Der Wolf im Waldviertel: 3 Rudel, über 20 Tiere. Landtagsabgeordneter Mold betont, dass es nicht mehr um die Überlebensfrage für den Wolf in Mitteleuropa geht.

Von René Denk. Erstellt am 29. November 2018 (05:00)
Die Grünen NÖ
Vorstellung des neuen Wolf-Forschungsprojektes: Tüpl-Kommandant Konstantin Lütgendorf, Nationalratsabgeordneter Alois Kainz (FPÖ), Landtagsabgeordneter Helmut Hofer-Gruber (NEOS), Landtagsklubobfrau Helga Krismer (Grüne), Felix Knauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Uni Wien, Landtagsabgeordnete Margit Göll und Landtagsabgeordneter Franz Mold (beide ÖVP).

Auf Anfrage der Grünen lud das Bundesheer alle Landtagsparteien zum Truppenübungsplatz(TÜPl)-Kommando auf Schloss Allentsteig ein, um das neue Forschungsprojekt der Veterinärmedizinischen Universität „Wolf und Rotwild“ zu präsentieren.

Neben einem Impulsreferat von Felix Knauer wurde auch die generelle Wolfssituation im Waldviertel diskutiert. „Es war eine ruhige und sachliche Diskussion, natürlicherweise mit unterschiedlichen Sichtweisen“, sagt TÜPl-Kommandant Konstantin Lütgendorf, der durch das Programm führte.

„Wer Ja zum Artenschutz in Niederösterreich sagt, sagt Ja zu den NÖ Bauern und Ja zum Wolf in unserem Bundesland“Landtagsklubobfrau Helga Krismer (Grüne)

Landtagsklubobfrau Helga Krismer (Grüne) begrüßte in einer Aussendung die gute Gesprächsbasis, ermahnte aber die politischen Mitbewerber. „Wer Ja zum Artenschutz in Niederösterreich sagt, sagt Ja zu den NÖ Bauern und Ja zum Wolf in unserem Bundesland“, so ihre Devise. Um ein konfliktfreies Miteinander zu bekommen, brauche man mehr präventive Maßnahmen; fehlen würden ein klares Konzept zum Schutz von Tierherden gegenüber dem Wolf, klare Regeln zur Schadensabgeltung und eine Struktur zum Umgang mit möglichen Problemwölfen.

Wolf-Ausbreitung: Wie kann man eindämmen?

„Wir haben im Landtag das Jagdgesetz geändert. Auffällige Wölfe sollen unbedingt der Bezirkshauptmannschaft gemeldet werden. Diese muss dann entscheiden“, verwehrt sich Abgeordneter Franz Mold (ÖVP) gegen die Aussagen Krismers. Ein Maßnahmenkatalog wird den Behörden künftig bei der Entscheidung für weiterer Schritte helfen, welche von Vergrämung bis zum Abschuss gehen können. „Wenn sich der Wolf weiterhin ungehindert ausbreiten kann, wird er zur Gefahr für die Menschen. Es gilt vor allem unsere Menschen, unsere Weidehaltung und unseren Tourismus in Zwettl und im Waldviertel zu schützen“, betont Mold.

Wolfsexperte Felix Knauer äußerte auch dezidiert, dass ein Wolf, der näher als 30 Meter komme, als gefährlich gelte. An die 50 Wolfsrisse gab es im oberen Waldviertel im heurigen Jahr. Hauptsächlich betroffen im Bezirk sind Langschlag, aber auch in Rappottenstein und Arbesbach gab es einige Vorfälle. „Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob der Wolf in Mitteleuropa überleben wird. Die Frage wird sein, wie wir den Wolf in einer Anzahl halten, sodass er nicht zum großen Problem wird“, sagt Mold glasklar.

30 % Vermehrungsquote pro Jahr bestätigt auch der Wolfsbeauftragte des Landes, Georg Rauer. Drei Rudel mit knapp über 20 Tieren – die Jungtiere werden später vom Rudel vertrieben und müssen selbst woanders wieder ein Rudel gründen – kann er derzeit nachweisen: Eines am TÜPl, eines in der Region Langschlag-Karlstift-Bad Großpertholz und eines in der Region Heidenreichstein-Litschau, das sich aber viel in Tschechien aufhalten dürfte. Weitere zehn Einzelindividuen konnte man heuer in Österreich nachweisen, wodurch man auf etwas über 30 Wölfen käme, die 2018 in Österreich aktiv waren.