Hitze auf der Baustelle hält nicht vom Arbeiten ab. Seit 1. Mai haben Bauarbeiter ab 32,5 Grad hitzefrei. Was bedeutet diese Regelung für die Baustellen in der Region?

Von Karin Pollak, Karin Widhalm und Angelika Koll. Erstellt am 31. Juli 2019 (04:50)
Pollak

Heiß war es in diesem Sommer schon oft. So heiß, dass die neue Regelung, die einen „60er“ wie bei Schlechtwetter vorsieht, wenn es über 32,5 Grad mehr als drei Stunden lang hat, angewendet werden musste, war es aber noch nicht. Das betonen die Unternehmer aus dem Bezirk, die ihre Mitarbeiter mit Sonnencremen und Kopfbedeckungen in diesen „heißen Phasen“ unterstützen. Für die Gewerkschaft sind diese Maßnahmen aber zu wenig.

Alle, die bei über 30 Grad arbeiten, sind gefordert und stoßen auch an ihre Grenzen – allen voran die Mitglieder der „Asphaltpartien“, die gerade im Hochsommer mit den vielen Baustellen so richtig ins Schwitzen kommen. „Direkt bei der Asphaltiermaschine hat es 60 Grad, von oben kommen dann noch über 30 Grad dazu“, erklärt Leyrer+Graf-Mitarbeiter Stephan Möslinger.

„Der Bau ist eine harte Branche, da die Arbeiten meist körperlich anstrengend sind, im Freien stattfinden und den Wetterkapriolen ausgesetzt sind. Wir sind sehr stolz auf unsere Mitarbeiter für die hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität, die sie jeden Tag aufs Neue beweisen. Uns ist bewusst, dass es auch Grenzen gibt und diese behalten wir sehr genau im Auge, um unseren Mitarbeiter zumutbare Arbeitsbedingungen zu bieten“, zeigt Baumeister Stefan Graf auf.

"Vermehrt Wetterextreme"

„In den letzten Jahren gibt es vermehrt Wetterextreme, wie Unwettern oder Hitze. Wenn wir alle Regelungen anwenden, dann bekämen wir sehr bald massive Probleme mit den Bauzeiten, die von den Auftraggebern immer enger vorgeschrieben werden. Natürlich darf dieses Spannungsverhältnis nicht auf die Kosten der Mitarbeiter gehen. Aktuell haben wir den sogenannten ‚Hitze-60er‘ nur punktuell angewendet, gleichzeitig stellen wir ausreichend Getränke, hochwertige Sonnenbrillen und Sonnencremen zur Verfügung, das ist für uns selbstverständlich. Wir verlegen auch Arbeitszeiten und beginnen tendenziell früher, um der starken Nachmittagshitze nicht so stark ausgesetzt zu sein.“

Für den Geschäftsführer der Georg Fessl GmbH, René Zinner, ist diese Regelung eine positive Neuerung. „Die Gesundheit und Lebensqualität unserer Mitarbeiter zu bewahren ist unser oberstes Gebot“, erklärt er. Auf den Baustellen, die die Firma in Wien betreibt, wurden die Arbeiten aufgrund der Hitze öfter eingestellt. „In Zwettl ist es noch besser als in Wien, da es über Nacht abkühlt.“ Zinner betont, dass die Fristen dennoch eingehalten werden können. „Das Arbeitsmodell wird dann umgestellt. Es wird früher angefangen und wir schauen, dass wir bis Mittag mit den Arbeiten draußen fertig sind.“

Laut René Zinner werden die Arbeiter auch gut versorgt: „Sie bekommen genügend zu trinken und es werden bei großer Hitze zusätzliche Pausen im Schatten eingelegt. Außerdem werden Sonnenschutzmittel und Sonnenbrillen zur Verfügung gestellt.

In der Firma „Hartl-Haus“ in Echsenbach wird betont, dass die Mitarbeiter schon „hitzeerprobt“ seien. „Außerdem haben wir in diesem Sommer erst einmal die 32,5 Grad überschritten“, betont Werksverwalter und Arbeitsicherheitsbeauftragter Andreas Nichtawitz, daher war der Hitze-60er noch nicht anzuwenden. Natürlich werde immer auf den Arbeitnehmerschutz größtes Augenmerk gerichtet. „Die Mitarbeiter erhalten Sonnencremen und Kopfbedeckungen“, meint Nichtawitz.

Hitze-60er ist freiwillig, Gewerkschaft will mehr

Für die Gewerkschaft ist die neue „Schlechtwetterregelung“ für Bauarbeiter nicht die perfekte Lösung: „Das Problem ist, dass sie freiwillig ist. Das heißt, sie ist vom Arbeitgeber abhängig“, zeigt Franz Steindl, der ÖGB-Sekretär der Region Waldviertel-Süd auf. „Natürlich wollen die Arbeitnehmer bei extremer Hitze einmal ihre Arbeit niederlegen, aber sie sind in einem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis“, so Steindl, der betroffene Arbeitnehmern rät, sich bei der Gewerkschaft zu melden. „Wir reden mit den Arbeitgebern“, verspricht Steindl.

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