Ambitionierter Neustart: Nawaro heizt ein

Erstellt am 20. Mai 2022 | 04:41
Lesezeit: 3 Min
Nach langem Stillstand läuft das Göpfritzer Holzkraftwerk wieder. Neues Pelletswerk soll im Oktober in Betrieb gehen.
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Einer der größten Ökostromproduzenten Niederösterreichs erhebt sich nach einem etwas längeren Winterschlaf wieder aus den Federn. Die Firma „Nawaro“, bekannt für ihre Holzkraftwerke, stand seit Ende 2020 still. Doch nicht mehr. Mit Anfang Mai sind die Anlagen in Göpfritz und Rastenfeld wieder in Betrieb. Das Werk in Alt-Weitra soll im Oktober folgen, wie jetzt feststeht. Viel wichtiger noch: Das Unternehmen investiert im großen Maßstab.

So werden mit Holzgaskraftwerken in Groß Gerungs und Perg neue Standorte geschaffen. Am Hauptstandort Göpfritz entsteht zudem gerade ein Pelletswerk (die NÖN berichtete). Rund 24 Millionen Euro kosten die Vorhaben an allen drei Standorten zusammengerechnet.

„Am Energiemarkt geht der Trend ganz klar in Richtung Pellets. Der Bedarf ist massiv gestiegen“, erzählt Nawaro-Geschäftsführer Hans-Christian Kirchmeier zur Entscheidung, auch am Pellets-Markt mitmischen zu wollen. „Wir könnten aktuell mehr als das Doppelte unserer Kapazitäten verkaufen“, betont er. Diese liegen bei rund 80.000 Tonnen im Jahr.

Noch ist es natürlich nicht so weit. Das Pelletswerk befindet sich seit Oktober 2021 im Bau. Mit der Fertigstellung ist im Oktober dieses Jahr zu rechnen. Um quasi zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, soll das Werk mit Abwärme aus dem benachbarten Holzkraftwerk betrieben werden. Dafür wurde bereits ein sogenannter Abgaswärmetauscher mit einer thermischen Leistung von 1,2 Megawatt installiert.

Das neue Pelletswerk besteht aus mehreren Komponenten. Die Produktionskette startet in der Rohstoffhalle, wo Rohmaterial, wie Sägespäne und Hackgut, gelagert werden. Die Erzeugung der Pellets findet in den drei großen Silos statt, die vielen wahrscheinlich schon bei der Fahrt auf der nahen Bundesstraße aufgefallen sind. Daneben wird der Neubau auch ein neues Büro mit Schulungsraum und Qualitätskontrolle umfassen. Die Dachflächen sollen weiters mit einer Photovoltaik-Anlage bestückt werden. Das Betriebsareal wird um rund 20.000 Quadratmeter erweitert und umfasst nun etwa 47.000 Quadratmeter.

Mit den groß angelegten Erweiterungen setze das Unternehmen wichtige Impulse für die Region und als Arbeitgeber, wie es Hans-Christian Kirchmeier formuliert. Auch während des Stillstands der Werke wurde kein Personal abgebaut. Aktuell liegt der Mitarbeiterstand über alle Standorte verteilt bei 32. Mit den Erweiterungen werden aber noch weiter Stellen geschaffen. So will man bis Herbst auf rund 40 Mitarbeiter aufstocken. Auch zwischen 400 und 500 indirekte Arbeitsplätze (beispielsweise durch Zulieferer) würde man jetzt wieder sichern können.

Bald wieder Strom für 32.500 Haushalte

Nachdem das vorherige Ökostromgesetz 2020 auslief und die rechtlichen Rahmenbedingungen fehlten, wurde die gesamte Produktion in Göpfritz, Alt-Weitra und Rastenfeld eingestellt. Zuvor waren die Werke von Nawaro 13 Jahre lang in Betrieb und versorgten rund 30.000 Haushalte. Dieselbe Zahl und noch mehr soll mit dem Neustart erreicht werden. Die neuen Holzgaskraftwerke in Groß Gerungs und Perg würden bald Strom für weitere 2.500 Haushalte liefern. Die Wärme wird in regionale Wärmenetze eingespeist. Beide Anlagen sollen wie das Pelletswerk im Herbst in Betrieb gehen.

Große Ambitionen also, die Nawaro hier nach der Pause hegt. Ein boomender Ökostrom- und Pelletsmarkt geben aber Antrieb und bringen das Unternehmen in eine gute Position, um auch in Zukunft einer der „Big Player“ bei den niederösterreichischen Energieproduzenten zu bleiben.

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