Blick zurück: Die große Zeit der Kinos

Erstellt am 25. Juni 2022 | 05:51
Lesezeit: 5 Min
Vor 100 Jahren zogen die Kinos im Bezirk Zwettl ein. Die meisten schlossen in den 1960ern.
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Im 20. Jahrhundert gab es einen Siegeszug eines der größten Unterhaltungsmedien unserer Zeit: des Kinofilms. Auch wenn im Zwettler Bezirk heute nur mehr ein Kino mit Regelbetrieb geöffnet ist, war die Region vor einigen Jahrzehnten noch mit Lichtspielhäusern übersät. Die ersten eröffneten bereits zum großen Kinoboom zu Stummfilmzeiten (Tonfilme gab es ab 1927), wie in Zwettl, Allentsteig, Groß Gerungs, Schwarzenau oder Ottenschlag.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten zudem Kirchberg an der Wild und Göpfritz. Sogar im kleinen Ort Wegscheid am Kamp gab es in den 1950er-Jahren ein kleines Kino im Speisesaal eines Gasthauses, welches zu großen Teilen von Stausee-Arbeitern genutzt wurde.

Welches das erste Kino im Bezirk war, lässt sich allerdings nur schwer feststellen. 1920 eröffnete in der Bezirksstadt ein Kino: Die „Lichtspiele Zwettl des Reichsbildungsamtes“ präsentierten die ersten vollwertigen Filme im Tanzsaal des Hotels Loidl „Zum Goldenen Löwen“ (heute Volksbank-Gebäude). Die Stummfilme wurden wie üblich von Klaviermusik untermalt.

Zu NS-Zeiten fast immer ausverkauft

In Allentsteig soll es laut „Kinematographischem Jahrbuch 1930“ sogar ein Jahr zuvor schon ein Kino gegeben haben. Details zum Betrieb oder Standort sind nicht bekannt. Die große Sternstunde des Allentsteiger Kinos brach sowieso erst später an. 1940 wurde das Lichtspielhaus mit 500 Sitzplätzen eröffnet, welches damals zu den modernsten Kinos Österreichs zählte. Verantwortlich dafür war TÜPl-Aussiedler Franz Wurz. Gerade zu Beginn in NS-Zeiten war das Kino höchst erfolgreich und fast immer ausverkauft. Mit der Besatzungszeit wurde die Lage allerdings wie überall schwieriger.

Der zweite große Boom kam schließlich in den 1950er-Jahren. Die große Zeit des österreichischen Heimatfilms war angebrochen und die Kinos fast schon überrannt. Erst mit dem langsamen Aufkommen der Fernseher in den 1960er-Jahren ebbte die Erfolgswelle wieder ab. Zu einem erheblichen Problem avancierte nun auch die Größe des Kinosaals. Die 500 Sitzplätze waren zwar beachtlich, erzeugten aber auch enorme Heizkosten. Durch sinkende Erträge sah sich die damalige Betreiberin Johanna Hofstätter gezwungen, in zwei Wintermonaten komplett zu schließen.

Ein Erlebnis: Mondlandung live im Kino

Lange ließ sich dieser Zustand nicht mehr aufrechterhalten. 1972 legte Hofstätter die Lichtschauspielkonzession zurück und schloss das Kino. Ein Riesenereignis inmitten der Krise war allerdings zuvor noch die Mondlandung 1969, die live im Kino übertragen wurde. Trotz der Schließung kümmerte sich Hofstätter weiter um das Gebäude und die Gerätschaften.

Zurück meldete sich das Kino in den 1980er Jahren unter neuer Führung von Waltraud und Wilhelmine Jansky. Ab 1992 strukturierten Gerhard Öttl und Wilhelm Lehner das Gebäude mit dem Verein „Avalon“ zum Kulturkino um. Das Kino positionierte sich als Programmkino neu.

Die derzeitigen Besitzer Reinhard Pölzl und David Sporer vom Verein „aL!VE“ erwarben das Haus 2012. Derzeit wird an einem Neustart von „Lichtspiel Allentsteig“ gearbeitet, der noch im Herbst dieses Jahres mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm über die Bühne gehen soll.

Trotz Schwierigkeiten war das Allentsteiger Kino unglaublich langlebig. Die Mitbewerber in der Region verschwanden großteils schon in den 1960er-Jahren von der Bildfläche. So gab es von 1948 bis 1970 auch im kleinen Ort Kirchberg an der Wild ein Kino im Gasthaus Daniel, der Kinobetrieb bereicherte den kleinen Ort damals ungemein.

Das Kino war in allen Altersschichten beliebt und konnte in der Nachkriegszeit eine Flucht aus dem harten Alltag bieten. Auch die Eintrittskarten waren im Vergleich zu anderen Unterhaltungsmöglichkeiten billig. Die günstigsten Karten in Kirchberg kosteten gerade mal 1,20 Schilling. Zu den erfolgreichsten Filmen zählten deutsche UFA-Filme wie „Schweigen im Wald“ oder „Hamlet - Der Rest ist Schweigen“ und Sissi-Filme. Als Kassenschlager etablierten sich zudem amerikanische Produktionen wie „Ben Hur“, „Die letzten Tage von Pompeji“ oder „Die zehn Gebote“.

Machen wir einen Sprung in den Süden. Ottenschlag kann ebenfalls auf eine reichhaltige Kinogeschichte zurückblicken. Federführend war hier viele Jahre die „Kinogesellschaft Ottenschlag“. Das erste „Kinotheater“ wurde 1925 im Gasthaus Schindler etabliert. Mit einer Raumkapazität von nur 100 Personen war das Kino allerdings recht klein. Auch war nur ein Projektor vorhanden, was in den Anfangsjahren alle 15 Minuten einen Wechsel der Filmrolle vonnöten machte. Längere Filmrollen waren technisch noch nicht möglich, weshalb üblicherweise mit mindestens zweit Projektoren abwechselnd gearbeitet wurde.

Kinobetrieb endete nach nur zehn Jahren

Nachdem auch Ottenschlag vom Kinoboom der 1950er erfasst wurde, sah sich die Kinogesellschaft Ottenschlag zur Investition gezwungen. 1955 eröffnete ein neu gebautes Kino an der Kreuzung der Straße Richtung Spitz. Nun gab es zwei Projektoren, auch ein kleines Süßigkeiten-Buffet stand für Kinogänger zur Verfügung. Der neue Saal bot 200 Gästen Platz und hatte zudem fünf Logen. Lange währte das neue Kino allerdings nicht. Auch in Ottenschlag sollten bald schon in jedem Haushalt Fernseher stehen. Rund zehn Jahre nach der Eröffnung sah sich das Kino Ottenschlag auch schon wieder zur Schließung gezwungen und war damit sogar eines der ersten Lichtspielhäuser im Waldviertel, dem so geschah.

Quelle: „Waldviertler Kinogeschichte“ - Friedrich Weber

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