Verzicht in der Fastenzeit üben für sich und andere. Das Fasten ist im Glauben tief verwurzelt – und ein Training für das Leben.

Von Julia Zacher. Erstellt am 26. Februar 2020 (04:00)
Fasten gebe einem im Glauben Kraft, sich selbst zu überwinden, sagt der Waidhofner Stadtpfarrer Herbert Döller.
Pfarre

Fasten als Trend – oder als spirituelle Übung? Ob es für Fastende auch eine religiöse Motivation gibt, hänge natürlich davon ab, wie gläubig eine Person sei, sagt der Waidhofner Stadtpfarrer Herbert Döller. In der Kirche werde viel auf den spirituellen Hintergrund und den Zugewinn hingewiesen, den das Fasten bringen kann. „Fasten hilft, die Sünde, das Negative zu überwinden.

Neben dem religiösen Aspekt, habe Fasten auch einen Nutzen für die persönliche Entwicklung, meint der Ybbsitzer Pfarrer Severin Ritt.
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Es erhebt den Geist zu Gott, und gibt einem im Glauben Kraft, sich selbst zu überwinden.“ Ob nun aus religiösen Gründen oder nicht: Die Fastenzeit sei jedenfalls für viele ein Anlass, sich in Verzicht zu üben, meint Döller: „Einmal 40 Tage lang auf etwas verzichten, zum Beispiel kein Bier trinken oder keine Mehlspeisen essen – das spricht viele Menschen an, auch wenn sie mit Religion nicht viel am Hut haben.“

Das Fasten habe einerseits natürlich den religiösen Aspekt, erklärt auch Pater Severin Ritt aus Ybbsitz. „Das Fasten dient der Vorbereitung auf Ostern. Jesus selbst hat 40 Tage gefastet.“ Doch er sieht auch für die persönliche Entwicklung einen Nutzen darin, sich Vorsätze zu machen und diese einzuhalten. „Es ist nicht schlecht, wenn man auch lernt, sich in der Hand zu haben, zu verzichten – das muss man im Leben ja auch oft“, sagt Ritt. „Nicht immer alles haben zu müssen, bringt auch für das Zusammenleben etwas. Ganz aktuell sieht man das zum Beispiel beim Klimaschutz: Hier werden wir in vielen Bereichen zurückschrauben müssen. Es ist klar, dass man nicht immer mehr und mehr haben kann.“

So könne man das Fasten auch Kindern und Jugendlichen näherbringen, meint Ritt. „In der Schule habe ich immer wieder gesagt: Das ist ein gutes Training.“ Für junge Menschen müsse man die Sinnhaftigkeit des Fastens begründen, argumentieren, es schmackhaft machen: „Man kann sagen: Das Fasten nützt nicht nur mir selber. Wenn ich verzichte, kann ich dafür etwas geben oder spenden, dann hat auch jemand anderer etwas davon.“