Die Wachhunde beim Bundesheer. Acht Rottweiler überwachen das Gebiet des Truppenübungsplatzes Allentsteig. Die NÖN durfte exklusiv bei der Arbeit zusehen.

Von Joachim Brand. Erstellt am 06. März 2021 (04:09)

Militärhunde sind als Wach- und Schutzhunde auf vielen Bundesheerliegenschaften im Einsatz. Das Gebiet des Truppenübungsplatzes (TÜPl) Allentsteig wird mit acht Rottweilern überwacht. Die NÖN erhielt exklusive Einblicke.

Das Betreten und Befahren des TÜPl ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Was viele nicht wissen: Selbst Bundesheerangehörige sind auf dem Gelände in ihrem Bewegungsspielraum eingeschränkt. Gewisse Regeln und Anordnungen des TÜPl-Kommandos müssen befolgt werden.

Hundeführer: „Der Hund ist unsere Lebensversicherung.“ Die Überwachung aller Bereiche stellt eine Herausforderung dar. Neben verschiedenen Wachorganen sind es vor allem die Hundeführer, die mit ihren Diensthunden, den stämmigen Rottweilern, unvermutet an unterschiedlichsten Stellen auftauchen können.

Ronald Nowak ist seit 26 Jahren Hundeführer und in dieser Funktion gemeinsam mit sieben weiteren Kollegen für die Überwachung des TÜPl- Gebietes verantwortlich. „Der Hund ist für uns unsere Lebensversicherung. Er passt auf uns auf! Der Hund ist unser Freund und Beschützer“, erklärt Nowak im NÖN-Gespräch.

Aufgrund der Sperrgebietsverordnung ist der Zutritt unbefugter Personen verboten. „Wir als Hundeführer bilden militärisch gesprochen, gemeinsam mit unserem Hund, einen Trupp“, betonte Ronald Nowak als verantwortlicher Hundeführer.

Überwachung rund um die Uhr. Die Militärhundeführer, darunter seit zwei Jahren auch eine ausgebildete Hundeführerin, sind mit mindestens einem Wachhund, ununterbrochen 24 Stunden auf dem TÜPl-Gelände unterwegs. Als Fußpatrouille oder mit dem Geländeauto, der Rottweiler ist immer dabei.

Nach dem Militärbefugnisgesetz gilt der scharfe Einsatz eines Diensthundes als Waffengebrauch. Helmut Pobaschnig bestätigt als verantwortlicher Sicherheitsoffizier die Effektivität der Hundeführer mit ihren Diensthunden: „Wir verzeichnen eine abnehmende Tendenz unbefugter Zutritte auf den TÜPl. Die gute Ausschilderung der TÜPl-Grenzen und die Überwachung des Gebietes durch die Hundeführer wird von der Bevölkerung ernst genommen“, sagt Helmut Pobaschnig. Die maximale Höhe der Verwaltungsstrafe, welche durch die Bezirksbehörde verhängt werden kann, liegt bei 2.000 Euro. Keine Kleinigkeit, wenngleich dieses Strafmaß nur in Ausnahmefällen verhängt wird.

Dietmar Butschell ist für die Öffentlichkeitsarbeit des TÜPL verantwortlich. Er erklärt, dass das Zutrittsverbot vor allem dem Schutz der eigenen Person gilt. Auf dem TÜPl-Gelände befinden sich explosive Blindgänger und unterschiedliche Gefahrenzonen, die nicht bekannt sind. „Das militärische Übungsgeschehen birgt natürlich die größte Gefahrenquelle. Selbst während eines Wochenendes kann was los sein“, sagt Dietmar Butschell.

Auslese: Nur einer von zwölf Bewerbern kam weiter. Eine Aufnahme als Militärhundeführer ist für Hundeliebhaber erstrebenswert. Bei der letzten Ausschreibung meldeten sich zwölf Bewerber und Bewerberinnen. Kein „Allerwelts-Job“: Als Militärhundeführer kommen nur charakterlich und körperlich geeignete Kandidaten in Frage. Nach einem 14-tägigen Auswahlverfahren konnte nur ein Bewerber den Anforderungen entsprechen.

Im Gegensatz zum zivilen Bereich bekommt jeder Militärhundeführer zu Beginn einen einjährigen Hund. Dieser wird zuvor im Militärhundezentrum Kaisersteinbruch gezüchtet und vorgetestet. Danach erfolgt eine dreimonatige Ausbildung zum Militär Hundeführer mit seinem jungen Hund.

Von dann an verbleibt der Hund bei seinem „Herrl“. Durchschnittlich sind das neun Jahre. Das Tier befindet sich aber nicht im Besitz des Militärhundeführers. Dennoch verbleibt der neue Gefährte unmittelbar im persönlichen Wohnverband. Das heißt, es ist ein Hund mit Familienanschluss. Das funktioniert nur unter gewissen familiären Voraussetzungen. Ein Hundezwinger mit Auslauf ist ebenfalls obligat.

Für jeden Hundeführer ist das Tier Freund und Gefährte zugleich. „Wir vermenschlichen unsere Tiere nicht. Der Hund ist ein soziales Wesen und muss sich unterordnen. Sobald die Rangordnung in Frage gestellt wird, gibt es Schwierigkeiten. Als Kuscheltier ist diese Hunderasse nicht geeignet. Unfälle mit Hunden passieren meist dann, wenn diese Grundregel missachtet wird“, meint Ronald Nowak.