Frauenberatung Waldviertel: Wenn Frauen unter Männern leiden

Die Frauenberatung Waldviertel erarbeitete mit Schülerinnen aus dem Bezirk Kunstwerke zum Thema „Gewalt gegen Frauen.“

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 05:12
Lesezeit: 2 Min
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Jede fünfte Frau ist laut Studien körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Kunstwerke von Schülern aus dem Bezirk sollen auf dieses Problem hinweisen. Im Bild: Anna Haneder von der Frauenberatung Waldviertel.
Foto: Markus Füxl

Bereits 28 Frauen wurden heuer in Österreich von Männern ermordet. Mit der Aktion „(F)empower 2.0“ will die Frauenberatung Waldviertel auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.

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"16 Tage gegen Gewalt"

Im Rahmen der Gewaltprävention und der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ veranstaltete das Team Workshops in vier Schulen im Bezirk Zwettl. Dabei entstanden auch Kunstwerke, die coronabedingt in einer Online-Ausstellung zu sehen sein sollen. „Es ist wichtig, dass die Schülerinnen ein Gesicht zur Beratungsstelle haben“, erklärt Anna Haneder. Sie absolvierte mit den Schülerinnen Übungen, wie etwa bewusstes Nein-Sagen. Gerade durch das Internet sei Mobbing in der Schule immer wieder ein Thema. Haneder rät, keine Namen, Wohnadressen oder Bilder von sich in den sozialen Netzwerken zu posten. „Wenn erst einmal Bilder kursieren, sind sie nur sehr schwer wieder zu löschen“, weiß sie.

Gerade junge Mädchen werden von ihrem Umfeld mehr auf ihren Körper reduziert als Männer. „Frauenmorde sind nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Haneder, und: „Gewalt gegen Frauen passiert in allen gesellschaftlichen Schichten und ist auch kein ausschließliches Migrationsproblem.“ Damit es gar nicht so weit kommt, bietet die Frauenberatung Unterstützung für Frauen „in all ihren Lebensbereichen“, erklärt Haneder. Sie selbst ist Mitglied im psychosozialen Team und berät unter anderem zu den Themen Gewalt, Wohnungslosigkeit, Kindererziehung, Schwangerschaft und Trennung. „Wir arbeiten anonym, brauchen auch keine Namen oder Adressen. Wir drängen Betroffene von Gewalt nicht in eine Richtung“, erklärt die Expertin das niederschwellige Angebot.

Warnzeichen rechtzeitig erkennen

Oft gibt es Anzeichen, dass eine Beziehung nicht gesund verläuft. Diese Warnzeichen werden auch in der virtuellen Ausstellung präsentiert: „Das kann sein, wenn der Mann der Frau vorschreibt, was sie anziehen soll, mit wem sie sich treffen darf, oder wenn er ihr verbietet, eigenes Geld zu verdienen“, erklärt Haneder.

15.091 Stunden Einzelberatung verzeichnete die Frauenberatung Waldviertel 2020. Die Fälle häuslicher Gewalt sind während der Lockdowns gestiegen: „Zu viel Nähe kann zu Konflikten führen. Das ist oft verzögert, die Frauen meldeten sich teils ein Dreivierteljahr nach dem ersten Lockdown bei uns.“

Ein weiteres Problem: Im Waldviertel gibt es kein einziges Frauenhaus. Eine Frauenwohnung für vier Frauen in Gmünd ist derzeit voll. „Das ist verheerend und seitens der Politik unverantwortlich“, sagt Haneder.