Mehr Rad im Alltag, kaum Wege. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 14. August 2019 (05:00)
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Für den Obmann der Zwettler Kosmopiloten und seine Klubkollegen Klaus Enengl,Ferdinand Kolm, Otmar Zechner, Karl Zeinzinger, Maximilian und Christina Kastner (am  Bild mit Stadtrat Josef Zlabinger) sind weniger die Radwege das Problem, sondern die wenigen Stellplätze

Ein Pkw-Lenker erfasste auf einer Bundesstraße einen Fahrradanhänger, in dem zwei Kinder saßen und der von der Mutter mit dem E-Bike gezogen wurde, und schleuderte ihn in ein Feld. Beide Kinder (1 & 4) verstarben dabei. So die tragische Geschichte eines wohl nicht nur für die Beteiligten folgenreichen Unfalls. Seither kommt die Debatte über Radwege und Sicherheit am Fahrrad nicht zum Erliegen.

Schwarzenaus Bürgermeister Karl Elsigan beschäftigt das Thema seit Jahren: Die B2 mitten durch den Ort, ein ständiger Gefahrenherd: „Komplett ausschalten kannst du ihn nicht, du musst an die Aufmerksamkeit appellieren“, sagt er. Wo es möglich ist, gibt es gemeinsame Wege für Fußgänger und Radfahrer, um die B2 zu meiden.

Seine Erfahrungen dabei brachte er auch beim Knödelland-Radweg der Kleinregion ASTEG ein. „Der verläuft auf wenig befahrenen Straßen oder Güterwegen“, sagt der Kleinregionsobmann. „Ganz ohne Querungen der Bundesstraße geht‘s aber nicht.“

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Keine Protestaktion gegen die Parkplatznot für Fahrräder in Zwettl, sondern zufällig der einzige Stellplatz mit Absperrmöglichkeit für Michael Bernhards Fahrrad beim Zwettler Spital.

Im Süden des Bezirks steckt gerade ein mögliches Musterprojekt in den Kinderschuhen. Sieben Gemeinden im Süden des Bezirks wollen die alte Bahntrasse zwischen Waldhausen und Martinsberg zu einem Radweg umbauen (die NÖN berichtete).

Das wäre eine weitere Option zum großzügigen Angebot touristischer Radwege, auch wenn diese nicht lückenlos durch den Bezirk führen. Wer in Zwettl und Umgebung das Rad als Alltags-Verkehrsmittel nutzen möchte, der hat’s nicht immer leicht. Ein einigermaßen lückenloses Radweg-System gibt es nicht. Beispielhaft dafür ist die Bezirksstadt selbst, wo es nur das kleine Stückerl Radweg beim Café Süd gibt. „Den kürzesten weit und breit“, schmunzelt Michael Bernhard, Obmann des Zwettler Radsportclubs „Kosmopiloten“, der viel mit dem Fahrrad unterwegs ist. Fehlende Radwege seien für ihn und viele andere aber weniger ein Problem, als fehlende Abstellmöglichkeiten.

Zwettl will Platz gerechter aufteilen

Erst am Montag habe er beim Krankenhaus keine andere Möglichkeit gefunden, als ein Verkehrsschild zu zweckentfremden. „Zwettl ist eine historisch gewachsene Stadt, da ist es nicht einfach, irgendwo einen Radweg hinzubauen“, meint er. „Aber wer tut sich denn das Radeln überhaupt an, wenn er sein Rad ohnehin nirgends abstellen und versperren kann?“

Das sei aktuell ein Thema in der Stadtgemeinde Zwettl, die sich wie berichtet ein neues Verkehrskonzept verpasst. „Wir wollen neue Stellplätze schaffen, auch Ladestationen für E-Bikes“, sagt Bürgermeister Franz Mold, der Radfahrer künftig mehr einbinden möchte. Dass mehr mit dem Rad gefahren werde, merke auch er. „Allein schon anhand der vielen Anfragen für die Förderung der Stadtgemeinde zum E-Bike-Kauf.“

Steigenden Radverkehr im Alltag bemerkt auch Grüne-Gemeinderätin Silvia Moser. Ihre Fraktion ist seit Jahren Kritiker der Radweg-Situation in Zwettl. Dass Bewegung in die Sache kommt, sieht sie positiv. „Was bis jetzt durchgesickert ist, sind einige Ansätze des neuen Konzepts sehr gut“, sagt Moser. „Immer mehr Menschen legen auch Alltagswege mit dem Rad zurück – ob die Senioren mit dem E-Bike oder junge Familien. Es darf nicht immer nur um mehr Parkplätze gehen. Man muss alle Verkehrsteilnehmer möglichst gleichberechtigt behandeln.“

Wie genau das künftig aussehen könnte, da lässt sich Stadtchef Mold mit Verweis auf laufende Überlegungen noch wenig entlocken. „Radwege werden überall mitbedacht“, betont er. „Wirklich abgetrennte Radwege werden wir aus Platzgründen aber nicht viele schaffen. Es wird teils auch mit Markierungen gehen müssen.“ Überlegungen gehen wie berichtet auch dahin, in der unteren Landstraße eine Begegnungszone einzurichten. Moser freut‘s: „Wenn man das Platzangebot gerecht aufteilt, ist schon viel geschafft.“