Innovation in der Landwirtschaft: Feldroboter wird neuer Mitarbeiter

Erstellt am 17. August 2022 | 04:49
Lesezeit: 4 Min
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Den solarbetriebenen Feldroboter präsentierten Marcel Rauscher, Barbara Schmidt und Robert Kurka (Bio-Bauern, Farmers Future), Stefan Allinger, Gerhard Zinner, Lukas Bruckner, der Obmann des Waldviertler Sonderkulturenvereins Robert Haidl, Philipp Brandstetter und Geschäftsführer Franz Tiefenbacher.
Foto: Sonja Eder
Robotik: Produktionssicherheit bei Arbeitskräftemangel sieht Waldland bei technischer Unterstützung in der Landwirtschaft im Waldviertel.
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Großes Staunen, Anerkennung und auch ein wenig Skepsis ließen die anwesenden rund 100 Waldland-Bauern erkennen, als vorige Woche Geschäftsführer Franz Tiefenbacher auf einem Versuchsfeld auf den benachbarten Grundstücken der Familien Löschenbrand und Zinner den neuen zukünftigen Waldland-Mitarbeiter vorstellte – einen Feld-Roboter.

Das Modell „FarmDroid“ ist ein dänisches Fabrikat und wird in Österreich von der Firma FarmersFuture R&G GmbH vertrieben. Inhaber Robert Kurka betreibt selbst eine Bio-Landwirtschaft im Marchfeld und hat dieses Modell zwei Jahre lang selbst getestet. Bei der Präsentation sprach er offen über seine Erfahrungswerte im Einsatz des Roboters bei unterschiedlichem Saatgut. Es handelt sich bei diesem Modell nämlich um das erste, bei dem sowohl die Aussaat als auch die mechanische Unkrautbekämpfung automatisch passieren.

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Die Waldland-Partner begutachteten den Feldroboter bei der Arbeit und das Feld genau.
Foto: Foto Sonja Eder

„Durch seinen Einsatz benötigen wir weniger Traktorstunden, haben weniger Dieselverbrauch und können den Einsatz von Herbiziden reduzieren. Außerdem fährt er mit Sonnenstrom“, ist Waldland-Geschäftsführer Franz Tiefenbacher beeindruckt. Getestet wurde FarmDroid auf einer Fläche von insgesamt sechs Hektar, auf der zu je drei Hektar Dille in Bahnsaat und Horstsaat (mehrere Samen in einem Loch) vom Feldroboter ausgesät wurde. Der Roboter positioniert das Saatgut genau. Via GPS-Funk orientiert er sich und findet die Stellen exakt wieder, wo die Kulturpflanzen aufkeimen. Davon konnten sich die Waldland-Partner bei der Arbeit des Roboters auf dem Versuchsfeld überzeugen.

Solarbetrieben sät und hackt der Roboter

Zu dem Zeitpunkt wurden die Versuchsfelder bereits zum fünften Mal nach der Aussaat von FarmDroid gehackt, neben der knapp zehn Zentimeter hohen Dille war kaum Beikraut (Unkraut) zu sehen. „Wir haben keine Herbizide auf diesen Feldern ausgebracht“, ist Franz Tiefenbacher stolz.

Bio-Bauer Kurka: „Was er sät, kann er auch hacken. Nur auf jenen Feldern, auf denen von FarmDroid gesät wird, kann er auch zum Hacken der Felder eingesetzt werden, weil er die Kulturpflanzen nur dann auch findet.“ Schon kurz nach der Aussaat beginnt der Roboter mit dem Hackvorgang, und während die Dille aufkeimt, bekämpft er das gleichzeitig aufkeimende Unkraut bereits im Fadenstadium. Sein Einsatz vermindert laut Kurka die Handarbeit auf dem Feld um mindestens 50 Prozent.

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Das Forschungsteam: Werner und Helga Löschenbrand, Franz Tiefenbacher, Franz Zinner und Christian Zinner, Stefan Allinger, Lukas Bruckner und Marcel Rauscher.
Foto: Sonja Eder

Franz Tiefenbacher: „Wir produzieren Vielseitigkeit bei Waldland. Das Thema Robotik ist uns nicht neu, denn Automatisierung ist wichtig für Waldland. Der Sonderkulturenanbau ist intensiv, und gerade hier ist der Einsatz von Robotik sinnvoll.“

Die Felder, auf denen ausgesät wird, müssen sehr fein vorbereitet werden, müssen glatt und frei von größeren Steinen sein. Aufgrund seines leichten Gewichtes von nur 900 Kilogramm Eigengewicht schont er den Boden. Dieses Roboter-Modell besticht durch sein CO 2 -neutrales Arbeiten: Über eine große Solaranlage wird eine Batterie plus Power-Bank gespeist, so kann er 24 Stunden durcharbeiten. Das ist auch notwendig, denn mit 560 Metern pro Stunde er ist langsam. „Das ist nicht relevant“, lacht Tiefenbacher, „weil keiner drauf sitzt.“

Einzigen Strom aus der Steckdose benötigt der Roboter dieses Modells für eine Funkanlage im Umkreis von zehn Kilometern, über die er sich auf dem Feld orientieren kann. „Auch das könnte man mit einer Solarzelle unabhängig ermöglichen“, so Forschungs-Mitarbeiter Marcel Rauscher.

In den nächsten Tagen wird das Versuchs- und Forschungsteam von Waldland mit Stefan Allinger, Lukas Bruckner und Marcel Rauscher mit der Aussaat von Kamille beginnen. Diese Arbeit wird wieder FarmDroid übernehmen.

Waldland wird künftig mehr auf Horstsaat setzen. Dies wurde heuer ebenfalls auf Versuchsfeldern – noch auf herkömmliche Art – auch beim Anbau von Johanniskraut getestet. „Eingesetzt werden soll FarmDroid bei Sonderkulturen im Küchenkräuterbereich, wie hier am Versuchsfeld mit Dille“, so Tiefenbacher.

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