Integration geht gut voran. Personalmangel von großen Arbeitgebern wird teilweise mit Geflüchteten abgedeckt.

Von René Denk. Erstellt am 21. November 2018 (04:00)
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Die Aufgaben der Flüchtlingshelfer verlagern sich heutzutage mehr auf die Arbeitsmarktintegration. Gelungen ist das beispielsweise in Groß Gerungs, wo Bassem Al Hafi und Omid Tajik im Herzkreislaufzentrum (HKZ) arbeiten. Im Bild von links: Carina Raffetseder Mitarbeitermanagement HKZ, Küchenchef Alfred Pichler, Aushilfskraft Bassem Al Hafi; Lehrling Omid Tajik, Willkommen Mensch- Vereins-Obmann Gerhard Fallent und Restaurantleiter Thomas Prinz

Die Flüchtlingswelle 2015, die über Europa rollte, bekam auch Zwettl zu spüren. Der Bezirk nahm Flüchtlinge auf, und viele Freiwillige fanden sich, um die Integration für diese Menschen zu erleichtern und den Flüchtlingen bei vielen Amtswegen und Herausforderungen ihres neuen Lebens in Österreich zu helfen.

So wurde bereits im Sommer 2015 der „Willkommen Mensch“-Verein in Zwettl unter Obmann Andreas Cermak gegründet, bei dem mehr als 50 Helfer mitwirkten. „Zu Spitzenzeiten hatten wir über 40 Flüchtlinge mit Kindern zu betreuen“, erinnert sich Andreas Cermak im NÖN-Gespräch. Zuerst kümmerte sich der Verein um Unterbringungsmöglichkeiten im familiären Stil, Massenunterkünfte wollte der Verein nie anbieten, da hierbei die Integration schwieriger ist.

Wohnungen wurden vom Verein angemietet, damit war auch Sicherheit für die Vermieter gegeben, bei Problemen immer einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner zu haben. Der große Schwung, der sich im Bezirk kleiner als in vielen anderen Bezirken darstellte, war im Frühjahr 2016 dann endgültig vorbei. Willkommen Mensch Zwettl hatte zum Ziel, nur die anfänglichen Schwierigkeiten abzufedern, was auch gelang. Im Mai 2017 löste sich der Verein wieder auf, die wenigen noch betreuten Personen wurden an die Caritas vermittelt. Einige Vereinsmitglieder helfen aber weiterhin der Caritas bei der Betreuung der Geflüchteten.

„Viele große Unternehmen freuen sich darüber, ihre freien Arbeitsstellen mit den Asylberechtigten besetzen zu können“,Caritas-Mitarbeiter Christian Scheidl

Der Groß Gerungser Christian Scheidl von der Caritas kümmert sich im Waldviertel um die Probleme und Herausforderungen der Helfer und der der Flüchtlinge selbst. Die Caritas betreut vier Grundversorgungswohnungen in der Stadt Zwettl, die sie vom „Willkommen Mensch Zwettl“-Verein übernommen hat, und mit denen es bis heute keine Probleme gibt, sagt Scheidl.

Die Firma SLC Europe betreut viele Standorte in Niederösterreich und dem Waldviertel, von denen einige schon wieder geschlossen wurden. Auch in Groß Gerungs wurde im Juli der Standort zugesperrt, in Göpfritz/Wild und in Allentsteig sind die Standorte noch geöffnet. Neben vielen privaten Initiativen und Gastgebern, gibt es auch noch den Verein Wohnen aus St. Pölten, der Unterbringungsmöglichkeiten in Echsenbach beziehungsweise Bad Traunstein hatte oder hat, weiß Scheidl.

„Viele große Unternehmen, wie die Firmengruppe Kastner, das Lagerhaus oder das Herz Kreislaufzentrum Groß Gerungs freuen sich darüber, ihre freien Arbeitsstellen mit den Asylberechtigten besetzen zu können“, erklärt der Caritas-Mitarbeiter, der betont, dass noch vieles gebraucht werde. Aber die Themen haben sich geändert: Waren früher Unterbringung und Grundversorgung am wesentlichsten, stehen jetzt die Integration in Schulen und am Arbeitsmarkt ganz vorne.
Neben seinem Schwesternverein in Zwettl gründete sich im August 2015 auch der Verein „Willkommen Mensch in Groß Gerungs und Langschlag“, der mit 15 bis 20 aktiven Helfern startete und bei dem zu Spitzenzeiten 50 Aktive mitwirkten. Er nahm sich in diesen Spitzenzeiten um rund 50 Personen an, insgesamt wurden ungefähr 70 Geflüchtete von den Vereinsmitgliedern betreut. „Wir haben bis heute zirka 100 Mitglieder“, ist sich Obmann Gerhard Fallent stolz.

Die drei Phasen der Flüchtlings-Betreuung

Er unterscheidet drei Phasen (1.: Ankommen, 2.: Bleiben dürfen, 3.: Zuhause finden) bei der Betreuung der Geflüchteten Menschen. Während sich der Zwettler Schwesternverein vor allem um die Phasen eins und zwei kümmerte, wollen sich die Groß Gerungser — mehr als 20 sind noch aktiv — auch um die dritte Phase bemühen, bei der es vor allem um die Integration in Schulen, in die Gesellschaft und am Arbeitsmarkt geht. Besondere Herausforderungen hat der Verein da bei den Frauen, bei den Männern wäre das einfacher (siehe Foto), meint Fallent.

Er verweist auch auf den Tochterverein „for us“, der personell sehr verschränkt sei und sich der Gemeinwohlarbeit für die gesamte Bevölkerung verschrieben habe. Es gehe darum, Wissen über benachteiligte Gruppen aufzubereiten, zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Eine Diskussionsreihe sei im Waldviertel bereits erfolgreich durchgeführt worden.

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