Bezirk Zwettl: Jobvermittlung in Krise. Das AMS Zwettl blickt auf ein sehr herausforderndes Jahr mit einem hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit zurück. Für 2021 werden mehr Langzeitarbeitslose befürchtet.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 16. Januar 2021 (04:12)
AMS-Chef Kurt Steinbauer blickt auf das Jahr zurück.
René Denk

Der Leiter des AMS Zwettl, Kurt Steinbauer, blickt auf ein mehr als arbeitsreiches Jahr zurück: Mitte März stieg die Arbeitslosigkeit im Bezirk rasant an, gleichzeitig ging das Angebot an freien Stellen deutlich zurück. Im AMS Zwettl sind nun seit mehreren Monaten persönliche Gespräche mit Jobsuchenden die Ausnahme. „Wir haben unsere Services vielfach auf das Telefon und den elektronischen Kanal, das eAMS-Konto, umgelegt. Ein Umstand, den die Vermittlung von Jobs und freien Stellen nicht leichter macht. Zugleich galt es, die Unternehmen in der Krise mit der Kurzarbeitsbeihilfe zu unterstützen“, sagt Steinbauer.

Das Team des AMS Zwettl hat bereits ab Ende April den Vermittlungsturbo hochgefahren. „Mit unserer Strategie der raschen und konsequenten Vermittlung sind wir auf dem richtigen Weg: So konnten bis Jahresende 2.569 Jobsuchende im Bezirk Zwettl ihre Arbeitslosigkeit mit einer Arbeitsaufnahme beenden. Das bedeutet ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 8,4 Prozent oder 198 Personen“, resümiert der AMS-Chef.

Weniger freie Stellen als im Jahr zuvor

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich durch die Pandemie deutlich verringert: Im Bezirk Zwettl wurden dem AMS im Vorjahr 1.251 freie Stellen gemeldet. Das bedeutet einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 13,4 Prozent. Trotz der gebremsten Arbeitskräftenachfrage und den erschwerten Rahmenbedingungen im Zuge der Pandemie wurden 2020 jedoch 1.195 freie Stellen mit einer passenden Arbeitskraft besetzt.

Steinbauer berichtet weiterhin: „Während wir im Jahr 2019 niederösterreichweit den niedrigsten Bestand an arbeitslosen Personen seit sechs Jahren melden konnten, waren wir 2020 mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit quer durch alle Branchen und Berufsgruppen konfrontiert. Betroffen von Jobverlust waren Personen aller Altersgruppen und Frauen ebenso wie Männer.“

So ist der Bestand an arbeitslosen Personen im Jahresdurchschnitt gegenüber dem Vorjahr um 24,7 Prozent auf 1.059 Personen gestiegen. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe bis 25 Jahre stieg 2020 im Vorjahresvergleich um 34,3 Prozent. Bei der Generation 50 Plus verzeichnet das AMS Zwettl einen Zuwachs von durchschnittlich 12,2 Prozent. Mit durchschnittlich 453 jobsuchenden Frauen beträgt der Zuwachs in dieser Personengruppe gegenüber dem Vorjahr 34,8 Prozent, während jahresdurchschnittlich 607 Männer (+18,3%) arbeitslos gemeldet waren.

Langzeitarbeitslosigkeit könnte weiter steigen

Ende Dezember waren beim AMS Zwettl 1.310 Personen, davon 456 Frauen und 854 Männer, arbeitslos gemeldet, um 115 oder 9,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Gmünd (9,2%) verzeichnet der Bezirk den niedrigsten Anstieg in NÖ. Positiv ist auch die Tatsache, dass knapp 600 Arbeitslose über eine Wiedereinstellungszusage verfügen. Weniger gut sind die Aussichten für 269 Arbeitslose, die bereits länger als sechs Monate ohne Beschäftigung sind. Gesundheitliche Einschränkungen, geringe Ausbildung und Mobilität oder andere Handicaps machen es diesen Jobsuchenden besonders schwer, während der durch Covid-19 ausgelösten Wirtschaftskrise einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Im Jänner muss zudem mit einem weiteren Anstieg der Saisonarbeitslosigkeit gerechnet werden. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage sind beim AMS Zwettl aber 275 freie Stellen gemeldet.

Eine steigende Zahl der Langzeitarbeitslosen im kommenden Jahr wird aber erwartet. „Das Jahr 2020 hat den niederösterreichischen Arbeitsmarkt mit all seinen Akteuren vor bisher nicht gekannte Herausforderungen gestellt. „Mit der Vermittlungsoffensive werden wir dafür sorgen, dass unsere Kunden rasch wieder einen neuen Job finden. Für Personen, denen ein rascher Einstieg ins Berufsleben nicht gelingt, und damit Betriebe die Fachkräfte bekommen, die sie benötigen, halten wir außerdem ein Qualifizierungsangebot bereit, das auf die Region abgestimmt ist und die Besonderheiten des Arbeitsmarktes im Bezirk Zwettl berücksichtigt“, blickt Steinbauer voraus.