Natalie Frühwirth: Bäckerin aus Leidenschaft. Natalie Frühwirth aus Altmelon übernahm das Unternehmen ihrer Eltern, trotz Mehlstaub-Allergie und Studium.

Von Karin Pollak. Erstellt am 10. Juni 2021 (03:01)
Natalie Frühwirth leitet nun die Bäckerei ihrer Eltern und führt auch die Filialen im Oberösterreichischen Königswiesen und Liebenau weiter.
Verena Prinz Photography, Verena Prinz Photography

Eine Bäckerin mit Mehlstaub-Allergie – gibt‘s nicht? Gibt es doch: In der Bäckerei/Konditorei Frühwirth ist mittlerweile Natalie Frühwirth (28) für die Geschäfte verantwortlich (die NÖN berichtete). Sie hat die Produktion der Backwaren umgestellt und damit für die Mitarbeiter als auch für die Teige Zeit gewonnen.

Umstellung bringt mehr Qualität. Die Familie Frühwirth betreibt in Altmelon, in Königswiesen und in Liebenau ihre Bäckereien, produziert wird aber ausschließlich in Altmelon, wo ausreichend Platz für Backstube, Konditorei und Café ist. Eine der ersten und nachhaltigsten Entscheidungen als junge Geschäftsführerin war die Installation modernster CO 2 -Kältetechnologie für Langzeitführung und Gärverzögerung. Natalie Frühwirth erklärt: „Zusätzlich zu den Ruhezeiten zwischen den Arbeitsschritten bei der Herstellung unserer Gebäckspezialitäten ist es nun möglich, die Langzeitführung gezielt einzusetzen. Die Teiglinge kommen in der Früh in unseren Reiferaum und haben den ganzen Tag Zeit für die Gare und können dabei viel Geschmack entwickeln. Unseren Kunden schmeckt es und sie bestätigen, dass das Brot und Gebäck viel besser verträglich ist.“ Da die Teige nun mehr Zeit zum Reifen haben, würde auch ein Großteil der 31 Mitarbeiter, darunter sechs Lehrlinge, wertvolle Stunden gewinnen, da teilweise die nächtliche Produktion wegfalle. „Diese Langzeitgärung haben wir in der Familie gemeinsam beschlossen. Wir wollen zum einen ständig die Qualität unserer Produkte erhöhen, und zum anderen für unser engagiertes Team ein bestmögliches Arbeitsumfeld schaffen“, so die frischgebackene Unternehmerin.

Mehlallergie diagnostiziert. Dass Natalie Frühwirth die Bäckerei übernehmen werde, stand für sie relativ bald fest, aber schlussendlich gab es bis dahin einige Hürden zu nehmen. „Ich wollte schon in der Volksschule Bäckerin werden. Im Alter von 17 Jahren arbeitete ich in Kitzbühel und habe dort entschieden, dass ich mir die Übernahme der Bäckerei zutrauen würde. Doch dann bekam ich gesundheitliche Probleme – es wurde bei mir eine Mehlstauballergie festgestellt. Das ist für einen Bäcker das Schlimmste, was passieren kann.“ Somit war die Übernahme der Bäckerei einmal abgehakt, die gelernte Bäckerin und Konditorin begann das Studium der Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. „Rückblickend war diese Zeit besonders wertvoll. Ich habe meinen fachlichen Horizont erweitert und kann dieses Wissen heute nutzen.“ Ihre Bachelor-Arbeit widmete sie speziell dem Weizenmehl und hat dafür bei der Firma Agrana Research & Innovation-Center GmbH in Tulln zahlreiche Backversuche unternommen. „Da habe ich gewusst, dass ich ohne Backen nicht leben kann. Deshalb habe ich die Bäckerei übernommen.“

Die Mehlstaub-Allergie hat sie mittlerweile sehr gut in Griff. „Bei unserer Betriebsgröße gibt es viel Operatives und Administratives zu erledigen. Außerdem bin ich im Verkauf und in der Konditorei sowie in den Filialen tätig. Die Zeit, die ich direkt in der Backstube verbringe, teile ich mir bewusst ein. Außerdem habe ich im Vorjahr erfahren, dass ich an einer speziellen Gewürz-Unverträglichkeit leide. Seit ich dieses weglasse, ist auch die Allergie besser geworden“, erzählt die Unternehmerin.

16 Liefertouren in der Woche. Unterstützt wird sie von der Familie, Vater Konrad (Koni) und Mutter Maria wohnen in dem Haus, in dem jetzt Natalie Frühwirth und ihr Freund Andreas den Dachboden in eine geräumige Wohnung umbauen. „Wir versuchen, das Private und das Berufliche so gut es geht zu trennen, um auch abschalten zu können. Andreas ist Maschinenbautechniker und wird das auch bleiben. Wenn Not am Mann ist, dann hilft er jedoch auch in der Bäckerei“, betont Frühwirth, der die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern wichtig ist: „Beim gemeinsamen Kaffee nach dem ‚Gaifoan‘ wird auch über Privates geredet.“

Das „Gaifoan“ hat in dieser Bäckerei Tradition und wird weiter praktiziert. „Mein Vater sagt, dass wir 1.600 Haushalte bei unseren Liefertouren abdecken. Wir haben 16 Touren in der Woche, diese führen uns ins benachbarte Oberösterreich, in den Raum Altmelon und in die Schönbacher Gegend.“

Für Natalie Frühwirth war und ist die Entscheidung, trotz Corona den elterlichen Betrieb zu übernehmen, die richtige. Sie kann ihren Beruf und ihre Berufung ausleben – mit „Regionalität, Qualität und Handwerk“.