Geldautomatenschwund im Ybbstal: Nur digital ist keine Option

Erstellt am 03. Mai 2022 | 20:09
Lesezeit: 4 Min
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Siegfried Hampölz, Teilbezirksobmann des Seniorenbunds, möchte nicht auf Bargeld als Zahlungsmittel verzichten müssen.
Foto: Hochpöchler
Persönliche Beratung in Geldsachen und Zugang zu Bargeld werden gewünscht.
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Bargeldloser Zahlungsverkehr ist heute nicht mehr aus dem Alltagsleben wegzudenken. Dennoch ist für viele Menschen Bargeld nach wie vor ein wichtiges Zahlungsmittel. Seit Jahren schließen allerdings immer mehr Bankfilialen am Land, oft bleiben nur die Geldautomaten übrig – aber auch diese werden vielerorts abgebaut.

Die Gemeinde Sonntagberg verlor in den letzten Jahren etwa gleich mehrere Bankfilialen. 2017 wurden die RAIBA-Bankstellen in Böhlerwerk und Rosenau mit Waidhofen und Kematen zusammengelegt. Hier konnten banktechnische Angebote in den Räumlichkeiten der ehemaligen Filialen erhalten bleiben, an zwei Vormittagen in der Woche gibt es in Rosenau auch die Möglichkeit zur persönlichen Beratung.

2020 wurde dann die Bankstelle der Sparkasse in Rosenau mit einer neuen Filiale in Kematen zusammengelegt. Der Unmut da rüber in der Gemeinde war groß, es wurde sogar erwogen, rechtliche Schritte gegen die Schließung der Bankstelle einzuleiten.

Zwei Jahre später zieht Bürgermeister Thomas Raidl Resümee: „Die Zeiten ändern sich. Kein Thema, auch der Bankensektor befindet sich unter anderem aufgrund der Digitalisierung in einem Wandel. Dennoch – und das bestätigen auch entsprechende Studien – wünschen sich viele Menschen in Finanz- und Geldfragen eine persönliche Anlaufstelle im eigenen Ort. Nicht nur die ältere Generation – welche übrigens jahrzehntelang die Banken als treue Kunden unterstützt hat – benötigt und wünscht eine persönliche Betreuung im sensiblen und vertraulichen Bereich der eigenen Finanzen.“

Zunehmende Digitalisierung nicht aufhaltbar

Eine Ybbstalgemeinde, die schon lange ohne eigenes Bankangebot auskommen muss, ist Sankt Georgen am Reith. Dort gab es bis 2001 die Möglichkeit, einmal in der Woche eine Bankstelle der Raiffeisenbank zu besuchen, seither muss die Bevölkerung auf die Filialen in den Nachbargemeinden ausweichen, einen Bankomat gab es bisher noch nie. Bürgermeister Josef Pöchhacker hat darüber nachgedacht, wie man in einer zunehmend digitalisierten Welt das Bedürfnis nach Bargeld in ländlichen Gegenden lösen könnte: „Es wäre zu überlegen, ob man den Betrieb von Bankomaten nicht in einem Zusammenschluss der Banken regional betrachtet. Was bringt es der gesamten Bevölkerung, wenn es in den dicht besiedelten Gebieten unzählige der verschiedensten Banken gibt und unsere Region in Zukunft 20 Kilometer oder mehr zum nächsten fahren muss?“

Die Raiffeisenbank Ybbstal betreut in acht Filialen etwa 22.000 Kundinnen und Kunden in der Region. Reinhard Sulzbacher, Leiter des Vertriebsmanagements, sieht einerseits einen abnehmenden Bedarf an Filialen durch technische Neuerungen wie etwa E-Banking, andererseits unverändert hohen Bedarf an Beratungsleistungen, zum Beispiel bei Wohnbau oder Wertpapieranlagen. „Wir werden uns daher immer auf die Erfordernisse und Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden einstellen und vor Ort im Ybbstal sein“, sagt Sulzbacher.

Ältere Generation will nicht auf Bargeld verzichten

Wenn sich das Bedürfnis nach persönlicher Betreuung in Finanzangelegenheiten auch durch alle Altersgruppen zieht, ist es dennoch so, dass Jugendliche und junge Erwachsene schon mit E-Banking und bargeldloser Zahlung aufgewachsen sind, während diese Neuerungen für viele ältere Menschen einen Umlernprozess mit sich brachten. „Viele Pensionistinnen und Pensionisten benutzen gerne Karten, für viele ist aber auch Bargeld nach wie vor das wichtigste Zahlungsmittel“, meint Waltraud Leonhartsberger, Ansprechpartnerin des Pensionistenverbands in Waidhofen. „In Waidhofen gibt es ja genügend Möglichkeiten Bargeld zu beheben, zum Beispiel in Rosenau, wo Filialen geschlossen wurden, sieht die Situation schon schwieriger aus“, sagt Leonhartsberger.

Siegfrid Hampölz, Teilbezirksobmann des Seniorenbunds, hält einen kompletten Wechsel zu bargeldlosem Zahlungsverkehr für problematisch: „Das Bargeldzahlen soll erhalten bleiben. Es gibt Bestrebungen das abzuschaffen, für die ältere Generation ist das aber eine schlechte Entwicklung. Viele Leute zahlen nach wie vor lieber mit Bargeld.“

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