"Goldene Kellen" gingen nach Jagenbach und Groß Gerungs. Die diesjährige „Goldene Kelle“ für herausragende Bauprojekte gab es für ein saniertes Bauernhaus in Jagenbach und für einen Zu- und Umbau in Groß Gerungs. Die Verleihung erfolgte am 13. Oktober im Glassalon Neuhaus.

Von Red. Zwettl. Erstellt am 14. Oktober 2020 (16:17)

Zu denen im Rahmen des Architekturwettbewerbes „Goldene Kelle“ von der Leserschaft unter den 20 nominierten Projekten ausgewählten Gewinnern zählte das sanierte Bauernhaus in Jagenbach, das durch seine authentische Revitalisierung als baulicher Zeuge einer autochthonen Baukultur bewahrt werden konnte.

Urkundlich bereits 1795 erwähnt, steht die Hofanlage von Elisabeth Schrenk und Rainhard Maierhofer für eine die Kulturlandschaft prägende anonyme bäuerliche Architektur, die aufgrund des strukturellen Wandels im ländlichen Raum ihre früheren Nutzungszwecke verloren hat.

Bei diesem überlieferten baulichen Erbe wurde nach den Plänen von Architekten Dieter Helm Wiederherstellbares originalgetreu saniert, Neues behutsam integriert und für eine heute zeitgemäße Wohnnutzung adaptiert. Wärmedämmende Maßnahmen im erdberührten Boden, an der Decke zum Dachboden und an den straßenabgewandten Wänden verbessern die Energiebilanz ebenso wie die eingebaute Wandheizung.

Der verglaste Windfang als neuer Hauseingang bringt in den Wintermonaten die Sonne und somit die natürliche Wärme ins Haus.
Elisabeth Schrenk und Rainhard Maierhofer haben sich für die authentische Erhaltung des Objektes entschieden und damit ein lebendiges Zeugnis früherer Baukultur bewahrt.

Getrennt aber doch nahe beieinander -  war die Vorgabe vom Besitzer des Blockhauses, Benedikt Grossmann, das einen Um- und Zubau erhalten sollte. Die Untergrabung des alten Holzhauses war die tollkühne Entwurfsidee von Zoran Bodrizic für die bauliche Erweiterung. Entstanden ist ein Bauwerk als Teil der Landschaft.

Der klassischen Architektur der Bauernhäuser – unten Stein, oben Holz – folgend, wurde der Unterbau aus statischen Gründen in Stahlbeton errichtet und mit Naturstein verkleidet. Ein innen liegendes Atrium mit neu gepflanzter Birke als Erinnerung an die einst als Kind gepflanzte, versorgt innere Räume mit Tageslicht und sorgt bei Bedarf auch für Frischluft.

Die großen Fensterfronten der äußeren Räume ermöglichen einen Rundumausblick in die unberührte Natur. Das symbiotische Zusammenspiel der unterschiedlichen Baustile und verwendeten Materialien vermittelt Tradition wie auch Innovation.

Dieses Holzblockhaus in Groß Gerungs vermittelt nun auf gewagte Art und Weise die Harmonie der Gegensätze zwischen Altem und Neuem.

Coronabedingt wurde die Verleihung der „Goldenen Kellen“ nur im kleinen Kreise der Gewinner veranstaltet. „Die Baukultur eines Landes stellt ebenso wie Musik und Kunst eine wichtige Basis für das Selbstverständnis einer Gesellschaft dar“, hob Ehrengast Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner beim Festakt hervor. „Mit der ‚Goldene Kelle‘ möchten wir den ausgewählten Projekten jenen Stellenwert in der öffentlichen Aufmerksamkeit verleihen, den sie verdienen“.