Erdäpfel beginnen zu faulen. Zuerst war es trocken, dann kam der Regen: Schwierige Bedingungen für Bauern im Bezirk Zwettl, die mit Ernteausfällen rechnen.

Von Angelika Koll. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:02)
Für Karl und Susanne Scharitzer, mit Enkel Hendrik, ist ein vernünftiger Pflanzenschutz notwendig, um die Ernte vor Schädlingen und Krankheiten abzusichern, die sich bei extremer Witterung stark vermehren.
Franz Pfeffer

Zuerst die lange Trockenheit, dann der andauernde Regen — beides nicht die idealen Wetterbedingungen für Pflanzen. Die NÖN hat sich bei Landwirten im Bezirk umgehört und sie über die aktuelle Situation auf den Feldern befragt.

Aufgrund des starken Niederschlags habe sich die Situation auf jeden Fall verbessert, wie Bezirksbauernkammerobmann Dietmar Hipp berichtet. „Auch die Futtersituation für Rinderbauern ist besser, weil das Grünland dank dem Regen gewachsen ist“, meint er. Natürlich werde es bis zur Getreideernte noch etwa einen Monat dauern und man könne nichts Genaues voraussagen. Zum Problem werde nun, vor allem bei Bio-Erdäpfeln, die Fäule aufgrund der starken Nässe. Außerdem meint Hipp: „Es wird sicher Flächen geben, die stark verunkrautet sind.“

Karl Scharitzer aus Niederstrahlbach spricht von einem großen Schädlingsdruck. Durch die Trockenheit im Frühjahr sei es zu einer extremen Schädlingsvermehrung gekommen, die sie fast nicht mehr in den Griff zu bekommen sei. „Den Winterraps kann ich nicht mehr retten. Ich schätze, dass wir hier nur etwa 30 Prozent vom normalen Ertrag haben werden“, meint Scharitzer. Auch für den Winterweizen sei es viel zu trocken gewesen. Er sei an manchen Stellen richtig weggebrannt.

Gregor Zeilinger, der einen Betrieb in der Gemeinde Grafenschlag führt, bemerkt ebenfalls Folgen der extremen Wetterbedingungen. „Bei den Sonderkulturen schaut‘s nicht so gut aus“, meint der Landwirt. Beim Mohn hätte man zum Teil nachbauen müssen, weil das Wasser gefehlt hat. „Der Regen kam kurz vor zwölf. Fürs Grünland war es schon fast zu spät“, meint Zeilinger.

Weniger Futter beim ersten Silieren

Das erste Silieren habe doch eher wenig Futter gebracht, obwohl es schließlich nicht so schlimm gewesen sei, wie vorab befürchtet. Nun habe man dagegen zum Teil mit Staunässe zu kämpfen. Zeilinger spricht dabei auch die Herausforderung an, bei den Erdäpfeln die Krankheiten im Griff zu behalten.

Wenig Probleme sieht momentan Manfred Kitzler für seinen Grünlandbetrieb in Arbesbach. Auf den über 800 Metern Seehöhe baut er nur wenig Getreide an. „Der Regen war sehr wichtig für Grünland, Wald und Grundwasser“, meint er. Bäume können sich nun durch die Flüssigkeit besser wehren, etwa gegen Borkenkäfer. Der zweite Schnitt beim Grünland würde sich schön zeigen, nachdem der erste weniger ertragreich war.

Etwas mehr Probleme hätten Bio-Betriebe, doch Kitzler meint: „Das wird ein annehmbares Jahr für meinen Betrieb.“ Bei der wenigen angebauten Getreidefläche würde die Ernte Anfang August kaum ein Problem bereiten und mit dem Grünland könne er sich immerhin nach dem Wetter richten und Heu einfahren oder Silieren. Kitzler meint außerdem, Auswirkungen von Corona und dem geringeren Verkehrsaufkommen zu bemerken. „In der Landwirtschaft ist man jeden Tag draußen. Da fallen Unterschiede auf.“

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