Aussiedler vom Truppenübungsplatz: 52 Orte geschleift

Erstellt am 27. Mai 2022 | 04:32
Lesezeit: 3 Min
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Aussiedler vom Truppenübungsplatz Döllersheim: Zwei Personen (vermutlich Mutter und Sohn) vor ihrem neuen Haus in Franzen 13.
Foto: Stadtarchiv Zwettl
7.000 Menschen wurden von 1938 bis 1942 für den TÜPl Döllersheim umgesiedelt. Die Rückkehr war ihnen nicht möglich.
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Der Schmerz des Heimwehs sitzt meist besonders tief, erst recht, wenn die Rückkehr unmöglich ist. Solche Gefühle mussten rund 7.000 Menschen für viele Jahre mit sich tragen. Sie wurden als die Aussiedler vom Truppenübungsplatz Döllersheim bekannt. In den Jahren 1938 bis 1942 sollten 52 Orte dem Erdboden gleich gemacht werden.

Für manche Orte und ihre Einwohner kam die Aussiedlung extrem kurzfristig. Während die Entscheidung zur Errichtung des Truppenübungsplatzes vermutlich schon im Frühjahr 1938 gefallen ist, kam die offizielle Mitteilung am 21. Juni. Bereits am 8. August wurde am Truppenübungsplatz scharf geschossen. Zum 16. August waren die ersten acht Dörfer in der Kernzone geräumt.

Die Agenden der Umsiedlungen übernahm die „Deutsche Ansiedlungsgesellschaft“. Zu Beginn waren die neuen Gründe und Häuser noch annähernd gleichwertig zu den vorigen Besitztümern. Mit Kriegsbeginn mussten sich die Aussiedler allerdings zunehmend mit immer weniger zufriedengeben.

1939 wurde Felsenberg geräumt, 1940 folgte Döllersheim, welches dem neuen Truppenübungsplatz zu Beginn seinen Namen gab. Unter den bis 1942 ausgesiedelten Menschen waren rund 2.000 Landwirte, was natürlich auch große wirtschaftliche Folgen mit sich zog.

Nach dem Krieg erstarkten die Hoffnungen auf eine Rückkehr. Die österreichische Regierung schuf mit den Rückstellungsgesetzen die Grundlage für eine Wiederbesiedelung des Gebietes. Das Vorhaben scheiterte jedoch an den sowjetischen Besatzern, die den Truppenübungsplatz ab 1946 in Beschlag nahmen.

Der letzte Funken Hoffnung auf eine Rückkehr wurde schließlich mit dem Abzug der Besatzer 1955 begraben. Die Möglichkeit einer Wiederbesiedelung bot sich erneut, und zahlreiche ehemalige Bewohner stellten Anträge auf Rückerstattung. Die Republik Österreich ergriff dieses Mal jedoch nicht die Chance. Die Ansichten hatten sich in den zehn Jahren gewandelt, und die Orte waren nach der umfangreichen Demolierung sowieso kaum mehr zu erkennen. Das neu gegründete Bundesheer brauchte zudem Übungsflächen, und die Übernahme des Truppenübungsplatzes bot sich als optimale Lösung an.

Das 3. Staatsvertragsdurchführungsgesetz von 1957 schränkte die Bedingungen, unter denen ehemals enteignete Grundstücke wieder erworben werden konnten, drastisch ein. Die ausgesiedelten Menschen verloren endgültig ihre Ansprüche.

Noch viele Jahre danach war das Heimweh bei vielen ehemaligen Bewohnern des Truppenübungsplatzes tief verankert. Karl Fröschl (†1993), der seine Fleischerei in Döllersheim aufgeben musste, setzte sich lange Jahre für eine Rückkehr ein. Zumindest sein letzter Wunsch, im Familiengrab in Döllersheim bestattet zu werden, wurde ihm erfüllt.

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