Fressnapf-Preis für die Streunerkatzen. Verein Waldviertler Streunerkatzen verwendet Preis fürs Katzenkastrieren ohne Ear-Tipping, das aber gefördert wird: „Das wollen wir nicht!“

Von Karin Pollak. Erstellt am 07. Oktober 2020 (04:12)
Niederösterreichisches Tierschutz-Engagement des Jahres: Annemarie Puhm (links) und Karin Neulinger vom Verein Waldviertler Streunerkatzen helfen Streuner-, Bauernhof- und Fundkatzen. Dafür gab es den Goldenen Fressnapf und eine Spende in Höhe von 2.500 Euro.
Fressnapf Österreich

Anlässlich des Welttierschutztag es am 4. Oktober ehrte „Fressnapf Österreich“ das Engagement von Tierschützern und tierischen Helden und stellte 25.000 Euro im Rahmen des „Goldenen Fressnapf 2020“ zur Verfügung. 2.500 Euro davon gewann der „Verein Waldviertler Streunerkatzen“ in der Kategorie „Tierschutz-Engagement des Jahres“.

Seit 2014 schon 952 Katzen betreut

Der Verein Waldviertler Streunerkatzen mit Sitz in Schwarzenau hilft Streuner-, Bauernhof- und Fundkatzen – also all jenen Kätzchen, um die sich sonst niemand kümmert, und das bereits seit 2014.

„Seither haben wir insgesamt 952 arme Katzen zur Vermittlung übernommen, und 533 Katzen, davon 344 Weibchen, kastrieren lassen. Pro Jahr nehmen wir rund 100 Katzen auf und versuchen sie auch zu vermitteln“, erklärt Karin Neulinger, die sich über die Fressnapf-Auszeichnung und das Preisgeld besonders freut.

„Streunerkatzen gibt es nach wie vor viele und in allen Teilen des Waldviertels. Leider lassen manche Landwirte, aber auch Private ihre Katzen verwildern und nicht kastrieren. Nach zwei Jahren taucht dann das Problem mit den Streunerkatzen auf“, erklärt Neulinger.

Katzen in einer Lebendfalle: So werden scheue Streunerkatzen oder Babykatzen vom Verein Waldviertler Streunerkatzen eingefangen, um sie zum Tierarzt zum Kastrieren bringen zu können – ohne Ear-Tipping, dafür mit Mehrkosten.
Waldviertler Streunerkatzen

Heuer wurden bereits 94 Katzen vom Verein Waldviertler Streunerkatzen vermittelt, einige davon sind kurzfristig bei privaten Pflegestellen untergekommen. „Das sind alles Freiwillige, die sich um die Katzen kümmern und neue Besitzer für sie suchen.“

Bei Karin Neulinger in Schwarzenau befindet sich die behördlich genehmigte Betriebsstätte des Vereines. „Junge und zahme Katzen versuchen wir zu vermitteln, die scheuen Tiere werden nach dem Kastrieren wieder dort ausgesetzt, wo man sie gefunden hat. Meist werden diese Katzen von Anrainern gefüttert. In ein Haus kann man diese Tiere nicht mehr eingewöhnen.“

Kastrieren gehört zum Tierschutz

Die medizinische Versorgung und die Kastration der Katzen seien aber für alle diese Tiere das Wichtigste. Mit der Unterstützung von Fressnapf können wir noch mehr leisten und Tierleid vermeiden“, erklärt Karin Neulinger, die nachhaltig helfen will und dazu Tierbesitzer über Themen wie Tierschutz und Kastrationen informiert.

Information sei unbedingt erforderlich, das gelte vor allem für die Kastration der Katzen: „Jeder Katzenbesitzer, auch die Landwirte sind dazu per Gesetz verpflichtet“, erklärt die Vereinsobfrau. Streunerkatzen seien bei Nichteinhaltung dann ein Problem und für diese müssen Hilfsorganisationen wie die Waldviertler Streunerkatzen viel Geld in die Hand nehmen.

