Arbesbachs „Benefiz-Willi“ geht nach 17 Jahren. „Benefiz-Willi“ Stöcklhuber legt beim Benefizverein Waldhausen alle Funktionen zurück. Im NÖN-Interview mit Markus Füxl schildert er Gründe und bisherige Höhepunkte.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 21. Oktober 2020 (05:18)
Willibald Stöcklhuber nimmt nach 17 Jahren als Organisator beim Benefizverein Waldhausen den Hut. Mit der NÖN blickt er auf Höhepunkte und Herausforderungen zurück.
Markus Füxl

Warum wurde der Benefizverein vor 17 Jahren gegründet?

Willibald Stöcklhuber: Die Idee dazu hatte ich 2002. Das Jahr davor habe ich die „Zellberg Buam“ gesehen und mir gedacht, dass es super wäre, wenn wir die für eine Benefizveranstaltung zu uns holen könnten. Ich war aber zu feig zum Anrufen. Nach ein paar Stamperl hatte ich den Mut (lacht). Sie waren gleich dafür und wir haben uns einen Termin im März ausgemacht. Ich habe dann die Sporthalle Waldhausen als Veranstaltungsort bekommen. Es kamen dann 700 Leute, insgesamt kamen 7.222 Euro zusammen.

Wie ging es weiter?

Das folgende Jahr haben wir wieder eine Gala veranstaltet. 2007 haben wir schließlich den Benefizverein gegründet. Mittlerweile sind in den 17 Jahren 400.000 Euro Reingewinn zusammengekommen. Wir hatten schon Top-Musiker bei uns, darunter etwa die Stoakogler, Jonny Hill und Monika Martin - große Kapazunder!

„Das Geld bleibt in der Region Zwettl. Wo Not am Mann ist, haben wir Heizkosten oder die Miete übernommen.“

Was passiert mit dem Geld?

Damit unterstützen wir Familien mit Schicksalsschlägen und Kinder mit Krankheiten. Das Geld bleibt in der Region Zwettl. Wo Not am Mann ist, haben wir Heizkosten oder die Miete übernommen.

Wie entscheidet ihr, wen ihr unterstützt?

Durch meinen Beruf in der Bauernkammer kenne ich den Bezirk, von Allentsteig bis Ottenschlag. Ich habe auch einen guten Kontakt mit den Gemeinden. Da spricht man sich zusammen, ich prüfe das auch immer mit den Ortsvorstehern und treffe die Leute persönlich. Wir geben auch nie direkt Geld, weil ich da einmal eingefahren bin...

Was ist passiert?

Wir haben 1.000 Euro für eine Frau mit Brustkrebs gesammelt. Ihr Mann hat sich dann dafür aber ein Handy gekauft. Deshalb haben wir auch oft Sparbücher für Kinder mit einem Losungswort, die unser Anwalt bis zu deren 18. Lebensjahr verwaltet. Brauchen sie das Geld früher, müssen sie unseren Obmann oder mich kontaktieren.

Woher kommt das Geld für die Spenden?

Der Großteil kommt von den Benefizveranstaltungen. Wir haben heuer aber fast 22.000 Euro nur an Spenden lukriert. Die Spender bekommen von uns auch eine Information, was mit ihrem Geld passiert, inklusive Foto der Menschen, denen wir helfen. Wir halten auch etwas Geld zurück, um im Notfall rasch helfen zu können.

„Ich mache die Arbeit im Verein von Herzen, muss aber zurückstecken, weil ich es sonst nicht mehr dapack.“

Ende des Jahres legen Sie alle Tätigkeiten beim Verein zurück. Warum?

Ich war im September im Krankenhaus. Dort wurde mir von den Ärzten nahegelegt, dass ich Stress abbaue. Ich mache die Arbeit im Verein von Herzen, muss aber zurückstecken, weil ich es sonst nicht mehr dapack.

Gibt es bereits einen Nachfolger?

Nein, den gibt es noch nicht. Wir haben im Team sehr gute Leute, aber es traut sich noch niemand, in die Schuhe reinzusteigen. Unser Obmann Klaus Neumüller ist ein toller Mensch und sehr engagiert.

Mit welchen Gefühlen verabschieden Sie sich?

Es ist sehr schwer, aber es muss sein. Vor drei Jahren habe ich schon einmal gesagt, dass ich gehe. Das war dann aber ein Rücktritt vom Rücktritt, darunter leidet natürlich die Glaubwürdigkeit. Diesmal muss ich aber auf mich und meine Gesundheit schauen.

Woher kam die Motivation, das 17 Jahre lang durchzuziehen?

Die kommt aus dem Erfolg, der Anerkennung der Leute und dem guten Namen, den wir mittlerweile aufgebaut haben. Da kommt immer schon ein großes Echo zurück.

Was waren Höhepunkte aus den 17 Jahren?

Höhepunkte sind etwa, wenn wir in Waldhausen ein volles Haus mit 1.000 Leuten haben, oder auch Kinder in den Verein hineinwachsen und führende Funktionen übernehmen werden, darunter unsere Katrin, Elisa und Thomas sowie die Bichl und Hofstätter Kinder. Auch die Monika Martin war ein Höhepunkt, ein gewaltiger Mensch. Sie hat beim ersten Mal bei uns alle im Team abgebusselt. Wir haben auch gemeinsam Frau Moser aus Kleingöttfritz besucht, die ein großer Monika Martin-Fan ist.

Wie verlief das Treffen?

Frau Moser hängt leider an der Sauerstoffflasche und konnte nicht zur Gala. Nach dem Soundcheck bin ich mit Monika Martin zu ihr gefahren und wir haben sie überrascht. Die Frau Moser hat dann drei Tage hintereinander keinen Sauerstoff gebraucht, so motiviert war sie. Ich hab bei dem Besuch rausgehen müssen, weil mir die Tränen gekommen sind. Das war gigantisch, ein Wahnsinn!

Wie hat Corona eure Arbeit im Verein beeinträchtigt?

Wir machen vorläufig eine Benefizpause. Wir waren am 25. September bei Landeshauptfrau Mikl-Leitner eingeladen, das haben wir auf nächstes Jahr verschoben. Die Benefizgala haben wir zuerst auf März 2021 verschoben, vor kurzem mussten wir sie ganz absagen. Da bin ich daheim gesessen und habe geweint. An dem Tag haben mich von 7.30 bis 0.30 Uhr knapp 90 Leute angerufen. Viele Leute behalten ihre Karten und spenden den Kaufpreis so an uns.

Wie geht es jetzt weiter für euch?

2021 wollen wir unseren Ausflug zur Landeshauptfrau absolvieren. Dann schauen wir, wie sich die Covid-Sache entwickelt. Bis dahin machen wir eine Benefizpause. Hoffentlich kann der Waldviertler Advent in Bad Traunstein zumindest 2021 stattfinden. Mir wäre sonst leid darum.