Ybbstaler wandern ab. Im Ybbstal nehmen Einwohnerzahlen ab, Allhartsberg jedoch legt mit 12,22 Prozent kräftig zu.

Von Daniela Führer und Daniela Rittmannsberger. Erstellt am 11. März 2014 (23:59)
NOEN, Foto: Schlemmer
Ennsdorfs Bürgermeister Alfred Buchberger freut sich über den starken Zuzug in seine Gemeinde. Er ortet dafür mehrere Gründe, vor allem jedoch lasse sich der Ansturm auf Ennsdorf auf die regen Baumaßnahmen und das vielfältige Angebot an Wohnformen rückschließen. Am Bild: In der Eulenstraße entstehen derzeit noch Reihenhäuser (rechts hinten) und Mietwohnungen (links).
Von Daniela Rittmannsberger und Daniela Schlemmer

BEZIRK AMSTETTEN | Wo sich einige Gemeinden im Bezirk über regen Zuwachs freuen können, müssen andere Ortschaften wiederum mit großem Bewohnerschwund zurecht kommen: In der kürzlich veröffentlichten Bevölkerungsstatistik vergleicht Statistik Austria die Werte aus dem Jahr 2003 mit dem aktuellen Stand aus dem Oktober 2013. Allgemein konnte sich der Bezirk Amstetten über einen Zuwachs von 2,93 Prozent freuen.
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Stärkster Zuwachs in Ennsdorf

Kräftig zugelegt hat wieder die Gemeinde Ennsdorf, die sich mit über 551 neuen Einwohnern oder 23,12 Prozent an der Spitze der Zuwächse im Bezirk hält. Das „Geheimnis des Erfolgs“ sei laut Bürgermeister Alfred Buchberger „die bunte Palette an Wohnformen. Wir decken von der Miet-, zur Eigentumswohnung, über Reihenhäuser, Doppelhaushälften bis hin zur Einzelparzelle jeden Bedarf ab“, erklärt der Ortschef. Man habe eine kluge Siedlungspolitik betrieben und jetzt die Früchte dafür geerntet, ist er sich sicher.
 
 
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Stolz ist er auch auf das umfassende Angebot für junge Familien bei der Kinderbetreuung in der Gemeinde. Ein Gesamtpaket, das passe: „Wir haben das Kinderhaus für die Kleinstkinderbetreuung, Tür an Tür zum Kindergarten und auch die Volksschule ist nur ein paar Meter weiter“, sagt Buchberger. „Wir waren auch hier einen Schritt voraus und durchaus Vorreiter, was das Angebot für die Kinderbetreuung in jedem Alter betrifft.“
Alfred Buchberger sieht auch noch einen dritten Grund für das Plus von 23,12 Prozent an Einwohnern in Ennsdorf: „Durch das Wachsen des Wirtschaftsparkes gibt es immer mehr Angebot an Arbeitsplätzen. So hat sich auch der ein oder andere hier niedergelassen.“

Oed-Öhling punktet mit gutem Arbeitsplatzangebot

Mit 15,84 Prozent mehr Einwohnern als im Jahr 2003 zählt die Gemeinde Oed-Öhling ebenfalls zu den Spitzenreitern im Bezirk. Bürgermeister Josef Dirnberger sieht vor allem die günstige Lage der Ortschaft als verlockend: „Wir bieten Bauland und Wohnungen im Umfeld von Amstetten, wo es auch ausreichend Arbeitsplätze gibt. Der Wunsch der Menschen, Arbeit zu haben und im Grünen zu wohnen, lässt sich bei uns gut umsetzen.“ Dicht gefolgt wird Oed-Öhling von Neuhofen/Ybbs, die im Vergleich zum Jahr 2003 rund 337 mehr Einwohner haben. „Wir haben die Nähe zur Stadt, viele Arbeitsplätze, eine gute örtliche Infrastruktur und ein aktives Vereinsleben mit vielen Veranstaltungen. Das alles macht das Wohnen bei uns vor allem auch für junge Familien interessant“, bringt Bürgermeister Gottfried Eidler auf den Punkt.

