Die Erdäpfel sind zu groß für den Handel. Erdäpfel laut Bauern aus dem Bezirk Zwettl im Inland nicht vermarktbar. Kastner und Spar bestreiten.

Von Karin Pollak. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:53)
Bezirksbauernkammer-Obmann Dietmar Hipp hat heuer selber jede Menge an Riesen-Erdäpfel geerntet. Im Bild mit seinem Sohn Linus.
privat

Laut einem alten Sprichwort sollen die dümmsten Bauern die größten Kartoffeln haben. Heuer trifft dieses Sprichwort im Umkehrschluss zu: Die Bauern haben zu große Erdäpfel, die dummerweise nicht im Handel verkauft werden können.

„Es sind schon viele Riesenwoscha dabei“

„Der Bezirk Zwettl ist allgemein ein gutes Erdäpfelgebiet. Auf 7,6 Prozent der gesamten Ackerfläche im Bezirk werden Erdäpfel angebaut“, betont Bezirksbauernkammersekretär Bernhard Löscher. Auf den 3.250 Hektar Erdäpfelfelder wurden heuer zum Teil sehr große Früchte geerntet. Das Wetter sei für die Erdäpfel optimal gewesen und ließ die Knollen richtig gut wachsen. „Es sind schon viele Riesenwascher dabei“, betont Bezirksbauernkammer-Obmann Dietmar Hipp.

Auch die Qualität sei hervorragend – die Erdäpfel seien fest und wunderbar gelb. „Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass am Markt nur Kartoffeln mit einem Durchmesser von 35 bis 55 Millimeter gefragt sind. Die kommen in die Sackerl beim Supermarkt“, erklärt Hipp, der selbst auch eine große Menge an Erdäpfel geerntet hat, darunter auch viele große „Kaliber“.

„Diese sind heuer im Inland nicht vermarktbar. Große Kartoffel brauchen die Gastronomie und die Großküchen, aber da fallen heuer coronabedingt viele weg. Diese Ware außer Landes zu bringen, bringt auch nichts. Die Preise sind ins Bodenlose gefallen. Im Vorjahr gab es noch 20 Cent für ein Kilo Erdäpfel, heuer sind es fünf Cent. Es gibt nämlich überall eine gute Ernte und somit zu viele Erdäpfel am Markt“, weiß der Kammerobmann. Alternativ könnten diese Erdäpfel in Biogas-Anlagen gebracht werden: „Das ist also Entscheidung zwischen Pest und Cholera.“

Köche freuen sich über die großen Erdäpfel

Er verkauft seine Erdäpfel großteils ab Hof – nach Größe sortiert. „Die richtig Großen bleiben über, was wir damit im kommenden Mai machen werden, weiß ich heute noch nicht“, so Hipp, der den Handel in die Pflicht nimmt: „Zum einen könnten die großen Erdäpfel mit Aktionen billiger verkauft werden, zum anderen sind die Preise der Normkartoffeln einfach zu hoch. Im Vorjahr haben die Bauern 20 Cent fürs Kilo bekommen, heuer nur acht bis zehn Cent, somit müssten die Erdäpfel noch billiger verkauft werden.“

Auf heimische Erdäpfel setzt auch heuer die Kastner-Gruppe. „Wir verkaufen nur österreichische Ware“, stellt Christoph Kastner klar. Die kleineren Erdäpfel, die es sehr wohl geben würde, bekommen die Nah- und Frisch-Kaufleute, die großen Erdäpfel gehen an die Gastronomie: „Die Köche freuen sich darüber, sie brauchen nicht so viele Erdäpfel schälen“, meint Kastner, der bereits viele positive Rückmeldungen dazu erhalten hat. „Wegen Corona werden zwar nicht so große Mengen wie sonst gebraucht, aber die großen Erdäpfel sind in der Gastronomie sehr gefragt.“

Ausländische Erdäpfel würde die Kastner-Gruppe immer nur am Beginn der „Heurigen-Saison“ anbieten. „Aber das ist seit Jahrzehnten so. Dann gibt es nur heimische Ware“.

Heimische Ernte ist im Sortiment

Das tut auch Spar. Laut dem Leiter der Abteilung Werbung & Information bei Spar, Hannes Glavanovits, würde die heurige Kartoffelernte außerdem so groß erscheinen, weil die Erdäpfel in den vergangenen Jahren aufgrund der Sommerhitze sehr klein ausgefallen seien.

„Dieses Jahr hat es zwischendurch immer wieder geregnet und die Kartoffelpflanzen haben generell größere Kartoffeln ausgebildet. Wir haben jedenfalls, wie immer, unsere heimischen Kartoffeln im Sortiment“, betont Glavanovits.