Ehrenamt im Sport: „Corona hat alles zusätzlich erschwert“

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:07
Lesezeit: 4 Min
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URW Waldviertel-Manager Werner Hahn – hier bei der Meisterfeier – weiß, dass helfende Hände nicht auf Bäumen wachsen. „Um jeden einzelnen Mitarbeiter muss gekämpft werden.“ Dazu müsse man aber selbst mit vollem Einsatz vorangehen.
Foto: Schiller
Fußball-Klubs kämpfen um Mitarbeiter. Seit Beginn der Pandemie läuft die Suche nach Freiwilligen schwieriger. Bei den größten Klubs im Bezirk, dem SC Zwettl und den Volleyballern der URW Waldviertel, sieht die Lage entspannter aus.
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„Im Grunde genommen ist es im Amateur-Fußball nicht anders als in einem Profi-Bereich“, sagt einer, der es wissen muss: Andreas Zinkel, Geschäftsführer beim 2. Liga-Klub Horn, war selbst jahrelang Funktionär im Unterhaus. Beim USV Nappersdorf war er als Obmann tätig. „Du musst die Leute bei der Stange halten, und das ist gar nicht so einfach. Machst du ein Fest, brauchst du 30 oder mehr Helfer – und dann können sich einige noch anpöbeln lassen, weil das Essen nicht warm genug ist. Es ist schwer.“

Zinkel spricht an, was im Unterhaus gang und gäbe ist: Oftmals bleiben heute die freiwilligen Helfer aus. „Es ist zur Zeit schwierig, genügend Leute für die Positionen zu finden, und es wird auch immer schwieriger. Wir suchen mittlerweile zum Beispiel schon lange nach einem Jugendleiter, momentan übernimmt das jemand, der eigentlich eher in die zweite Reihe zurücktreten wollte. Die Besetzung der Mannschaft fällt uns da im Gegenzug sogar wesentlich leichte“, sagt Markus Lichtenwallner, Präsident beim 2. Klasse-Klub Arbesbach. Ein großes Thema war auch Corona. „Das hat alles zusätzlich erschwert. Es brauchte dafür einen eigenen Verantwortlichen für eine recht undankbare Aufgabe. Dass der Spielbetrieb lange ausgesetzt wurde, trug dann auch nicht gerade dazu bei, Leute für Posten zu motivieren. Ich hoffe, dass sich auch in Zukunft wieder normale Meisterschaften einstellen, dann sollte sich auch diese Problematik wieder normalisieren“, hofft Lichtenwallner.

Positiver sieht die Lage beim USC Kirchschlag aus

 „Wir haben eigentlich kein Problem auf Funktionärsebene. Schwieriger ist es hingegen, genug Trainer für die Jugendmannschaften zu finden“, sagt Obmann-Stellvertreter Manfred Führer. „Bei den Funktionären gibt es ja letztlich auch nur einige wirklich aufwendige Positionen, andere sind da eher im Hintergrund und nur bei Gelegenheit aufwendig.“ Dass aber Corona ein Spielverderber war, sagt auch Führer: „Seit Corona muss man aber auf alle Fälle den Leuten eher hinterherlaufen, um vieles organisiert zu bekommen. Da geht es zum Beispiel auch um Veranstaltungen und Feste, da sind viele jetzt auch einfach zurückhaltender geworden. Zum einen natürlich wegen der Ansteckungsgefahr, zum anderen weil man es auch nicht mehr so gewohnt ist, große Veranstaltungen zu planen.“

Einen positiven Ausreißer stellt Fußball-Größe Zwettl dar. Bei verschiedensten Veranstaltungen abseits des Fußballplatzes benötigt es eine Vielzahl an freiwilligen Helfern.

Dabei gibt‘s auch immer wieder Kooperationen mit anderen Vereinen, wie bei der Marschmusik-Wertung. „Da haben wir 70 Helfer gestellt“, sagt Obmann Josef Zlabinger. Auch in der Funktionärsriege gäbe es beim SCZ „kein Problem“. „Wir schauen auch, dass wir junge Leute dazu holen“, sagt Zlabinger, der mit Martin Grünstäudl einen „geschäftsführenden Obmann“ als Unterstützung ins Boot geholt hat.

Top aufgestellt bezüglich „Ehrenamt“ sind die Volleyballer der URW Waldviertel. „An die 35 Personen sind immer dabei, wenn wir sie brauchen“, kann Manager Werner Hahn auf ein erprobtes Stammpersonal zurückgreifen. „Bei uns werken alle ehrenamtlich.“

Das Erfolgsgeheimnis? „Man muss den Menschen die Begeisterung vorleben – und man muss jeden richtig einsetzen. Es bringt ja nichts, wenn jemand etwas macht, bei dem er keine Freude hat. Jeder Helfer ist wichtig, für jeden braucht es ein offenes Ohr vom Verein.“

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