Arzt aus Groß Gerungs: Wochenlang nur Konserven. Herwig Mayerhofer sprach mit der NÖN über die Zeit nach der Nuklearkatastrophe.

Von Angelika Koll. Erstellt am 28. April 2021 (03:12)
Der langjährige Arzt in Groß Gerungs, Herwig Mayerhofer.
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Herwig Mayerhofer, langjähriger Hausarzt in Groß Gerungs, war zur Zeit des Atomreaktorunfalls in Tschernobyl am Zwettler Krankenhaus beschäftigt. „Ich hatte Bereitschaftsdienst“, erinnert er sich. Um 11 Uhr habe er einen Anruf von seinem Vater erhalten, der damals beim Bundesheer tätig war, dass es eine erhöhte Strahlenbelastung gäbe. Zudem seien Vater und Schwiegervater zuhause bei seiner Frau aufgetaucht, die zu der Zeit hochschwanger war, mit Haltbarmilch in der Hand.

Bezüglich der Situation im Klinikum erwähnt Mayerhofer: „Ich habe mich mit den Kollegen beratschlagt, ob wir nun Kaliumjodid-Tabletten ausgeben sollten.“ Damals sei das Wissen darum noch nicht so groß gewesen, etwa für welches Alter die Kaliumjodid-Tabletten sinnvoll sind. Mayerhofer erinnert sich zudem, dass in der ersten Phase nach dem Vorfall kaum Leute mit Anliegen oder Sorgen zu ihm gekommen seien. „Die Leute haben das Meiste gar nicht sofort erfahren“, meint der Arzt. Offizielle Informationen gab es nur sehr spärlich, beziehungsweise erst später.

Privat habe man aber doch nötige Konsequenzen gezogen. Wie Herwig Mayerhofer erzählt, blieb seine Frau erst einmal im Haus. Zudem wurden wochenlang nur Konserven gegessen. „Die ersten Jahre danach waren wir nicht Pilze sammeln“, sagt Mayerhofer.

Gesundheitliche Auswirkungen meint er in vermehrten Schilddrüsenmissfunktionen und Autoimmunerkrankungen bei Kindern aus der Generation zu erkennen. Wobei derartige Krankheiten womöglich zuvor auch weniger untersucht wurden. Mayerhofer ergänzt: „Ich habe schon das Gefühl gehabt, dass vermehrt Schilddrüsenkrebs aufgetreten ist. Offiziell wird man das aber nicht nachweisen können.“