Alte Kfz-Kennzeichen: „Promis“ rollten mit fünf Ziffern. Nummerntaferl in Schwarz sind mittlerweile seltener Anblick. Niedrige Kombinationen waren heiß begehrt.

Von Markus Füxl. Erstellt am 07. August 2019 (04:43)
Füxl
Seit 33 Jahren fährt Hermann Schön aus Schweiggers „schwarz“: Er hat noch ein altes Kfz-Kennzeichen in schwarzer Farbe.

Bei vielen Autobegeisterten ist Schwarz bis heute die absolute Modefarbe. Dabei geht es aber nicht um den Autolack, sondern um die Farbe des Kennzeichens. Vor 30 Jahren wurden die schwarzen Nummerntafeln abgeschafft, teilweise sind sie aber noch immer im Umlauf. Sie gelten mittlerweile als Rarität.

So sind im Bezirk Zwettl laut Bezirkshauptmannschaft derzeit noch immer 2.139 aufrechte Zulassungen mit den alten, schwarzen Taferln unterwegs (siehe Infobox). Oldtimerfan Martin Fichtinger aus Zwettl hatte lange Zeit ein solches Taferl gehabt. „Solche Nummern auf Oldtimern sind etwas ganz Besonderes. Ein neues EU-Kennzeichen ist hingegen fast ein Stilbruch“, sagt er. Auf seinem VW Käfer mit Baujahr 1957 fuhr er mit seinem Kennzeichen durch das Land, bevor er das Auto ummeldete und das Kennzeichen verlor.

Bezirkshauptmann fuhr mit „N 22.000“

Der Grund: Mit 1. Jänner 1990 wurde die Vergabe der Nummern eingestellt. Bis heute darf man ein schwarzes Kennzeichen aber besitzen. Meldet man das Auto um oder wechselt das Auto den Besitzer, verliert man das Kennzeichen. Auch wenn das Taferl unleserlich wird oder beschädigt ist, wird es auf ein aktuelles ausgetauscht.

Bei der Vergabe der in Zwettl meist sechsstelligen Nummernkombination griff man bei den schwarzen Taferln auf ein ausgeklügeltes System zurück: Der Buchstabe „N“ stand für Niederösterreich. Die ersten Ziffern vor dem Punkt kennzeichneten, in welchem Bezirk das Gefährt zugelassen war. Der Bezirk Zwettl startete mit der Zahl 22 und einem Punkt. Nach diesem wurde von „000“ aufwärts durchnummeriert. Waren die Nummern vergeben, ging es vorne in 30er-Schritten aufwärts, also 22, 52, 82. Waren auch diese Kombinationen vergeben, stellte man eine Ziffer von 1 bis 9 davor.

„Die höchste vergebene Nummer im Bezirk Zwettl war 982.000“, erklärt Fachgebietsleiter für Verkehr und Straßen, Stephan März. Damals gab es noch keine Wunschkennzeichen, deshalb galten vor allem die niedrigen Nummern als exklusiv. Die wohl schönste, weil im Bezirk Zwettl kleinstmögliche Kombination, stand dem Bezirkshauptmann zu: N 22.000. Sein Stellvertreter dürfte das Kennzeichen N 22.001 gefahren sein. Dem Vernehmen nach folgten bei der weiteren Vergabe Bürgermeister und andere prestigewürdige Amtsträger.

„Das war eine Flut an Neuanmeldungen. Es herrschte ein richtiges Gerangel um Kennzeichen mit einer niedrigen Nummern-Kombination.“Stephan März, Fachgebietsleiter Verkehr und Straßen

Mit „N 482.498“ fährt bis heute der 70-jährige Hermann Schön aus Schweiggers seinen Mercedes 190. „Schwarze Kennzeichen sieht man fast keine mehr auf der Straße“, sagt Schön. Wichtiger als das schwarze Kennzeichen sei ihm aber der Zustand seines Oldtimers. Er denkt schmerzlich an einen Unfall zurück. Dabei rutschte sein Sohn Thomas auf einer glatten Straße mit einem Stapler in die linke Seite. „Wir haben die ganze Seite tauschen müssen. Nach langem Suchen haben wir glücklicherweise noch Ersatzteile gefunden“, sagen Hermann und Thomas Schön unisono.

Anders als der Schweigginger rissen sich viele Autofahrer im Bezirk Zwettl um eine möglichst niedrige Zahl, erklärt Stephan März in einer Anekdote: „Früher hatten viele Zugmaschinen im Bezirk Tafeln ab 22.300 aufsteigend. Diese Regelung wurde später verworfen und die Taferln wurden auch an Pkw ausgegeben. Das war für viele etwas Besonderes, es herrschte ein richtiges Gerangel um diese Kennzeichen. Damals gab es im Bezirk eine Lawine an Neuanmeldungen.“

Auf Traktoren und Anhänger sind bis heute immer wieder die schwarzen Tafeln montiert. So auch auf einem Anhänger des Grünbachers Josef Rauch. „Für mich ist das aber nichts Besonderes“, sagt Rauch.