Biber mitten im Waidhofner Stadtgebiet. Um Bäume im Stadtbereich vor den Nagern zu schützen, sichert die Stadt Stämme mit Drahtgittern.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 13. Februar 2020 (04:34)
Unverkennbar: Hier waren Biber am Werk. Dass die Biber den belebten Stadtbereich nicht meiden, verwundert.
Magistrat/ Michels

Seit dem Herbst werden an der Ybbslände auf beiden Seiten des Ybbsufers mitten im Waidhofner Stadtgebiet „Schlägerungsarbeiten“ festgestellt. Für Fachleute war anhand der typischen Nagespuren sofort klar, dass es sich hier nur um die Arbeit von Bibern handeln kann.

Vergangene Woche nahm man seitens der Stadt eine Begehung der betroffenen Uferstrecke oberhalb des Stadtkraftwerkes vor. Daran nahmen Vizebürgermeister Mario Wührer, der Biberbeauftragte des Landes NÖ Ronald Knapp sowie Magistratsjurist Franz Hörlesberger, Stadtförster Georg Brenn, Vertreter der Feuerwehr und Bedienstete des Forstamtes der Stadt teil.

„Es handelt sich vermutlich um ein Biber-Paar, das mit seinen Nachkommen aus den beiden Vorjahren zwischen Winterwehr und Kaiser-Jubiläums-Kraftwerk sein Revier bezogen hat“, sagt Wührer. Mit den Jungen dürften es insgesamt sechs Exemplare sein. Den Bau, der über Biberröhren unter der Wasseroberfläche erreicht wird, dürften sich die Tiere unweit der Fassbinderei Schneckenleitner eingerichtet haben. Darauf deuten zahlreiche gefällte Weiden in dem Bereich hin.

Im Bereich der Zeller Hochbrücke dürfte sich der Bau der Biberfamilie befinden. Zahlreiche Nagespuren an Bäumen weisen darauf hin.
Magistrat/ Michels

Das Revier erstreckt sich über das Kaiser-Jubiläums-Kraftwerk noch hinaus, das belegen Spuren der Tiere. Biber bevorzugen Staugebiete wegen der verminderten Flussgeschwindigkeit des Wassers. An eine Bejagung oder an Maßnahmen zur Vertreibung sei nicht gedacht. Nach internationalem Recht gelten Biber als geschützte Tierart in der Berner Konvention und in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Die Verpflichtungen der FFH-Richtlinie sind im NÖ Naturschutzgesetz 2000 umgesetzt.

Dass die Population in dem Bereich weiterwächst, sei indes nicht zu befürchten, stellt Wührer klar. „Die Biber verstoßen gewöhnlich ihre Jungen, sobald diese zwei Jahre alt sind. Diese legen in der Folge oft weite Strecken zurück, um ein neues Habitat in Besitz zu nehmen.“

Das Fällen der Weiden stellt für das Ybbsufer sehr wohl ein Problem dar. Die Weiden sichern das Ufer vor Erosion, machen den Anwuchs anderer Baum- und Straucharten möglich und sorgen damit auch dafür, dass die Uferböschung grün und stabil bleibt.

„Wichtige Bäume, die von den Bibern noch nicht geschädigt wurden, werden wir mit Netzen und Drahtgeflechten sichern“, kündigt Wührer als Ergebnis der Begehung in Absprache mit dem Biberbeauftragten Knapp an.