Stadtwappen und Inschrift: Kritik in Waidhofen/Ybbs. Zweitwohnsitzer bekrittelt Mohrenkopf im Waidhofner Stadtwappen und hält Inschrift am Stadtturm für bedenklich. Politik für historische Aufarbeitung.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 05. August 2020 (04:20)
Der Mohrenkopf im Stadtwappen und die Inschrift am Stadtturm zur Türkenbelagerung sorgten zuletzt für politische Diskussionen.  
Stadt, Kössl

Das Stadtwappen und der Stadtturm sorgten zuletzt für Diskussionen bei der Waidhofner Politik. Ausgelöst wurden diese von einem Waidhofner Zweitwohnsitzer, der sich mit einem Mail an die Gemeinderäte wandte. In diesem brachte er sein Befremden gegenüber dem Mohrenkopf im Stadtwappen und der Aufschrift am Stadtturm zur Türkenbelagerung zum Ausdruck.

In Zeiten der „Black Lives Matter“-Bewegung sei ein offener Diskurs innerhalb der Stadtgemeinde darüber, wie zeitgemäß eine derartige Darstellung im Stadtwappen sei und ob es eine sichtbare Form der kritischen Distanz dazu geben könne, wünschenswert, meint der Mann zum Stadtwappen. Auch die Inschrift auf dem Waidhofner Stadtturm stößt ihm sauer auf. „Im Jahre 1532 schlugen Bürger, Schmiede und Bauern die Türken in die Flucht und erbauten zur Erinnerung diesen Turm“, ist da weithin sichtbar zu lesen. Es sei geschichtlich nicht bewiesen, dass der Turm als Zeichen des Sieges über die Türken errichtet worden sei, meint der Zweitwohnsitzer. Die Inschrift aus dem Jahr 1932 gehöre kritisch hinterfragt.

„Der Mohr im Stadtwappen ist gekrönt. Es handelt sich um keine diskriminierende oder herabwürdigende Darstellung.“Stadtchef Werner Krammer

Man habe dem Mailschreiber seitens der Stadt geantwortet, sagt Bürgermeister Werner Krammer (WVP). Die Aufregung um den Mohren im Stadtwappen kann er nicht verstehen. „Das hat einen geschichtlichen Hintergrund“, sagt der Stadtchef. „Außerdem ist der Mohr gekrönt. Es handelt sich also in keinster Weise um eine diskriminierende oder herabwürdigende Darstellung.“ Mit der Inschrift am Stadtturm werde man sich hingegen auseinandersetzen, sagt Krammer. „Diese Schrift ist nicht historisch, sondern stammt aus dem Jahr 1932.“ Stadtarchivarin Eva Zankl werde das Thema aufarbeiten, kündigt der Stadtchef an. Ihre Erkenntnisse sollen danach auf der Stadthomepage kommuniziert werden. Auch eine Hinweistafel vor Ort kann sich der Stadtchef vorstellen.

Für einen transparenten Umgang mit der Thematik plädiert SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr. Sowohl Stadtwappen als auch Inschrift sollten von einer Historikerkommission objektiv aufgearbeitet und bewertet werden, sagt Bahr. „Nur so kann sichergestellt werden, dass man aus der Geschichte lernt und Fehler der Vergangenheit nicht wieder gemacht werden.“

Auch FUFU-Stadtrat Martin Dowalil plädiert für eine Aufarbeitung. „Nur weil ein Mohrenkopf im Wappen vorkommt, ist das aber nicht gleich negativ“, sagt er. „Wenn dieses Symbol negativ behaftet ist oder sich jemand dadurch beleidigt fühlt, sollte man aber über eine Entfernung diskutieren. Wichtig ist, dass man sich damit auseinandersetzt.“ Mit der geschichtlichen Aufarbeitung in Waidhofen sei es nicht weit her, meint Dowalil. „Der Gemeinderat sitzt immer noch vor einem Bild, auf dem die Hakenkreuze einst einfach übermalt wurden.“

FPÖ-Gemeinderat Karl-Heinz Knoll tritt dafür ein, dass Wappen und Schriftzug so belassen werden. Der geschichtliche Hintergrund beider Symbole sei gut beleuchtet. So gehe der Mohr im Stadtwappen auf das Bistum Freising zurück, während die Inschrift am Stadtturm ein historisches Ereignis dokumentiere. „Die Geschichte Waidhofens ist im 5e-Museum gut aufgearbeitet. Ich empfehle allen, sich dort zu informieren“, sagt Knoll.

Historiker: Mohrenkopf ist nicht rassistisch

Vom Mittelalter bis zum Jahre 1803 war Waidhofen Herrschaftsgebiet des Freisinger Bischofs. „Der Freisinger Mohr findet sich im Wappen aller einstigen Besitzungen des Bistums“, führt der Waidhofner Historiker Walter Zambal aus. Wie Freising selbst zu dem Mohren-Symbol gekommen sei, wisse man nicht genau. „Es gibt hier über 20 Erklärungen“, sagt Zambal. „Die plausibelste ist derzeit jene, die sich auf die Apostelgeschichte bezieht. Dort kommt eine Königin vor, die einen Schatzmeister aus Äthiopien hat.“ Der Historiker weist darauf hin, dass der Mohr im Wappen als König dargestellt werde. „Es handelt sich also ganz klar um keine rassistische oder herabwürdigende Darstellung.“

Die Inschrift zur Türkenbelagerung, die im Jahre 1932 anlässlich der Feierlichkeiten zum 400. Jubiläum des Sieges über die Türken am Stadtturm angebracht wurde, sei inhaltlich zwar richtig, trage aber auch Zeichen des aufkeimenden Austrofaschismus in sich, sagt Zambal. „Die Waidhofner haben damals die Türken in die Flucht geschlagen. Mit der Beute haben sie den Stadtturm aufgestockt. Im Grunde handelte es sich dabei aber um Diebesgut, das die Türken vorher der Bevölkerung abgenommen haben. Das ist freilich hinterfragenswert.“

Hinterfragenswert ist für den Historiker aber auch die Prominenz des Schriftzugs. „Meiner Meinung nach müsste diese Schrift nicht so prominent platziert sein“, meint Zambal. „Auch eine kleinere Tafel würde reichen.“

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