Wirbel um Tierhaltung: Amtstierärztin vor Ort

Tierschutzverein wittert Tierquälerei im Bezirk. Betroffener verweist auf gesundheitliche Einschränkungen, Behörde auf bedenkliche Vorgehensweise des Vereins.

Aktualisiert am 24. März 2021 | 07:33

 „Einen solchen Anblick würde man normalerweise in abgelegenen Gegenden Rumäniens oder Bulgariens vermuten. Das tut im Herzen weh“, sagt Tom Putzgruber von der Tierschutzorganisation „RespekTiere“. Er will auf einem kleinen Verschlag in einem Dorf der ASTEG-Region einen Tierhalter ausfindig gemacht haben, der „gegen alle Regeln des Tierschutzgesetzes verstößt.“

So zeigen Fotos, die Putzgruber vergangene Woche gemacht und der NÖN zugespielt hat, einen Misthaufen mit Tierkadavern und eine Plane mit brackigem Wasser für Gänse und Enten. In einem zerschlissenen Wohnwagen eröffne sich „der gesamte Wahnsinn“, heißt es vom Verein: „Denn da, noch dazu nur in einem abgetrennten Teil davon, müssen sich vier kleine Schweine mit einer erbärmlich kleinen Bodenfläche begnügen, auf einer einzigen Masse aus Kot.“

Eine schwangere Schweinedame sei auf einem Quadratmeter eingesperrt, die Schüssel komplett verdreckt. In alten Kästen würden übereinander, in den ehemaligen Fächern der Möbelstücke, Kaninchen nicht artgerecht gehalten werden. „Es ist einfach nicht zu glauben, dass jemand vollwissentlich seine Tiere solchen Umständen aussetzt. Und sich dann auch noch, wie wir erfahren haben, als ‚Tierfreund‘ fühlt, als jemand, der die Tiere liebt“, heißt es von Putzgruber, der bereits eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft und der Polizei eingebracht hat.

Besitzer bestreitet Vorwürfe des Vereins

Von der NÖN mit den Vorwürfen konfrontiert, bestreitet der betroffene Bewohner, dass Tiere bei ihm leiden würden: „Bei mir ist es sehr sauber.“ Er gibt zu, dass er in den vergangenen Tagen aufgrund einer Gipshand gesundheitlich eingeschränkt war und deshalb nicht täglich ausmisten konnte. „Die Tiere bekommen aber täglich ihr Futter.“ Vielmehr schießt der Bewohner gegen den Verein: „Die haben nichts auf meinem Hof verloren gehabt.“

Auch Bezirkshauptmann Michael Widermann kritisiert das Vorgehen: So hätten sich die Vereinsmitglieder als interessierte Besucher ausgegeben, die Hasen ersteigern wollten. „Stattdessen haben sie alles fotografiert und gleich angezeigt. So eine Vorgangsweise halte ich für bedenklich.“

Die Amtstierärztin hat das Areal bereits kontrolliert und mehrere Missstände festgestellt. „Wir haben einige Verbesserungs-Aufträge erteilt. In den kommenden Tagen werden wir dort noch einmal vorbeischauen und kontrollieren, ob diese Maßnahmen umgesetzt wurden.“ Andernfalls drohe dem Mann ein Strafverfahren.

Aus der Gemeinde heißt es, dass der Waldviertler schon mehrfach in diesem Zusammenhang aufgefallen sei. Zuletzt gab es Ende 2020 eine baubehördliche Überprüfung, weil angeblich Mist nicht ordnungsgemäß entsorgt worden war. „Das hat dann aber alles gepasst, seitdem gab es keine Probleme mehr“, beteuert der Tierbesitzer.

Update 24. März: Mittlerweile hat die NÖN aus der Bezirkshauptmannschaft erfahren, dass eine aktuelle Überprüfung der Amtstierärztin in dieser Woche positiv verlaufen ist.