80-Jähriger vertrieb Einbrecher: „Achtung, ich schieße“. Der 80-jährige Josef Habegger aus Bad Traunstein vertrieb zwei Einbrecher.

Von Markus Füxl. Erstellt am 13. Juni 2019 (06:00)
NÖN
Josef Habegger zeigt der NÖN die bereits reparierte Eingangstür zum Geschäft. Den Holzknüppel ließen die Einbrecher zurück, vermutlich als Waffe oder zum Aufschlagen von Glasscheiben.

Eine aufregende Nacht hat Josef Habegger hinter sich. Er vertrieb zwei Einbrecher, die ins Lebensmittelgeschäft unter seiner Wohnung eingestiegen waren.

Der 80-Jährige legte sich wie gewohnt mit seiner Gattin Gertrude im Obergeschoss über der Nah und Frisch-Filiale in Bad Traunstein schlafen. Gegen 3.45 Uhr wachten beide auf und hörten merkwürdige Geräusche: „Zuerst dachte ich, der Zeitungslieferant ist da. Als ich draußen kein Auto sah, kam mir das komisch vor“, schildert Josef Habegger gegenüber der NÖN. Auch dass der Lärm nicht aufhörte, machte das Ehepaar stutzig. Ehefrau Gertrude fragte sich: „Der haut fünf Mal Zeitungen rein? Das kann nicht sein.“

„Ich habe geglaubt, dass der Pächter vielleicht ausmalt“,Josef Habegger dachte bis zuletzt nicht daran, dass Einbrecher am Werk sind.

Auch als die beiden aus dem Geschäftsraum noch weitere Geräusche hörten, ahnten sie noch nichts von den Einbrechern: „Ich habe geglaubt, dass der Pächter vielleicht ausmalt“, sagt Josef Habegger rückblickend etwas verschmitzt.

Es war dann doch nicht der Pächter. Zwei unbekannte hatten zuerst die Geschäftstür aufgebrochen, im Geschäft dann noch zwei weitere versperrte Innentüren. Die Männer verwüsteten die Räume und verschütteten Benzin, vermutlich um die Spuren zu verwischen.

Dabei dürften sie nicht leise genug für Josef Habegger gewesen sein. Der 80-Jährige ging leise nach unten und schlich sich durch die Hintertür in die Büroräume.

Fahndung verlief ergebnislos

Plötzlich standen sich Josef Habegger und einer der Männer mit einer Sturmhaube gegenüber. „Ich habe nur die Augen blitzen gesehen“, sagt Habegger. Der Einbrecher drehte sich plötzlich um und lief weg. „Ich hab mir nur gedacht: Was mach‘ ich jetzt?“ Erst kurz darauf realisierte Habegger, dass ein zweiter Einbrecher im Raum war. Er zögerte nicht lange, lief ihnen nach und schrie: „Ich schieß‘, ich schieß‘!“

Eine Waffe hatte er aber nicht einstecken. „Bis ich die Waffe finde, nachschaue und dann die Polizei rufe, sind die fertig mit ihrem Einbruch“, meint er im Gespräch. Das Einbrecherduo dürfte über den Friedhof geflüchtet sein. Eine Fahndung der Polizeistreifen des Bezirkes Zwettl sowie einer Diensthundestreife der Diensthundeinspektion Echsenbach verlief ergebnislos.

Wie der 80-jährige Habegger die Nacht zusammenfassen würde? „Es war jedenfalls spannender, als Waldbäume auszumähen“, sagt er lachend.