Nahversorger: Wo der Kunde König ist. Kleine Läden, wie der von Elfriede Prichenfried in Kirchbach, sind noch immer wichtiger Treffpunkt für ganzen Ort.

Von Martina Hofer. Erstellt am 27. November 2019 (04:56)
Anton Mayerhofer kauft schon seit 60 Jahren im Gemischtwarenladen von Elfriede Prichenfried (rechts) ein. Dabei verweilt er auch gerne ein bisschen länger im Geschäft, denn hier gibt es immer etwas Neues zu berichten. Mit im Bild: Grete Fressl.
Martina Hofer

Der kleine Gemischtwarenladen von Elfriede Prichenfried in Kirchbach ist ein wahres Unikat: Die 87-jährige führt das Geschäft, seit sie 16 Jahre alt war. 2007 gab sie ein Flugblatt heraus, auf dem sie die Schließung ankündigte, aber Peter Kastner, dem Geschäftsführer des gleichnamigen Großhändlers in Zwettl, war es ein Anliegen, dass die Greißlerei erhalten bleibt.

„Er wollte nicht, dass zu ist, denn wenn zu ist, ist es vergessen“, erzählt die jüngere Schwester der Eigentümerin Grete Fressl im Gespräch mit der NÖN. „Er hat uns gefragt, ob wir eine ältere Dame kennen, die sich für ein paar Stunden in das Geschäft stellt - aber für ein paar Stunden hat es keinen Sinn.“ Prichenfried erklärte sich dazu bereit, das Geschäft noch weiter zu betreiben. Inzwischen sind schon wieder 13 Jahre vergangen und das Alter macht sich nun deutlich bemerkbar.

Dank Fressl bleibt das Geschäft noch geöffnet. Sie ist ebenfalls mit dem Geschäft aufgewachsen. Mit 21 Jahren ist sie nach Wien gegangen, wo sie 40 Jahre lang lebte. In der Pension ist sie wieder zurückgekommen. Seitdem unterstützt sie ihre Schwester in der Greißlerei.

Anton Mayrhofer, langjähriger Stammkunde, gibt Elfriede Prichenfried scherzhaft den Titel: „Längstdienende Budlbesitzerin.“ Einmal in der Woche kommt Mayrhofer zum Einkaufen und trinkt dabei ein „Dreh und Drink“, wie er die 0,3l Bierflaschen nennt. Dann erzählt er den beiden Damen ein paar Witze und Neuigkeiten zur Aufheiterung.

Nahversorger erfüllt wichtige Funktion

Seit rund 60 Jahren kauft er in der Greißlerei ein. „So ein Geschäft ist wichtig, wenn man was braucht, vor allem für ältere Leute“, sagt Mayrhofer. „Nur wenn man spezielle Wünsche hat, muss man doch woanders hinfahren.“

Wobei sich das Ladensortiment durchaus sehen lassen kann. Man bekommt hier nicht nur Lebensmittel, sondern auch Nägel, Reißbürsten und Zahnpasta. „Nur die Mäusefallen sind ihr heuer ausgegangen“, wirf Mayrhofer lachend ein. Aber Grete Fressl berichtigt ihn sofort, „die habe ich schon nachbestellt.“

Das Geschäft sperrt jeden Tag um 7 Uhr morgens auf und schließt um 17 Uhr beziehungsweise um 18 Uhr im Sommer. Einen Urlaub haben sich die fleißigen Damen nie gegönnt.
Früher war es üblich, dass die Leute nach der Kirche ins Geschäft gekommen sind und eingekauft haben. Heute ist das vorbei. „Die alte Generation war der Kunde, der beim Greißler eingekauft hat, bei den Jungen gibt es nur ein paar, die die Treue halten.“ Die Schwestern blicken mit ein wenig Melancholie zurück. „Es gab schöne und schwere Zeiten.“ Auf die Frage wie es weitergehen wird, schweigen sie.

„Noch immer Zeit für Klatsch und Tratsch“

Die „Nah und Frisch“ Filiale von Willibald Schindler aus Gerweis feierte vor Kurzem ihr 90-jähriges Bestehen. Vor 15 Jahren hat Schindler das Geschäft von seinem Vater übernommen. Für ihn ist es mehr „eine Liebhaberei und ein Nebenberuf“. Die ganze Familie arbeitet mit und bringt sich ein, damit das Geschäft fortgeführt werden kann. Er sieht es auch ein bisschen als seine soziale Verantwortung für das „Gallische Dorf im Waldviertel“, wie er augenzwinkernd sagt.

Unsere „Nah und Frisch“ Filiale ist nicht einfach nur ein Lebensmittelladen, sondern ein Treffpunkt für Kommunikation in der Dorfgemeinschaft. „Bei uns ist es einfach nicht so stressig, wie in einem Supermarkt. Hier nimmt man sich noch Zeit für Klatsch und Tratsch.“ Und auch wenn es oft nicht einfach ist, blickt Willibald Schindler wieder optimistischer in die Zukunft und sagt dazu: „Momentan ist es stimmig.“

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