Wie sicher sind Zwettls Brücken?. Über 4.500 Brücken gibt es in ganz Niederösterreich. Die älteste von ihnen steht im Bezirk Zwettl.

Von Markus Füxl. Erstellt am 23. August 2018 (05:00)
M. Füxl
Manfred Schwertberger von der Brückenmeisterei Zwettl klopft die Steinbrücke in Stift Zwettl auf Hohlräume ab.

Nach dem verheerenden Brückeneinsturz im italienischen Genua, bei dem mindestens 43 Menschen ums Leben kamen, wird auch im Bezirk Zwettl die Frage laut: Wie sicher sind unsere Brücken?

Josef Prinz ist Leiter der Brückenmeisterei in Zwettl. Er ist in den Bezirken Zwettl, Gmünd, Waidhofen/Thaya, Horn und Krems Land tätig. Das Gebiet ist größer als das gesamte Bundesland Vorarlberg.

"Salzstreuung, häufiger Frosttauwechsel und der zunehmende Schwerverkehr sind eine Belastung für die Brücken."Leiter der Brückenmeisterei Zwettl, Josef Prinz

Von den rund 4.500 Brücken in ganz Niederösterreich stehen 246 im Bezirk Zwettl. Prinz und sein Team betreuen davon 141, für die restlichen ist die Brückenmeisterei Krems zuständig.

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Brückenmeisterei-Leiter in Zwettl, Josef Prinz (l.) und Manfred Schwertberger kontrollieren regelmäßig alle Brücken im Bezirk Zwettl. Dazu zählt auch die älteste Brücke in ganz Niederösterreich: Die Steinbrücke in Stift Zwettl.

„Unser Sicherheitssystem ist auf drei Beinen aufgebaut“, erklärt Prinz im Gespräch mit der NÖN. Bei täglichen Kontrollfahrten werden die Brücken auf augenscheinliche Mängel geprüft. Alle zwei Jahre erfolgt eine Brückenkontrolle. Eine Hauptüberprüfung erfolgt im Schnitt alle sechs Jahre.

Erste Hinweise für Schäden erhalten die Experten durch das Abklopfen der Brücken mit einem Hammer. Dabei können Hohlstellen festgestellt werden.

Am stärksten setze die Witterung den Brücken zu, so Prinz. „Die Salzstreuung im Winter ist für den Beton ein großes Gefahrenpotenzial.“ Dazu kommt der häufige Frost-Tau-Wechsel im Waldviertel sowie der zunehmende Schwerverkehr und die Luftverschmutzung. Gelangen die Salze schließlich in die Brücke, können sie die Betonüberdeckung angreifen.

Um den Zustand der Brücken festzuhalten, werden sie anhand von Schulnoten bewertet. Sieben Brücken im Bezirk Zwettl kommen mit einem „Genügend“ durch, ein „Nicht genügend“ gibt es nicht.

Bei den „Genügend“ handelt es sich meistens um Abdichtungsschäden. „Wenn Salzwasser in die Hauptkonstruktion eindringen würde, gäbe es über längere Zeitdauer massive Schäden“, erklärt Brückenmeisterei-Leiter Prinz.

„Guter Ausbauzustand im Bezirk Zwettl“

Ähnlich wie in der Schule heißt es bei den „Genügend“: „Man sollte es nicht mehr lange schleifen lassen“, so Prinz.

Typisch für einen „Vierer“ sind etwa Unfallschäden bei einem Geländer. Die Brücke wird dann in ein mittelfristiges Bauprogramm aufgenommen. Dabei wird entschieden, ob sie saniert oder komplett neu gebaut wird. Ein „Fleck“ bedeutet einen schweren Mangel an einem Bauteil. Dann wird die Brücke sofort gesperrt und es werden unmittelbar weitere Maßnahmen gesetzt.

14 Brücken bestanden die Überprüfung mit einem „Sehr Gut“, 139 mit einem „Gut“, 73 mit einem „Befriedigend“. „Alles in allem sind wir in einem guten Ausbauzustand“, zieht Josef Prinz sein Fazit.

Älteste Brücke ist 764 Jahre alt

Die Lebenserwartung einer Brücke beträgt im Normalfall 80 bis 100 Jahre. Um das zu erreichen, wird eine Brücke meist alle 25 bis 30 Jahre saniert.

Die älteste befahrene Brücke in Niederösterreich ist die Kampbrücke in Stift Zwettl. Sie wurde 1254 gebaut. Eine Tafel am Ende der Brücke gibt Auskunft über ihre Geschichte. So wurde die Kampbrücke erstmals im 15. Jahrhundert umgebaut. Zuletzt fand eine Instandsetzung 1997 statt.

"Mit sogenannten „Notbrückengeräten“ können wir schnell eine Ersatzbrücke bauen. Es ist wie modernes Lego."Josef Prinz

Die kürzeste Brücke im Bezirk Zwettl ist lediglich zweieinhalb Meter lang und steht in Bromberg. „Alles unter zwei Meter ist ein ‚Durchlass‘ und wird von der Straßenmeisterei betreut“, erklärt Prinz. Mit 216 Metern ist die Stauseebrücke die längste Brücke im Bezirk und auch die einzige, die bisher eingestürzt ist: Bei ihrem Bau 1965 brach ein Gerüst zwischen dem Widerlager und dem ersten Pfeiler, zehn Arbeiter starben.

 

Fix im Inventar der Zwettler Straßenmeisterei sind sogenannte „Notbrückengeräte“. Dabei handelt es sich um ein Baukastensystem aus einzelnen Fertigteilen, die im Notfall zusammengebaut werden. Sie dienen dann als Ersatzbrücke für zerstörte Brückentragwerke oder als Überbrückungsbauwerk von Straßenschadstellen. „Es ist ein modernes Lego“, sagt Prinz lachend.

Mauro Ujetto/shutterstock
Endstation in Genua: Der Einsturz dieser Autobahnbrücke forderte dort vergangene Woche mindestens 38 Todesopfer

Nicht zuständig ist die Brückenmeisterei Zwettl übrigens für die 21 Brücken der Zwettler Umfahrung. Grund dafür ist das Finanzierungsmodell „PPP“ (Public-Private-Partnership), bei der ein privater Auftragnehmer die Finanzierung, die Planung sowie den Bau und die Erhaltung übernimmt.

„Wir sind aber bei der jährlichen Inspektion dabei, um den Zustand der Brücken festzuhalten“, sagt Prinz.

Nach dem Ende der Vertragsdauer von 28 Jahren gehen die Brücken in den Aufgabenbereich der Zwettler Brückenmeisterei über.