenverkauf mit einem Minus von etwa 25 Prozent, beim Gebrauchtwagenverkauf habe man das Ziel dafür fast erreicht. „Da haben wir Corona in Wahrheit gar nicht gespürt. Mit dem Umsatzersatz ist es sich ausgegangen. Wir sind zwar nicht reich, aber auch nicht arm geworden.“ Auch im Autohaus Lietz ging es mit Jänner wieder zurück in die Kurzarbeit, die Werkstatt ist geöffnet. „Das läuft ganz normal. Aber natürlich ist auch hier weniger zu tun als sonst“, sagt er.

Das Autohaus Ford Aiginger in Hausmening kann sich nicht beklagen. „Ford ist bei Transportern die Nummer eins in Österreich. Im Bezirk Amstetten und Waidhofen konnten wir 2020 sogar zulegen“, sagt Geschäftsleiterin Petra Aiginger-Klein. Für die kommenden Monate rechnet man mit starken Vorziehkäufen aufgrund der Verteuerung der NoVA. „Deshalb haben wir gut vorbestellt, um für die starke Nachfrage genügend Fahrzeuge bieten zu können.“

Aktuelle Umfrage

  • Autokauf: Worauf legt ihr am meisten Wert?