Bürgermeister: „Rückhalt zu spüren war schön“. Arbesbachs Bürgermeister Martin Frühwirth erzählt von ersten Schritten als Bürgermeister und einem schwierigen Jahr 2020.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 07. Februar 2021 (05:13)
Kein sanfter Einstieg: Martin Frühwirth hatte gleich in seinem ersten Jahr als Bürgermeister von Arbesbach alle Hände voll zu tun. Arbesbach
Gemeinde

Das Jahr 2020 war für keinen Bürgermeister leicht zu bewältigen, ganz besonders nicht, wenn man frisch im Amt mit einer weltweiten Pandemie umgehen muss. Martin Frühwirth blickt im Gespräch mit der NÖN auf sein erstes Jahr als Bürgermeister von Arbesbach zurück.

NÖN: Sie wurden gleich in ihrem ersten Jahr als Bürgermeister mit einer Ausnahmesituation konfrontiert. Nicht die besten Voraussetzungen für einen guten Start ins neue Amt, oder?

Martin Frühwirth: Natürlich. Das Jahr war gerade für den Neueinstieg als Bürgermeister eine gewaltige Herausforderung. Es war ganz sicher nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Wie hat sich der Bürgermeisteralltag durch Corona verändert?

Frühwirth: Der Kontakt zu den Bürgern fehlt einfach extrem, und das jetzt schon seit März letzten Jahres. Kommunikation erfolgt mittlerweile hauptsächlich über die digitalen Medien und das Telefon. Es ist ungewohnt. Ich würde wirklich gerne den Leuten gegenübersitzen, reden und ein wenig die Stimmung aufnehmen. Dementsprechend fehlen die Diskussionen und das Feedback aus der Bevölkerung. Man kommt durch das Fehlen der Veranstaltungen nicht mehr so zusammen. Mir geht das persönlich schon sehr ab.

Können Sie auch etwas Positives aus dem vergangenen Jahr mitnehmen?

Frühwirth: Positiv ist sicher, dass wir in der Gemeinde einen guten Zusammenhalt festgestellt haben. Als im März der Lockdown ausgerufen wurde, waren direkt tags darauf Hilfsdienste organisiert. Das hat alles bestens funktioniert. Auch jüngst bei den Teststraßen waren sofort Freiwillige gefunden. Ich habe nur gefragt, und die Leute waren zur Stelle. Diesen Rückhalt aus der Bevölkerung zu spüren waren besonders schöne Momente für mich.

Arbesbach hatte im Herbst doch einige Coronafälle und einen größeren Cluster zu verzeichnen. Was sind ihre Gedanken dazu?

Frühwirth: Vermutlich ging der Cluster auf die Kircheneröffnung im Oktober zurück. In dem Moment haben wir noch geglaubt, wir wären ein Einzelfall.Tatsächlich ging es vielen Orten im ganzen Land zu diesem Zeitpunkt ähnlich. Mancherorts mehr, mancherorts weniger. Leider ließ sich die Infektion auch nur mehr schwer rückverfolgen, wodurch es sich ausbreiten konnte. Mit den steigenden Zahlen stiegen auch meine Sorgen. Für mich waren es definitiv zu viele Ansteckungen in meiner Gemeinde. Mittlerweile sind die Zahlen glücklicherweise wieder gesunken. Heute sind es genau null Fälle. Das taugt mir. So kann es weitergehen.

Auch wenn das Jahr 2020 um ist, die Krise dauert weiterhin an. Welche Probleme gilt es noch zu bewältigen?

Frühwirth: Die finanzielle Lage ist nach wie vor angespannt. Wir müssen aufpassen, dass uns das Budget nicht abhandenkommt. Dementsprechend müssen wir sparsam wirtschaften, aber die notwendigen Projekte trotzdem umsetzen. Es bleibt nur zu hoffen, dass in Zukunft wieder mehr Ertragsanteile kommen.

Welche Projekte sollen im Lauf des Jahres umgesetzt werden?

Frühwirt: Wir haben zwei große Themen, die uns seit dem Vorjahr beschäftigen. Zum einen sind wir mitten in den Arbeiten an einem neuen Feuerwehrhaus. Vor Weihnachten wurde der Rohbau fertiggestellt. 2021 steht jetzt der Innenausbau auf dem Plan. Mit der Fertigstellung rechnen wir dann 2022. Das andere große Thema ist momentan die Wasserversorgung. Da haben wir die letzten Jahren öfters Not gehabt. Deshalb haben wir im Vorjahr auch einen neuen Bohrbrunnen errichtet. Dieser wird 2021 voll ausgebaut, inklusive Enteisung- und Entmanganisierungsanlagen. Das ist eigentlich ein riesen Vorhaben für die aktuelle Situation, aber beim Wasser wollen wir nicht sparen. Das muss gescheit gemacht werden, damit wir wieder versorgungssicher sind.

Stichwort Wassersicherheit: Gibt es Pläne, sich an das Netz zu hängen, das die EVN gerade von Krems nach Zwettl baut?

Frühwirth: Die Möglichkeit ist im Raum und wir haben unser Interesse schon eingebracht. Falls das Wasser in Zukunft im ganzen Land weniger wird, müssen wir neue Lösungen finden. Als wir von dem Projekt erfuhren, haben wir fürs Erste den Fuß in die Tür gestellt, damit wir auch auf der Rechnung sind. Es ist wichtig, die Möglichkeit zu bewahren. Von der tatsächlichen Umsetzung sind wir eh noch weit entfernt. Wir sind hier in Arbesbach nicht gerade nahe am Ort des Geschehens und werden deshalb wahrscheinlich nicht gleich drankommen. Wenn es dann soweit ist, werden wir nochmals die Bürger befragen und die Entscheidung genau abwiegen.

Es gab im Herbst nach starken Regenfällen auch Probleme mit verunreinigtem Wasser. Wie wurden diese gelöst?

Frühwirth: Wir haben die betroffene Quelle noch am selben Tag vom Netz genommen und daraufhin ausgiebig geprobt und durchgespült. Bei der dritten Probe war wieder alles in Ordnung. Seitdem gab es keine Probleme mehr.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Frühwirth: Dass wir möglichst schnell wieder zu Normalität zurückkehren können. Es wird nicht alles gleich wieder funktionieren, aber ich hoffe, dass wir Corona ohne größere Schäden hinter uns bringen können.