Bundesheer: Lemp und Gaugusch sind Master. Weitraer TÜPl-Kommandant Herbert Gaugusch und Zwettler Reinhard Lemp absolvierten höchste Ausbildung beim Heer. Millionenprojekt geplant.

Von Karin Pollak. Erstellt am 11. Juni 2021 (04:11)

Die höchste Ausbildung, die es beim Bundesheer überhaupt gibt, hat der Weitraer Herbert Gaugusch, der seit September 2019 mit der Führung des Truppenübungsplatzes Allentsteig betraut ist, abgeschlossen. Der Oberst absolvierte, so wie Reinhard Lemp aus Zwettl, an der Landesverteidigungsakademie in Wien den 9. Fachhochschul-Masterstudienlehrgang „Militärische Führung“. Beiden wurde der akademische Grad „Master of Arts in Military Leadership“ von Ministerin Klaudia Tanner verliehen.

Studium neben dem Beruf. „Auch beim Bundesheer gibt es ein lebenslanges Lernen. Dieses Studium war für mich ein logischer Schritt. Denn nur damit zählen auch meine bisher absolvierten Ausbildungen. Durch die Umstrukturierungen bei der Ausbildung im Heer wären diese ansonsten nicht vollständig anerkannt worden“, erklärt der frischgebackene Master.

Der Fachhochschul-Masterstudienlehrgang dauert vier Semester und vermittelt all jene Qualifikationen und Kompetenzen, die eine Führungskraft des Bundesheeres oder einer vergleichbaren Organisation im zivilen Bereich benötigt, um Führungsaufgaben an höchster Stelle wahrnehmen zu können. „Durch diese Ausbildung konnte ich mir zusätzliches Wissen für die zielorientierte Weiterentwicklung des TÜPl Allentsteig aneignen“, meint Herbert Gaugusch, der für das Studium, das er neben seiner Tätigkeit am Truppenübungsplatz Allentsteig absolviert hat, viel Zeit und Energie aufgewendet hat. Die universitäre Ausbildung, die Brigadier Andreas Rotheneder geleitet hat, forderte nämlich ein hohes Maß an persönlichem und zeitlichem Engagement.

Der dreifache Vater, der in Kürze seinen 55. Geburtstag feiert, hat beruflich schon viel erreicht. Nach seiner Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt wurde er 1989 zum Panzergrenadierbataillon 9 als Leutnant ausgemustert. Danach war er unter anderem als Garnisonskommandant in Weitra und als Bataillonskommandant in der Liechtensteinkaserne in Allentsteig tätig. 2011 wurde er zum stellvertretenden TÜPl-Kommandanten ernannt, diesem steht der Offizier seit September 2019 vor. Er absolvierte Aus- und Weiterbildungen im In- und Ausland sowie den Lehrgang „Sicherheitsmanagement“. 2010 erhielt er den akademischen Grad „Master of Security and Defense Management“.

Masterarbeit dient beruflichem Ziel. Oberst Gaugusch verfolgt mit großem Einsatz sein berufliches Ziel, die Bedeutung des Truppenübungsplatzes Allentsteig für das Bundesheer im Rahmen der gesamtstaatlichen „Umfassenden Sicherheitsvorsorge“ für internationale Bedarfsträger und für die Region Waldviertel auszubauen. Über diese Zukunftsstrategie verfasste er seine aktuelle Masterarbeit „Eignung der Ressourcen des TÜPl Allentsteig für aktuelle und künftige Aufgaben des Bundesheeres“. Schwerpunkte dabei sind die Verbesserung der Ausbildungsinfrastruktur, Anpassungen im Bereich der Simulationsmöglichkeiten und Nutzung der vorhandenen Ressourcen für die Selbstversorgung und Resilienz des Bundesheeres.

Millionen werden investiert. Dazu gehören natürlich auch die geplanten Um- und Zubauten in der Kaserne und am Truppenübungsplatz. „Wir bauen an der urbanen Trainingsanlage am TÜPl weiter. Dabei handelt es sich um eine große Trainingsanlage, in der verschiedene Szenarien in einer Ortschaft trainiert werden können. Im Herbst startet die Generalsanierung der Kaserne mit dem Umbau von zwei Mannschaftsunterkünften im ‚Lager Kaufholz‘. Dafür werden rund vier, fünf Millionen Euro investiert“, betont der Oberst. Weitere für heuer geplante Projekte umfassen den Kompetenzaufbau in der Waldbrandbekämpfung und -prävention, die Erhöhung der Lehrlingsarbeitsplätze, den Ausbau der Zusammenarbeit mit den Blaulichtorganisationen und die Verwendung regionaler Produkte in der Truppenküche.

Jetzt freut sich der Oberst über den Studienabschluss und über freie Wochenenden, die er mit der Familie und seinen Hobbys, wie der Jagd, verbringen will.

Neuer Titel, neue Aufgabe. Mit Reinhard Lemp aus der Gemeinde Zwettl hat noch ein Waldviertler das Studium „Militärische Führung“ absolviert. Er untersuchte in seiner Masterarbeit den Einsatz von Hochpräzisionsmunition der Artillerie und auch die Reduzierung von Kollateralschäden im Einsatz.

Fast gleichzeitig mit dem Abschluss des Masterstudienganges übernahm Reinhard Lemp die Funktion des Evaluierungsdirektors der Artillerie im Bundesministerium für Landesverteidigung. Er kann damit seine Erfahrungen als langjähriger Kommandant des AAB4 und seine internationalen Tätigkeiten auf ministerieller Ebene einbringen. Lemp arbeitet jetzt in der Rossauer-Kaserne in Wien, er bleibt aber in der Gemeinde Zwettl wohnhaft.