Die im Bezirk Zwettl über Schnee fliegen. Der Süden des Bezirks ist Anziehungspunkt für Snowkiter – einer von ihnen erklärt warum.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 27. Februar 2021 (05:11)
Vom Wind lässt sich Thomas Starkl seit vielen Jahren im Winter über die verschneiten Waldviertler Wiesen ziehen.
privat

Der Anblick ist spektakulär. Von Weitem sieht man die Gleitschirme in der Luft. Erst beim Näherkommen merkt man dann, dass da am anderen Ende der Leine Skifahrer angehängt sind, die sich vom Wind über die schneebedeckten Wiesen ziehen lassen. Das Schauspiel nennt sich Snowkite und das südliche Waldviertel hat sich seit Jahren zu einem kleinen Mekka dieser spektakulären Sportart entwickelt.

Über Neusiedlersee und Gföhl nach Ottenschlag 

Kitesurfer vom Neusiedlersee brachten diesen Trend vor einigen Jahren ins Waldviertel. Wenn sie im Winter nicht am Wasser kiten konnten, verlegten sie ihr Hobby auf Schnee. Und dafür fanden sie in Ottenschlag und Umgebung die idealen Bedingungen vor. Große Flächen und Wind. Der Flugplatz in Ottenschlag entwickelte sich nach Gföhl zur ersten Snowkite-Anlaufstelle im Waldviertel. „Es sind jetzt keine großen Massen da, meist nur drei oder vier Leute. Aber wenn das Wetter passt, dann regelmäßig“, erzählt Flugplatz-Betreiber Ewald Smutny.

„Du nutzt beim Snowkiten die Elemente richtig aus. Das ist sehr faszinierend.“ Thomas Starkl

Der Großteil der Snowkiter kommt nicht aus dem Waldviertel, nutzt nur die guten Bedingungen hier, über die Jahre entwickelte sich aber auch hier eine kleine Szene. „Früher dürfte es in Ottenschlag auch Bewerbe gegeben haben, heute sind aber alles Freerider“, erzählt Thomas Starkl. „Im Zwettler Bezirk gibt es ein paar Snowkiter, auch im Weinviertel. Der Rest ist aber von weiter weg.“

Faszination hat Thomas Starkl gepackt

Starkl ist aktiver Snowkiter. Wie bei praktisch allen gab auch bei ihm der Neusiedlersee den Anstoß. „Ich wollte 2005 dort einen Kurs machen. Der kam dann zwar nicht im vollen Umfang zustande, aber ich konnte ein paar Stunden am Land einen Übungskite ausprobieren. Das hat mich nicht mehr losgelassen“, erzählt er. „Übers Internet habe ich mir einen 7m 2 großen Lenkdrachen besorgt und bin im Herbst und Winter auf die Wiese gegangen.“ Das klappte gut, Starkl schien ein gutes Gefühl dafür zu haben. „Ich habe mir dann einen 15m 2 großen Drachen gekauft, das hat mit den Skiern aber nicht gut funktioniert, war sehr instabil. Da habe ich die Lust verloren.“

Vom Wind lässt sich Thomas Starkl seit vielen Jahren im Winter über die verschneiten Waldviertler Wiesen ziehen.
privat

Über Ottenschlag fand er vor vier Jahren aber wieder zurück zum Snowkiten. „Ich habe gesehen, dass dort wieder mehr los ist, da hat mich auch die Lust wieder gepackt“, schildert Starkl. Er rückte damit auch wieder ein bisschen näher seiner Heimat. Starkl wuchs zwar in Etsdorf (Bezirk Krems) auf und lebt bis heute dort, seine Wurzeln liegen aber in Grafenschlag. „Ich bin schon als Kind oft dort gewesen, das hat sich bis heute nicht geändert“, erzählt er. „Ich habe einen großen Bezug dorthin, kenne die Gegend und habe mir auch gleich gedacht, dass das Gelände gut zum Snowkiten geeignet ist.“

Spiel mit den Elementen

In Skifahrer-Montur via Lenkstange und Trapez mit einem Lenkdrachen verbunden über die Wiesen zu hirschen, übt auf Starkl eine besondere Faszination aus. „Du nutzt bei diesem Sport die Elemente richtig aus, das ist sehr faszinierend“, beschreibt er. „Wenn dich der Wind durch den Schnee zieht, du bei guten Verhältnissen vielleicht auch etwas abhebst, das ist ein tolles Gefühl. Wenn du Gas gibst, dich mit hohem Tempo ziehen lässt, ist auch der Adrenalinkick sehr hoch.“

Thomas Starkl ist generell sehr sportbegeistert, spielte früher Fußball, holte Staats- und Landesmeistertitel in der Leichtathletik. „Jetzt bin ich viel mit dem Mountainbike unterwegs, fahre Ski, spiele Tennis“, erzählt er. Und eben Snowkite. Übrigens: Auf dem Wasser war er mit seinem Lenkdrachen bis heute nicht unterwegs. „Ein sehr ungewöhnlicher Zugang, ich weiß“, schmunzelt Starkl. „Aber mir macht es Riesenspaß.“