Förderung mit Hindernis

„Es gibt zwar Förderungen für das Kastrieren von Streunerkatzen, die jeweils zu einem Drittel vom Land, von der Gemeinde, in der sich die Streunerkatzen befinden, und von der niederösterreichischen Tierärztekammer kommen. Diese Förderungen nehmen wir nicht Anspruch“, erklärt Neulinger.

Das hat auch einen Grund: „Die Katzen, für deren Kastration die Kosten gefördert werden, müssen gekennzeichnet werden. Und dafür ist ein Ear-Tipping vorgeschrieben. Wir aber lassen unseren Katzen nicht ein Stück aus ihrem linken Ohr entfernen, sondern setzen wie gewohnt auf Chips. Das bereitet den Tieren keine zusätzlichen Schmerzen. Dafür müssen wir natürlich bezahlen und auch die Kosten für das Kastrieren übernehmen“, zeigt Neulinger auf.

Ear-Tipping verursacht zusätzliche Schmerzen

Das vorgeschriebene Ear-Tipping, das seit dem Frühjahr Grundlage für die Förderung einer Kastration von Streunerkatzen bildet, verweist auch der Zwettler Tierarzt Stefan Leisser: „Natürlich hat das einen wichtigen Hintergrund. Dadurch soll vermieden werden, dass eine weibliche Katze nicht mehrfach auf den Operationstisch wegen des Kastrierens kommt. Das ist mir auch schon passiert. Bei einem Kater ist das ja offensichtlich. Das Chippen wäre natürlich die optimale Lösung dafür, aber das ist ein finanzielles Thema.“

Leisser hat bereits viele Streunerkatzen kastriert: „Die meisten davon kommen auf Anfragen von privaten Vereinen zustande und diese wollen diese Katzen gechipt haben“, so der Tierarzt. Diese Vereine müssen somit neben den Kosten von rund 150 Euro für weibliche Katzen und rund 50 Euro für einen Kater auch die rund 20 Euro für das Chippen übernehmen. Bei einem Ear-Tipping werden die Kastrationskosten gefördert, das Einschneiden des Ohres verursache keine Nebenkosten.

„Wenn diese Regelung bei einer Streunerkatze zum Einsatz kommt, dann halte ich die Wunde am Ohr der Katze sehr klein. Mir wäre es natürlich lieber, wenn das Kastrieren mit dem Chippen gefördert werden würde“, meint der Tierarzt, „Aber die Regelung lässt keinen Spielraum.“ Somit wäre auch eine Kastrierung mit Förderung und eine private Spende für den Chip gemeinsam nicht mögich. „Dazu müssten die Regelungen geändert werden.“

Kein Ear-Tipping im Bezirk Gmünd

Im Bezirk Gmünd haben sich alle Tierärzte zusammengeschlossen und kastrieren Streunerkatzen nur über Tierschutzorganisationen, um so das Ear-Tipping zu vermeiden. „Das ist eigentlich eine Tierquälerei im Auftrag des Landes. Sogar das Bundesministerium spricht sich dagegen aus“, betont die Gmünder Tierärztin Katia Waitz.

Die Preisträger des heurigen „Tierisch engagiert“-Awards wurden in den Kategorien „Tierschutz-Engagement des Jahres“, „Tierische Helden“ und „Junge Tierschützer“ von einer Fachjury ausgewählt. Diese bestand aus Hundetrainer und Supertalent Lukas Pratschker, Journalistin und Tierschützerin Maggie Entenfellner, WWF-Ehrenpräsident und Tierarzt Helmut Pechlaner sowie Fressnapf-Österreich-Geschäftsführer Hermann Aigner.

Aufgrund der aktuellen Situation gab es heuer keinen Gala-Abend, stattdessen fand die Verleihung des Awards im TV und online statt.