AK-Bilanz 2017: wichtige Anlaufstelle. Vor allem arbeits- und sozialrechtliche Fälle sind im vergangenen Jahr auffällig angestiegen.

Von Brigitte Lassmann-Moser. Erstellt am 28. Februar 2018 (02:32)
Der Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Zwettl, Jürgen Binder (l.), und Kammerrat Engelbert Artner präsentierten die Bilanz der AK Zwettl für das vergangene Jahr.
NOEN, Brigitte Lassmann-Moser

Ziemlich angestiegen sind – vor allem im arbeits- und sozialrechtlichen Bereich – die Forderungen, die die Arbeiterkammer Zwettl für ihre Mitglieder im vergangenen Jahr erstritten hat. Das wurde im Zuge der Präsentation der Bilanz 2017 der Kammer in der Vorwoche bekannt gegeben.

Insgesamt habe die Bezirksstelle Zwettl im Vorjahr mehr als eine Million Euro für Arbeitnehmer der Region erstritten, erklärt Bezirksstellenleiter Jürgen Binder. „Das umfasst sowohl die Steuerrückholaktion als auch den Konsumentenschutz. Den größten Brocken macht naturgemäß unsere Hilfe bei Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen aus“, so Binder.

Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr fast 3.000 Menschen an die AK Zwettl gewandt. „Das zeigt, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle in allen Lebenslagen sind“, meint der Bezirksstellenleiter. Als Beispiel für einen der Fälle, in denen die AK helfen konnte, nannte er jenen einer 32-jährigen Handelsangestellten aus dem Bezirk Zwettl, die während eines Krankenhausaufenthaltes die Kündigung am Krankenbett erhielt.

Erst später bemerkte die Frau, dass ihr Chef sie während ihres Krankenstandes auf eine geringfügige Beschäftigung umgemeldet hatte. „Ab diesem Monat war die Zwettlerin auch nicht mehr pflichtversichert – ohne es zu ahnen“, erklärt Jürgen Bindern. Die Arbeiterkammer intervenierte, mehr als 1.600 wurden erfolgreich eingefordert.

Kündigung im Krankenstand

Dass Dienstverhältnisse im Krankenstand aufgelöst werden, komme im Bezirk Zwettl sehr häufig vor. „Wir sind sicherlich zehn Mal im Monat damit konfrontiert“, erzählt Binder. Er tritt deshalb für die Wiedereinführung des Entgeltfortzahlungsfonds ein, „der hat uns gerade im Waldviertel viel gebracht“.

Binder und auch Kammerrat Engelbert Artner begrüßen die mit Juli in Kraft tretende Änderung des Entgeltfortzahlungs-Gesetzes. Ab dann muss der Arbeitgeber auch bei einer einvernehmlichen Auflösung eines Dienstverhältnisses das Entgelt im Krankheitsfall weiter zahlen. Damit fällt der „freiwillige Zwang“ einer einvernehmlichen Kündigung weg, „weil sie dem Dienstgeber keinen Vorteil bringt“, rechnet Binder mit einer Abnahme dieser Fälle. „Mit dieser Gesetzesänderung wird eine langjährige Forderung von Arbeiterkammer und ÖGB erfüllt“, ergänzt Artner. „Das bringt den Arbeitnehmern eine gewisse Sicherheit!“

Generell lobte Jürgen Binder die gute Zusammenarbeit in seinem Team und die der Kammer mit anderen Ämtern und Behörden, mit der Wirtschaftskammer und den Arbeitgebern. „Wir versuchen ja, das Beste für beide Seiten herauszuholen. Es sollte ein Miteinander sein…!“