Gastronomen: „Wir werden hier zum Narren gehalten“. Umsatzeinbußen und Zorn der Gastronomen steigen mit jedem geschlossenen Tag. Auch Testpflicht würde für Öffnung in Kauf genommen werden.

Von Angelika Koll und Sebastian Dangl. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:44)
Werner und Petra Zlabinger bieten an den Wochenenden Essensabholung in der Kaminstube an.
NÖN

Gastronomiebetriebe befinden sich weiterhin in einer schwierigen Situation und warten darauf, ihre Gäste wieder begrüßen zu dürfen. Die NÖN hat nachgefragt, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.

„Jeder Tag, um den wir früher wieder aufsperren können wäre wichtig“, meint Werner Zlabinger von der Kaminstube in Schwarzenau. Die Stammgäste würden bereits sehnsüchtig auf ihren Wirtshausbesuch warten. Die Gefahr bestehe, dass manche Betriebe gar nicht mehr aufsperren werden können. Ein gewisser Unmut, dass Restaurants noch geschlossen bleiben müssen besteht natürlich, „obwohl in der Gastronomie nicht so viele Ansteckungen waren“, meint Zlabinger. Immerhin habe man im Restaurant, anders als zuhause, große Räume und eine Lüftung.

Einstweilen wird zumindest am Wochenende ein Abholservice angeboten, der auch gut angenommen wird. Das Gasthaus Kaminstube schickt wöchentlich eine Speisekarte aus und man kann telefonisch bestellen. Zlabinger hofft, so seine Angestellten behalten zu können, die derzeit in Kurzarbeit sind. „Dann haben wir gewonnen“, meint er, und: „Wir brauchen das Personal dann ja wieder.“ Außerdem sehe man sich durch die Essensausgabe zumindest einmal in der Woche.

Auch für die Zwettler Konditorei Schön fehlen die Einnahmen. Der Thekenverkauf ist zwar möglich, läuft aber auch unregelmäßig gut, wie Günter Schrenk berichtet. Zu den Faschingstagen sei der Verkauf höher gewesen, nun ist kaum etwas los. Zumal der Kaffee auch nicht direkt vorm Eingang der Bäckerei getrunken werden darf. „Wir haben zehn Bedienstete. Wenn das noch lange so geht, wird es schwierig“, meint Schrenk. Für Mohn- und Nusszelten, etwas, das weniger empfindlich ist als etwa Torten, gibt es schon seit vor Corona einen Onlineverkauf. Auch hier sei die Nachfrage natürlich saisonbedingt. „Aber wir müssen es nehmen, wie es kommt“, erwähnt Schrenk.

Hoffnung auf möglichen Betrieb im Freien

Die große Hoffnung vieler Gastronomen beruht momentan auf wärmeren Temperaturen und einer Erlaubnis für den Betrieb im Freien. Auch Mohnwirt Johann Neuwiesinger wünscht sich einen Schritt in diese Richtung: „Das wäre schon eine Chance, denn wir haben viele Außenplätze.“ Perspektive gewinnen in den unsicheren Zeiten ist das Stichwort. Eine Kombination aus dem Betrieb im Freien und Abholservice kann sich der Wirt gut vorstellen. Mit Sitzplatzvergabe, Abstand und Masken hofft er auch auf die baldige Öffnung auch im Innenbereich. Sogar eine Testpflicht würde er dafür in Kauf nehmen.

Wirtschaftlich ist das Lokal in Armschlag noch verhältnismäßig gut aufgestellt. Die Vorjahressaison sei trotz allem äußerst zufriedenstellend verlaufen, das würde jetzt in der Dürreperiode helfen. Die ersten Monate des Jahres wären zudem nie wirklich überragend. „Als Saisonbetrieb haben wir die Zeit ganz gut überbrückt, aber so langsam brauchen wir schon wieder das Geschäft, um unsere Mitarbeiter beschäftigen zu können.“

Ein großes Fragezeichen steht auch noch über der Zukunft von Rudolf Hirschs Wirtshaus in Groß Gerungs. „Ich weiß nicht, ob es sich auf lange Sicht ausgehen wird. Wenn unser Überbrückungskredit ausläuft, ist kein Geld mehr da“, schildert Hirsch. Die schwindenden Hilfen der Regierung würden nicht mehr wirklich aushelfen. „Von den 30 versprochenen Prozent Umsatzersatz bleiben jetzt nur mehr 15 Prozent über. Den Rest bekommt man vom Fixkostenzuschuss abgezogen. Wir werden hier alle zum Narren gehalten“, ist der Wirt verärgert.

Abholservice als Alternative

Auch der Abholservice sei trotz nach wie vor hohem Interesse nicht das Wahre. „Wir profitieren zum Glück von vielen überregionalen Gästen, die sich beim Vorbeifahren etwas abholen. Es hilft schon, aber der Profit liegt bei den Getränken.“ Zudem mache sich langsam die Müdigkeit beim „Essen aus dem Einkaufskorb“ bemerkbar. Die Stammgäste würden auch schon in den Startlöchern stehen.

Auch die Goldene Rose in Zwettl bietet derzeit einen Abholservice. „Dennoch macht dies nur etwa zehn Prozent des früheren Umsatzes aus“, berichtet Michael Schindler. Mit den Geschäftsöffnungen seien die Mittagstisch-Bestellungen etwas mehr geworden. Die staatlichen Hilfen kompensieren aber die Einbußen. „Ich denke, wenn es hilft die Corona Zahlen zu senken, ist eine längere Schließung der Gaststätten sinnvoll“, meint Schindler.

Umfrage beendet

  • Öffnungsschritte für Gastronomie?