Wildwechsel: Eine Gefahr für Wild und Lenker. Mit der Dämmerung im Herbst steigt die Gefahr für Wildunfälle. Warngeräte und Vorsicht der Lenker sollen dagegen helfen. Anna Faltner und Peter Führer

Von Anna Faltner und Peter Führer. Erstellt am 14. Oktober 2020 (03:45)
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Jeder Autofahrer fürchtet die Situation, besonders zu den Dämmerstunden oder in der Nacht: Wildwechsel auf der Straße. Und die damit verbundene Unfallgefahr. Gerade im Herbst kommt es häufig zu derartigen Zwischenfällen, die für Tier, Mensch und Fahrzeug oft verheerende Folgen haben können. „Die gefährliche Zeit fängt gerade an. Wenn die Leute in der Dämmerung in die Arbeit und am Abend nach Hause fahren, wird auch die Gefahr der Wildunfälle dementsprechend größer“, weiß Martin Schnabler vom Hegering Waidhofen.

Wagt er eine Momentaufnahme, hat er in den vergangenen Wochen allerdings einen Rückgang an Wildunfällen bemerkt. „Das ist nur meine Wahrnehmung. Eventuell, weil immer noch viele Leute im Homeoffice sind und daher ein schwächeres Verkehrsaufkommen herrscht“, meint er. Dennoch appelliert er an die Autofahrer, die auf den Straßen unterwegs sind. Im Herbst erschweren die Dämmerung und oft nasse Straßen auch die Reaktionsfähigkeit der Lenker. „Wenn man etwa ein Reh auf der Straße sieht, hilft Hupen, Auf- und Abblenden und natürlich Bremsen“, betont Schnabler.

„Das ist ein anzeigepflichtiger Verkehrsunfall mit Sachschaden. Einfach weiterzufahren wäre Fahrerflucht.“ Horst Schmutzer, Bezirkspolizeikommandant

Die Jägerschaft versucht, das Risiko zu minimieren und setzt auf mehrere Möglichkeiten. „Wildreflektoren, erhöhter Abschuss und das Häckseln von Begrünungen entlang der befahrenen Straßen sind Maßnahmen, die von den Jägern gemacht werden. Dank gilt allen Autofahrern, die an unübersichtlichen Stellen langsamer fahren“, weiß Bezirksjägermeister Franz Hochholzer, wie die Gefahr eines Unfalles mit Rehwild, Feldhasen und Fasanen reduziert werden kann.

Gefahrenstelle auf L 88 Richtung Wieser Höhe

Quer im Bezirk verteilt gibt es auch immer wieder Stellen, bei denen die Tiere häufiger als andernorts unterwegs sind. „Diese Hotspots sind mit dem Verkehrsschild ,Wildwechsel‘ gekennzeichnet. Dort ist besondere Vorsicht geboten“, unterstreicht Hochholzer. Eine besonders gefährliche Stelle in der Region ist etwa die Landesstraße 88 von Böhlerwerk (Gemeinde Sonntagberg) bis zur Wieser Höhe. Dort hat man auch schon reagiert – und zwar mit akustischen und optischen Wildwarngeräten. „Wenn ein Auto kommt, geben die Geräte, die an den Leitpflöcken angebracht sind, einen Ton ab und leuchten“, erklärt Jagdleiter Gottfried Pöchlauer (Waidhofen 2). Das Kooperationsprojekt mit Landesjagdverband, dem Land NÖ und der BOKU Wien wurde schon vor ein paar Jahren an der L 88 installiert. Dazu gehört auch eine detaillierte Dokumentation, wann und wie viele Wildunfälle davor passiert sind, und wie es jetzt aussieht. „Durch diese Wildwarner ist es mit den Wildunfällen auf jeden Fall besser geworden“, betont Pöchlauer.

Bezirksjägermeister Franz Hochholzer informiert auch darüber, dass im Herbst Felder abgeerntet sind und die Rehe neue Einstände suchen, wo sie geschützt und sicher sind. „Beim nächsten Waldspaziergang soll man daran denken: Bei Beunruhigung abseits von Wegen wird Wild flüchten und Wildunfälle können die Folge sein“, gibt Hochholzer zu bedenken. Was tun, wenn es doch passiert? Zuerst an die eigene Sicherheit denken und die Gefahrenstelle absichern sowie Polizei oder Jäger verständigen. Wenn das Reh nicht direkt an der Unfallstelle verendet, werden Jagdhunde eingesetzt, um das angefahrene Wild aufzuspüren. „Daher ist die genaue Angabe der Unfallstelle wichtig. Von dort wird die Fährte aufgenommen, damit Jäger und Hund das angefahrene Tier leichter finden“, schildert Hochholzer.

NOEN

Kommt es zu keiner Verständigung der Polizei, drohen unangenehme Konsequenzen. „Es handelt sich um einen Verkehrsunfall mit Sachschaden, der anzeigepflichtig ist. Einfach weiterzufahren, wäre Fahrerflucht. Entweder es kommt ein Polizist vorbei oder er gibt die Information weiter, wie man sich verhalten soll. Die Polizisten können dann mit dem zuständigen Jäger Kontakt aufnehmen“, erklärt Bezirkspolizeikommandant Horst Schmutzer.

Vorsicht sei generell in Waldgebieten oder in der Nähe von Maisfeldern geboten. „Als Autofahrer sollte man so fahren, dass man rechtzeitig reagieren kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass, wenn es zum Beispiel das erste Reh noch knapp über die Straße schafft, dahinter noch ein weiteres Tier auf die Straße läuft“, weiß Schmutzer.

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