Bezirk Zwettl: Als der Schilling zum Euro wurde

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:05
Lesezeit: 4 Min
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Gastwirt Josef Klang hob sich noch einige Schilling-Scheine und Euro-Starterpakete auf.
Foto: NÖN
Auf einmal war die Währung eine andere. Die Umstellung lief aber reibungslos ab.
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Er sah anders aus, hatte einen anderen Wert – der Euro, der vor 20 Jahren in Österreich eingeführt wurde, war eine große Umstellung.

Intensiv beteiligt daran waren die Banken. So wurde im Vorfeld sehr ausführlich informiert. „Es gab immens viele Infoveranstaltungen gemeinsam mit der Nationalbank“, erzählt Raiffeisenbank-Direktor Werner Scheidl. Die Umstellung habe schließlich problemlos funktioniert, nicht zuletzt dank der ausgegebenen Erstausstattungspakete. Erwartungen hatte man an den Euro insofern, dass er das Reisen einfacher machen sollte. Bedenken gab es aber, da viele süd-osteuropäische Staaten große wirtschaftliche Unterschiede aufwiesen. Scheidl resümiert jedoch: „Im Prinzip hat sich der Euro bewährt und die Inflation in den letzten Jahren war moderat.“ Mit der derzeit höheren Inflation sei die Zentralbank natürlich gefordert.

Innerhalb von drei Tagen war umgestellt. Josef Klang

Manfred Füxl, Marketingleiter der Waldviertler Sparkasse, erinnert sich ebenfalls an die Umstellung: „In der Silvesternacht gab es Schlangen bei den Bankomaten, um die ersten Euro-Scheine beheben zu können.“ Es sei regelrecht eine Imagefrage gewesen, wer die ersten Euro-Scheine in seine Geldbörse stecken konnte. Die Münzen-Startersets in Stückelungen für Private und Unternehmen gab es zuvor schon ab Mitte Dezember 2001. Diese stießen auf großes Interesse und sind noch ein Sammlerobjekt. Für die Bank bedeutete die Währungsumstellung eine große logistische Herausforderung. In den ersten beiden Monaten war eine doppelte Kassaführung mit Schilling und Euro notwendig. Füxl erwähnt auch: „Am Anfang der Einführung gab es eine große Skepsis. Die Bürger wollten am altbewährten Schilling festhalten.“ Ein „Teuro“ wurde befürchtet, der Euro habe sich aber als robuste Währung erwiesen, die den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr erleichterte und einen direkten Preisvergleich innerhalb des Euro-Raums möglich machte.

Einer, der die Währungsumstellung ebenfalls ganz nahe mitbekommen hat, ist Echsenbachs Gastwirt Josef Klang. Er erinnere sich noch ganz genau: „Wir waren mit zwei Brieftaschen für alle Möglichkeiten gerüstet.“ Vorgabe wäre dabei eigentlich gewesen, dass am 1. Jänner ab Mitternacht nur mehr Euro rausgegeben werden sollten. Im Gasthaus habe man jedoch anfangs noch Schilling mit Schilling und Euro mit Euro herausgegeben. „In der ersten Nacht gab es einen einzigen Gast, der Euro hatte“, erinnert sich Klang. In den ersten beiden Tagen habe man dann beides erhalten, dann hatte Klang Ruhetag, und am Tag darauf habe man keinen Schilling mehr bekommen. „Die Umstellung war perfekt“, meint Klang. Dank der Starterpakete, habe man sofort rausgeben können. „Ich war immer ein Befürworter des Euro. Für Reisen ist es geschickt, und meiner Meinung nach wären die Teuerungen auch mit dem Schilling passiert“, ergänzt Klang.

„Damals, als der Euro kam, herrschte Angst, alles würde teurer werden. In einem gewissen Rahmen war das auch so, dem gegenüber steht allerdings unser gesteigerter Wohlstand der letzten 20 Jahre“, erwähnt auch Andreas Talamas, Verwaltungsleiter bei Hartl Haus. Er ist überzeugt, dass der Euro und die gesamte EU eine Erfolgsgeschichte sind, wenn auch im Laufe der Jahre manche Schwächen einer derart großen Union zum Vorschein gekommen seien. „Leider ist das Bild in der Öffentlichkeit ein komplett anderes. Keiner kennt mehr die Urlaubsproblematik mit den Fremdwährungen, und für jeden ist es selbstverständlich, ohne Kontrolle über Grenzen fahren zu können“, sagt Talamas.

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