Neben weitgehend steigenden Einwohnerzahlen in der Region steht die Gemeinde Strengberg auf dem absteigenden Ast. „Ja, im Herbst 2013 hatten wir unter 2.000 Einwohnern“, sagt Bürgermeister Roland Dietl. Mittlerweile würde die Zahl aber schon wieder über der 2.000er-Grenze liegen und weiterhin leicht ansteigen. „Warum wir in den letzten zehn Jahren so verloren haben, liegt zum großen Teil an der Aussiedelung der Au. Rund 70 Personen sind nach dem Jahrhunderthochwasser zwischen 2002 und 2010 aus Strengberg weggezogen. Wir hoffen aber, da wir jetzt auch aktuell in Wohnbauten investieren, dass wir diese verlorene Zahl an Einwohnern in fünf bis zehn Jahren wieder in Strengberg haben.“

Größten Einbußen gibt es in Sonntagberg

Im Ybbstal hingegen sieht die Situation nicht so rosig aus. Mit einem Minus von 8,96 Prozent verzeichnete die Gemeinde Sonntagberg mit 372 Einwohnern weniger die größten Einbußen im Bezirk. Bürgermeister Thomas Raidl sieht aber wieder einen Aufwärtstrend: „Wir haben in den vergangenen Jahren im Bereich der Reihenhäuser Aufholbedarf gehabt. Mit einigen baulichen Maßnahmen, die die jetzt fertiggestellt werden, konnten wir Gott sei Dank bereits eine Trendumkehr bewirken“. Dicht gefolgt wird Sonntagberg von der Gemeinde Hollenstein/Ybbs, die mit einem Minus von 8,5 Prozent 158 weniger Einwohner als im Jahr 2003 zählt. Bürgermeister Manfred Gruber sieht das Problem in den Schließungen öffentlicher Einrichtungen: „Nach der Schließung der Post und dem Abriss der Schienen der Ybbstalbahn wird nun auch noch der Polizeiposten zugesperrt. Trotz guter Infrastruktur im Ort und gutem schulischen Betrieb wird uns immer wieder etwas weggenommen. Das ist auch meiner Meinung nach der Grund für die schwindenden Einwohnerzahlen.“
Als einzige Chance auf einen Aufschwung sieht Gruber der Forcierung des Tourismus im Bezirk, der dann auch weitere Arbeitsplätze schaffen würde.

Vernünftig gestaltete Grundstückspreise

Erfreulich gestalten sich die Einwohnerzahlen hingegen in der Gemeinde Allhartsberg, die sich mit einem Plus von 12,22 Prozent über 222 neue Einwohner freuen kann. „In den letzten Jahren haben wir uns gewaltig bemüht, gute Grundstücke zu vernünftigen Preisen anzubieten. Außerdem haben wir die Infrastruktur wie Kindergarten und Schule auf den neuesten Stand gebracht. Das ist ein Gesamtpaket, das für Menschen interessant ist“, sagt Bürgermeister Anton Kasser. Vor allem die rasche Integration der neu zugezogenen Bürger ist für Kasser ein Grund, dass Allhartsberg als Wohngemeinde attraktiv ist: „Allhartsberg ist allgemein ein sehr offenes Volk und das schätzen die Menschen, die zu uns kommen“, so Kasser.

Erstaunlich ist, dass die Einwohnerzahl in Waidhofen/Ybbs im Hinblick auf 2003 um 2,78 Prozent gesunken ist. Bürgermeister Wolfgang Mair sieht die Entwicklung der Bautätigkeit in der Stadt realistisch: „Selbstverständlich ist der Rückgang bei den Bevölkerungszahlen für uns sehr bedauerlich. Wir versuchen, dieser Entwicklung entgegen zu wirken. In den letzten Jahren wurden viele neue Wohnungen gebaut.“
Aufgrund der kesselähnlichen Lage inmitten des Ybbstals gestaltet sich die Schaffung neuer Siedlungen schwierig: „Bei den Baugründen stoßen wir aber aufgrund der Tallage an unsere Grenzen und diese sind daher teuer.

Wir sind aber stets bemüht, neue Baugründe zu erschließen. Wie zuletzt in der Siedlung am Moos. Auch in den Ortsteilen setzen wir auf Zuzug und widmen geeignete Grundstücke in Bauland um.“