Über den Dächern der Zwettler Innenstadt. Manuel Steininger (30) ist Kranführer bei Leyrer + Graf. Er nahm die NÖN mit auf 40 Meter Höhe und plauderte über Besonderheiten seiner Arbeit.

Von Markus Füxl. Erstellt am 29. Juli 2020 (05:31)

Langsam geht es nach oben, bis auf über 40 Metern Höhe. Immer kleiner werden die Autos, die Fußgänger und die Häuser. Zwettls Wahrzeichen, der Hundertwasserbrunnen, die Pestsäule – alles sieht so klein und unwirklich aus, fast wie Spielzeug. Zurück am Boden fragt Manuel Steininger grinsend: „Und, wie war‘s?“

Tonnenschwere Zentimeterarbeit

Der 30-Jährige aus Spital, Bezirk Gmünd, ist Polier und Kranführer bei Leyrer + Graf. Aktuell ist er auf der Baustelle bei „Mode Boden“ beschäftigt und gewährte der NÖN einen exklusiven „Rundflug“ über die Innenstadt. Er selbst bleibt bei seiner Arbeit am Boden: Der Kran ist ein sogenannter „Untendreher“ und wird mit einer Fernsteuerung gesteuert. Was die Faszination an seinem Beruf ausmacht? „Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man zum Teil sieben Tonnen schwere Elemente bewegt und dann auf Zentimeter genau absetzt.“, sagt Steininger. Ein typischer Arbeitstag dauert neun Stunden. Zeit zum Entspannen bleibt wenig: „Du trägst Verantwortung ab der Minute, in der sich der Kran anfängt zu drehen. Ein Fehltritt kann verheerende Folgen haben,“ erklärt der 30-Jährige.

Lenken per Fernsteuerung

Der Kran in Zwettl ist ein sogenannter „Untendreher“. Sechs Turmstücke reichen 40 Meter in die Höhe. Damit kann er auch über das Rathaus gedreht werden. Der obere Teil reicht 22 Meter nach vorne. Eine Kabine für den Kranführer gibt es nicht, dieser lenkt ihn mit einer Fernsteuerung vom Boden aus. Ein Kollege steht dabei neben ihm und hilft mit Anweisungen.

Arbeiten im Team

Anders sieht die Arbeit aus, wenn Steininger in einer Krankabine sitzt - diese ist aus Glas, damit er immer freie Sicht auf die Baustelle hat. „Ich habe immer einen Einweiser, der mit mir vom Boden aus über Handzeichen oder per Funk kommuniziert. Man sucht sich jemanden aus, dem man blind vertrauen kann“, sagt Steininger. Solche Kräne kommen meist bei Neubauten zum Einsatz, bei denen Geschoß für Geschoß nach oben gearbeitet wird, erklärt der Kranführer.

„Der Überblick von oben auf das Bauwerk ist schon etwas Besonderes – eine andere Perspektive, die sonst kaum einer in dieser Form hat“ , sagt Steininger.

Um in die Kabine zu kommen, muss er klettern. Die Verpflegung für den Tag hat er in einem Rucksack mit dabei. „Bei kleineren Kränen klettert man zur Mittagspause aber wieder runter“, sagt der 30-Jährige. Bei größeren Versionen in 100 Meter Höhe bleiben die Kranführer den ganzen Tag in der Kabine. Meist ist der 30-Jährige auf Baustellen im Waldviertel im Einsatz, doch auch immer wieder mal in Wien.

Zeit, den Ausblick zu genießen, bleibt trotz der anspruchsvollen Arbeit auch ab und zu: „In Wien haben wir bei einer großen Baustelle den Kran einmal in der Nacht aufgestellt. Wenn man dann über die beleuchtete Stadt schaut, dann ist das schon eine beeindruckende Kulisse“, sagt der 30-jährige Kranführer.

Kran steht in drei Stunden

Wie kommen Kräne eigentlich in die Innenstädte? Beim Modell in Zwettl handelt es sich um einen „Schnellbaukran“, das bedeutet: „Er stellt sich in kurzer Zeit fast selbstständig auf. Man fährt mit einem Sattelzug rein und klappt die Füße aus. In zwei bis drei Stunden steht der Kran.“