AK-Leiter: „Brauchen eine Hochschule“

Jürgen Binder sieht beim Medianeinkommen den Bezirk zwar auf einem guten Weg, fordert aber eine Technische Hochschule und eine bessere Zug-Infrastruktur.

Erstellt am 08. Januar 2022 | 04:58
Lesezeit: 2 Min
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Jürgen Binder analysiert das Einkommen im Bezirk Zwettl.
Foto: NÖN-Archiv

2.314 Euro brutto verdienten die Niederösterreicher im Vorjahr, ergibt die aktuelle Einkommensanalyse der Arbeiterkammer (AK). Der Bezirk Zwettl liegt zwar unter dem NÖ-Durchschnitt, entwickelt sich aber schon seit Längerem positiv, beobachtet AK-Leiter Jürgen Binder.

Denn: „Zwettl war lange Jahre das Schlusslicht beim Medianeinkommen, hat aber zuletzt wirklich massiv aufgeholt“, erklärt er. Binder betont, dass der Zwettl-Wert jenem in Korneuburg sehr nahe ist: „Und das ist sehr gut. Das Argumentieren, warum man letzter ist, ist mir in den letzten sieben, acht Jahren erspart geblieben“, lächelt er, der seit 1996 die Lage in Zwettl beobachtet.

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Foto: NOEN

Allerdings weist er nicht von der Hand: „Uns fehlen die Industriebetriebe wie Eaton, die 1.000 bis 1.200 Beschäftigte haben.“ Weil: „Zwettl ist kleinstrukturierter, und vieles ist auf den Handel runtergebrochen“, führt er aus. „Ich schaue mir das seit 25 Jahren an, und es ist eine Illusion, dass eine große Elektrofirma kommen wird“, führt er ein Beispiel an.

„Nur Holz wird auf Schiene geführt“

„Das hat über Jahre hinweg mit der Infrastruktur zu tun gehabt.“ Die Zwettl-Umfahrung wertet er deswegen sehr positiv, Luft nach oben gebe es trotzdem. Zwettl ist eine Bezirksstadt mit Bahnhof, der allerdings nicht für den Personenverkehr genutzt wird. „Nur das Holz wird nach Waldhausen auf Schienen geführt“, sagt Binder. „Das finde ich schade, dass wir keine Anbindung an die Franz-Josefs-Bahn haben.“

Binder plädiert außerdem dafür, eine Technische Hochschule ins Waldviertel zu bringen. „Ob jetzt nach Zwettl, Gmünd oder Waidhofen: Das würde uns schon helfen.“ Der Bezirk weise sehr viele Handwerker auf, „meines Erachtens die besten Österreichs, aber in diesem technischen Bereich haben wir ein Riesenmanko“.

Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern hat sich zwar um 0,4 Prozentpunkte verbessert, ist aber die fünfthöchste unter den NÖ-Bezirken. Frauen müssten laut Binder noch mehr die Scheu vor Männerberufen verlieren. „Denn die klassischen Männerberufe haben ein höheres Einkommen.“

Binder nennt zum Vergleich eine Zahl aus dem Kollektivvertrag: „Ein qualifizierter Facharbeiter in der Eisen- und Metallverarbeitung verdient 2.733 Euro brutto pro Monat, eine Friseurin im ersten Jahr – im zweiten und dritten Jahr ist nicht viel Unterschied – monatlich 1.583 Euro.“