Moderner Harvester: „Käfer geht es an den Kragen“. Splittergeschützter Harvester ist am TÜPl im Dauereinsatz. Granaten werden mit modernem Gerät gesucht.

Von Markus Füxl. Erstellt am 04. Dezember 2019 (04:19)

Der Kampf gegen den Borkenkäfer am Truppenübungsplatz Allentsteig ist in vollem Gange. Seit Jänner erntet ein splittergeschützter Harvester sieben Tage die Woche käferbefallenes Holz.

„Wir werden dem Käfer auf den Leib rücken“, sagt TÜPl-Kommandant Herbert Gaugusch bei einem Lokalaugenschein. Helfen soll dabei der Harvester sowie zwei Rückewagen, die ebenfalls splittergeschützt sind. 20 Millimeter dicker Panzerstahl schützen die Arbeiter im Harvester, dazu kommen Scheiben mit 36 Millimeter Dicke. Der Sitz basiert auf Technik, die in Helikopter eingesetzt wird. Betrieben wird das Fahrzeug von der Firma Holz Klade GmbH aus Wolfsberg.

„Wir wollen die Zone A verkleinern. Es ist eine wahre Sisyphos- Arbeit, aber sie macht Sinn.“ TÜPl-Kommandant Herbert Gaugusch

Die Situation am TÜPl ist ernst: „99 Prozent der Fichten sind weg“, sagt Gaugusch. Damit das Totholz aus den Wäldern kommt, werden etwa 400 Bäume in der Stunde geschnitten und verladen. 150 Lkw-Fuhren verlassen jede Woche Allentsteig.

„Wir sind beim Abtransport an unseren Grenzen. Wir haben aktuell 200.000 Festmeter Jahreseinschlag, normal sind 30.000. Mehr geht einfach nicht“, sagt Gaugusch. Er prognostiziert, dass mindestens noch zwei Jahre so weitergearbeitet werden muss, damit sich die Lage entspannt.

Was auffällt: Immer wieder stechen einzeln stehende Fichten ins Auge. Sie dürften dem Borkenkäfer widerstanden haben. „Bei diesen Bäumen wollen wir uns gemeinsam mit Experten die Genetik genauer anschauen“, erklärt der TÜPl-Kommandant.

Zone A soll gezielt verkleinert werden

Ein weiteres Ziel von Gaugusch ist es, die kampfmittelbelastete Zone A des TÜPl zu verkleinern. Das funktioniert, indem mit Sondierungsgeräten nach Kampfmittel im Boden gesucht wird. Die Geräte senden ein Signal bis zu vier Meter tief in den Boden, das von Granaten oder ähnlichem zurückgeworfen wird. Diese werden dann ausgegraben. Wenn die Munition scharf ist, werden sie gezielt gesprengt. Seit Dezember sind bis zu zwölf Mitarbeiter mit den insgesamt vier Geräten unterwegs, darunter auch Florian Fraßl: „Wir schieben sie wie ein Einkaufswagerl“, erklärt er. Zentimetergenau können mittels GPS die Kampfmittel ausgemacht werden.

Schlägt das Gerät an, muss händisch gegraben werden. „Es ist eine Sisyphos-Arbeit, aber sie macht Sinn“, sagt TÜPl-Kommandant Gaugusch.

Wieviel gefunden wird, variiert stark. „Wir hatten schon 900 Funde auf zweieinhalb Hektar“, sagt Fraßl. Ein Viertel der Funde sind alte Kriegsrelikte. Thomas Bareis vom Bundesheer erklärt: „Von fingernagelgroße Splitter bis zu Granaten eines russischen Panzers finden wir alles. Im besten Fall liegen’s einfach da, im schlechtesten schaut nur das Spitzerl raus.“

Tanklöschfahrzeug wird vor Splitter schützen

Bis jetzt verhindern bei Feuer am TÜPl insgesamt 150 Kilometer Brandschutzstreifen ein großflächiges Übergreifen der Flammen. 2020 soll ein splittergeschütztes Tanklöschfahrzeug in Einsatz gehen. Damit will man die Brände gezielt löschen können.