Corona und Handel: „Jetzt geht es ums Überleben“. Weihnachtsgeschäft wegen Lockdown in Gefahr. Anne Blauensteiner appelliert: „Bitte jetzt regional einkaufen.“

Von Markus Füxl. Erstellt am 18. November 2020 (04:53)
„Wir beobachten bewussteres Einkaufen“, sagt Christof Kastner. Anne Blauensteiner hält fest: „ Es gibt viel Verunsicherung.“
Stadtgemeinde Zwettl (Blauensteiner) btw. Kastner

Massiv trifft der zweite Lockdown den Handel. Geschäfte sind zu, die Einnahmen sinken auf Null. Mieten, Gehälter und das Weihnachtsgeld für die Mitarbeiter müssen bezahlt werden. Wie wirken sich die Verschärfungen im Bezirk Zwettl aus?

Anne Blauensteiner: „Gibt viel Verunsicherung.“
Stadtgemeinde

Die NÖN erreichte Wirtschaftskammer-Obfrau Anne Blauensteiner am Montag, einen Tag vor dem Lockdown: „Es ist heute sehr hektisch, es gibt viele Anrufe und Verunsicherung“, erklärt sie.

Vor allem Fragen darüber, was in den unterschiedlichen Betrieben möglich ist und was nicht tauchen verstärkt auf: „Auch wenn zum Beispiel die körpernahen Dienstleister schließen, sind zum Beispiel mobile Friseure erlaubt.“

„Es ist sehr hektisch. Es gibt viele Anrufe und Verunsicherung.“ WK-Obfrau Anne Blauensteiner über den Tag vor dem Lockdown

Welche Auswirkungen der Lockdown im Bezirk haben wird? „Es wird den Handel sehr schwer treffen“, sagt Blauensteiner und: „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn im Handel nicht nur Auslieferung möglich ist, sondern auch Abholung der Waren, wie das etwa in der Gastronomie der Fall ist. Das würde vieles erleichtern.“

Beim ersten Lockdown beobachtete die WK-Obfrau Solidarität durch den Bezirk – ein Effekt, den sie sich auch jetzt erhofft: „Mein Appell an die Konsumenten ist jetzt, online nicht bei großen Konzernen zu kaufen, sondern auf regionalen Plattformen.“ Wenn möglich sollen die Zwettler mit ihren Weihnachtseinkäufen warten, bis der aktuelle Lockdown aufgehoben wird.

Martin Fichtinger, Obmann des Zwettler Wirtschafts- und Tourismusmarketing, sagt zum Lockdown: „Das Weihnachtsgeschäft ist gefährdet. Für den Handel ist die Situation tragisch, für die Wirtschaft ein Jammer.“

Blaues Auge oder ein harter Kampf?

Er hofft, dass die Maßnahmen wie verkündet ab 6. Dezember wieder gelockert werden: „Dann würden wir mit einem blauen Auge davon kommen“, sagt Fichtinger. Ob das aber eintritt, wagt er nicht zu prognostizieren: „Ich weiß nicht, ob wir bis in drei Wochen die Zahlen der Infektionen so weit drücken können, wie nötig.“

Vor 30 Jahren startete das Weihnachtsgeschäft in Zwettl noch mit einem Ausstellen der Waren in der letzten Novemberwoche. „So richtig beginnt das Geschäft aktuell mit dem ersten Adventwochenende“, sagt Fichtinger.

Auch wenn die Lage nicht rosig sei, sieht er die Maßnahmen ein: „Wenn die Regierung etwas beschließt, ist das fundiert. Man braucht nur schauen, was am Wochenende in vielen Einkaufszentren los war.“

Kastner: Leute kaufen vermehrt Bio-Artikel

Kastner-Geschäftsführer Christof Kastner betont auch positive Effekte der Coronakrise. So würden Menschen verstärkt die Nahversorgung vor der Haustüre schätzen: „Wir beobachten ein bewussteres Einkaufen, und das seit einigen Monaten. Im Oktober, als sich der zweite Lockdown abgezeichnet hat, sind die Umsätze im Biobereich förmlich explodiert.“

Christof Kastner: „Beobachten bewussteres Einkaufen.“
Kastner

Die Kastner-Gruppe habe die Vorbereitungen vor dem Lockdown „sehr unaufgeregt abgewickelt“. So sind Abholmärkte für die Konsumenten wieder geöffnet. „Das ist unser Beitrag, um sicheres Einkaufen zu gewährleisten“, erklärt Kastner.

Das Schließen der Gastronomie habe auch die Kastner-Gruppe hart getroffen. Mit dem neuen Lockdown rechnet Kastner mit einem Umsatz-Minus von zehn Prozent. „Nach dem ersten Lockdown haben wir das mit einem guten Sommergeschäft gut ausgleichen können. Jetzt ist das aber eine sehr große Herausforderung“, erklärt Kastner. Kündigungen gab es bisher keine, das Unternehmen sei wirtschaftlich sehr gut aufgestellt.

Den Umsatzersatz für den Handel zwischen 40 und 60 Prozent sei laut Christof Kastner ein gutes Mittel: „Ich halte das für eine vernünftige Lösung. Es wird niemand überfördert. Es ist wichtig, jetzt großzügig zu unterstützen. Das ist keine Wettbewerbsverzerrung, wie es jetzt auf europäischer Ebene immer wieder heißt. Jetzt geht es ums Überleben.“

Dass es nicht alle Betriebe aus der Krise schaffen, sei laut Kastner erwartbar. Er rechnet österreichweit etwa mit rund 5.000 Gastronomie- und Hoteleriebetriebe, die schließen werden. „Das ist für Österreich als Tourismusstandort ein riesiges Problem, aber auch für die ganze Branche.“

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