Mit Gummi-Munition gegen Wolf. Unterschriften-Liste Abgeordnete Martina Diesner-Wais, Bürgermeister und Vertreter der Bauern fordern Maßnahmen ein.

Von Markus Lohninger, Brigitte Lassmann-Moser und Adelheid Kamin. Erstellt am 22. August 2018 (05:01)
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Mindestens 24 Risse von zaungesicherten Schafen in sechs Gehegen innerhalb weniger Tage werden in den Nachbargemeinden Bad Großpertholz und Langschlag dem Wolf zugeschrieben. Die Verunsicherung in der Bevölkerung wächst, viele sehen die Rückkehr des streng geschützten Tiers als Gefahr.

Quasi als Warnschuss für den Wolf wurde nun in Bad Großpertholz eine bezirksübergreifende Unterschriften-Aktion gestartet. Und am Dienstag trat ein Bescheid der Bezirkshauptmannschaften Zwettl und Gmünd in Kraft, wonach ab sofort in bestimmten Revieren mit Schreckschüssen bzw. Munition aus Gummi der Wolf „vergrämt“ werden darf.

„Das ist eine rechtlich vorgesehene Möglichkeit, die wir ausschöpfen können und angesichts der Umstände auch ausschöpfen müssen!“Bezirkshauptmann Michael Widermann

Die Zeit für Maßnahmen drängt, denn am Samstag wurden in Langschlag abermals sechs Tiere gerissen, und das nur 300 Meter vom Ortsgebiet entfernt. „Betroffen sind sechs Schafe, drei wurden gerissen, weitere drei wurden schwerst verletzt und mussten notgeschlachtet werden“, berichtet der zuständige Revierleiter Alfons Payr. „Die Besitzer sind nervlich sehr angegriffen! Das Ereignis bot einen schlimmen Anblick.“ Und am Montag wurde ein Wolf in einem Schweinegehege in Nonndorf gesichtet – am helllichten Tag. Daraufhin wurde sofort dafür gesorgt, dass die Tiere in den Stall kamen, was angesichts des 24 ha großen Geländes kein leichtes Unterfangen war.

„Die Leute fürchten sich, zum Beispiel vor dem Weg ihrer Kinder zum Schulbus“, blickt Bürgermeister Andreas Maringer dem nahenden Schulstart in Langschlag besorgt entgegen. Im nahen Liebenau seien über Jahrhunderte Wolfsangriffe auch auf Menschen dokumentiert, ergänzt er.

Adelheid Kamin
Landeskammerrat Martin Frühwirth, die B ürgermeister Manfred Stauderer (Altmelon) und Andreas Maringer ( Langschlag), Erich Praha, Willi KLaffl, Landeskammerrat Daniel Heindl, Kammerobmann Dietmar Hipp und sein Stellvertreter Josef Maurer bei der Infoveranstaltung der Bauernkammer in Langschlag.

„Die Wölfe schaffen Räume der Angst“, heißt es auch im Begleittext zur nun gestarteten Unterschriftenaktion, den VP-Nationalratsabgeordnete Martina Diesner-Wais, die Bürgermeister Klaus Tannhäuser und Andreas Maringer, Bauernkammer-Obmann Markus Wandl und Kammerrat Ewald Wiesmüller an Land NÖ, Bund und EU richten. Wölfen fehle „die Scheu vor den Gebieten, die zum normalen Aufenthalt der Menschen gehören oder durch ihre Weidetiere für die Bio-Landwirtschaft genutzt werden“. Es solle über Warnschüsse und „das Recht zur Entnahme nicht mehr lange diskutiert werden“.

„Die Natur regelt sich selbst, solange es für alle Arten natürliche Feinde gibt. Der einzige natürliche Feind für den Wolf ist aber der Mensch“, sagt Diesner-Wais. Es gehe um ein geregeltes Vorkommen innerhalb eines Abschussplanes: „Passiert das nicht, greift man auch durch Nichtstun in die Natur ein.“ Herdenschutz durch Zäune halten die Betreiber der Unterschriften-Aktion für teuer und großteils zwecklos, auch Herdenhunde sehen sie nicht als Lösung. Sie berufen sich auf Ausnahmeregelungen der „Fauna-Flora-Habitat“-Richtlinie zur Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt, die den Wolf als prioritäre Art führt.

Ein erster Schritt wurde gesetzt

Am Freitag, 17. August, lud die Bezirksbauernkammer Zwettl zum Thema „Herdenschutzmaßnahmen und Erfahrungsaustausch“ in den Waldviertler Hof in Langschlag ein. Willi Klaffl aus Langenlois berichtete über seine Erfahrungen mit Wolfzäunen und Herdenschutzhunden. In der anschließenden Diskussion mit Daniel Heindl, der in der Landwirtschaftskammer zuständig für Wölfe ist, kamen neben den Sorgen der vielen Landwirte auch die Ängste in der Bevölkerung zur Sprache.

Mittels Bescheid der Bezirkshauptmannschaften Zwettl und Gmünd wird nun in bestimmten Revieren den Jägern die Möglichkeit eingeräumt, Schreckschüsse abzugeben bzw. zu Gummigeschoßen als Vergrämungsmaßnahme zu greifen. „Das ist eine rechtlich vorgesehene Möglichkeit, die wir ausschöpfen können und angesichts der Umstände auch ausschöpfen müssen“, erklärt Bezirkshauptmann Michael Widermann. „Wir werden sehen, ob diese Maßnahme etwas bringt!“

Adelheid Kamin
Diesen eineinhalb Meter hohen Zaun überwand der Wolf bei seiner jüngsten Attacke in Langschlag. Man sieht noch die Stelle, an der er die Hürde überwand.

Für Bezirksbauernkammerobmann Dietmar Hipp ist das ein erster Schritt. „Es besteht absoluter Handlungsbedarf. Die Bauern und die Bevölkerung müssen spüren, dass ihre Sorgen ernst genommen werden. Sie brauchen Unterstützung, denn die Verunsicherung ist groß.“ Ob die nun erlaubten Maßnahmen ausreichend sind und greifen, werde man erst in ein paar Wochen sehen, ist Hipp nur vorsichtig optimistisch. Leicht werde es nämlich nicht sein, den Wolf zu vergrämen, denn es handelt sich um einen Problemwolf und wenn der einmal „ein Schaf geschmeckt hat“, werde man ihm das nicht mehr so leicht abgewöhnen können. Außerdem müsse man den Wolf erst finden. „Der wartet ja nicht draußen auf den Jäger“, so Hipp.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Gmünds Bezirksjägermeister Ernst Strasser: „Es ist ein erster Schritt, aber der wird sicher nicht ausreichen.“ Das Problem der Jäger sei, dass bei uns noch kaum einer dem Wolf näher als 100 m gekommen ist. „Man muss für ein Gummigeschoß eine eigene Flinte mitführen, das Geschoß reicht aber maximal 30 Meter – das tut dem Wolf nicht einmal richtig weh“, so Strasser. Erschwerend dazu komme die Dunkelheit der Nacht.

M. Lohninger
Sammeln Unterschriften: Andreas Maringer, Klaus Tannhäuser, Martina Diesner-Wais, Markus Wandl und Ewald Wiesmüller (v.l.).